Endlich Feierabend.
Als ich die Tür meiner kleinen Studentenwohnung hinter mir schließe, lasse ich meine Tasche neben das Schuhregal fallen und atme tief durch. Die Stille fühlt sich wie eine Erlösung an.
Der heutige Tag an der Wirtschaftshochschule hat mich vollkommen ausgelaugt. Erst Unternehmensfinanzierung, danach Statistik und zum Abschluss eine Gruppenarbeit, bei der ich – wie so oft – den Großteil der Arbeit übernommen habe. Eigentlich hätte ich etwas sagen sollen. Stattdessen habe ich gelächelt, genickt und einfach weitergemacht.
Typisch ich.
Ich streife meine Sneaker ab, schlüpfe in meine Hausschuhe und schiebe eine lose Strähne meines langen, kastanienbraunen Haares hinter mein Ohr.
Ich liebe meine kleine Wohnung. Sie ist nichts Besonderes. Ein Schlafzimmer, ein kleines Wohnzimmer mit offener Küche und ein schmales Badezimmer. Trotzdem fühlt sie sich nach Zuhause an. Hier erwartet niemand etwas von mir. Hier muss ich niemandem gefallen oder beweisen, dass ich gut genug bin.
Ich lege meine Jacke ordentlich über den Stuhl an meinem Schreibtisch, lege mein Handy auf den Nachttisch und binde meine Haare zu einem lockeren Zopf zusammen.
Wie jeden Abend.
Ich mag Routinen. Sie geben mir das Gefühl, dass wenigstens irgendetwas im Leben vorhersehbar ist.
Im Badezimmer drehe ich den Wasserhahn auf. Das warme Wasser rauscht in das Waschbecken, während ich mein Spiegelbild betrachte. Ich sehe müde aus. Kein Wunder. Die Prüfungsphase rückt immer näher, und neben dem Studium arbeite ich noch mehrere Schichten in einem kleinen Café. Langsam merke ich, wie mir die Kraft ausgeht.
„Nur noch duschen, einen Tee machen und dann ins Bett", murmele ich mir selbst zu. Genau in diesem Moment zerreißt das Klingeln meines Handys die angenehme Stille. Ich verdrehe die Augen. „Ernsthaft?" Für einen kurzen Moment überlege ich, sofort nachzusehen. Dann schüttle ich den Kopf. Wer auch immer mir schreibt, kann warten. Ich wasche mir in Ruhe das Gesicht, trockne mich ab und trage meine Abendpflege auf. Danach bürste ich mir noch einmal durch die Haare.
Erst als ich mit meiner Abendroutine fertig bin, verlasse ich das Badezimmer. Barfuß laufe ich über den kühlen Boden zurück in mein Schlafzimmer.
Das Display meines Handys leuchtet noch immer. Ich nehme es in die Hand.
Unbekannte Nummer.
Meine Stirn legt sich in Falten. Komisch. Normalerweise schreibt mir niemand von einer fremden Nummer. Vielleicht Werbung. Vielleicht eine Verwechslung. Ich entsperre mein Handy.
Es gibt nur eine einzige Nachricht.
Unbekannte Nummer.
| Ich hoffe, du bist gut nach Hause gekommen. |
Ich starre einige Sekunden auf den Bildschirm. Mehr steht dort nicht. Kein Name. Kein Profilbild. Keine Erklärung.
Nur dieser eine Satz.
„Seltsam ...", murmele ich leise.
Ich öffne das Profil. Nichts. Keine Informationen. Nicht einmal ein Status. Ich lege das Handy zurück auf den Nachttisch und verschränke die Arme. Bestimmt hat sich jemand verwählt. Trotzdem bekomme ich den Gedanken nicht aus meinem Kopf. Woher sollte irgendjemand wissen, dass ich gerade erst nach Hause gekommen bin?Ich schüttle über mich selbst den Kopf. Jetzt fang bloß nicht an, Gespenster zu sehen. Vielleicht hat mich jemand von der Hochschule gesehen. Vielleicht war die Nachricht gar nicht für mich bestimmt. Vielleicht denke ich einfach viel zu viel nach. Ich gehe zum Fenster.
Draußen ist es inzwischen dunkel geworden. Das Licht der Straßenlaternen spiegelt sich auf dem nassen Asphalt. Ein Auto fährt langsam vorbei, irgendwo führt eine ältere Frau ihren Hund spazieren.
Alles wirkt vollkommen normal. Ich ziehe die Vorhänge zu und verriegele das Fenster. Nicht, weil ich Angst habe. Sondern weil ich das jeden Abend mache.
Zumindest rede ich mir das ein.
Ich schlüpfe unter meine Bettdecke und greife automatisch noch einmal nach meinem Handy. Der Chat hat sich nicht verändert. Diese eine Nachricht. Ich tippe kurz auf das Eingabefeld.
| Wer bist du? |
Meine Finger schweben über der Tastatur. Nein. Warum sollte ich einer fremden Nummer antworten? Ich lösche den Text wieder, lege mein Handy auf den Nachttisch und schalte das Licht aus.
Die Dunkelheit breitet sich im Zimmer aus. Normalerweise schlafe ich innerhalb weniger Minuten ein. Heute nicht.
Immer wieder wandert mein Blick zu meinem Handy. Immer wieder denke ich an diese Nachricht.
| Ich hoffe, du bist gut nach Hause gekommen. |
Eigentlich ist das ein völlig harmloser Satz. Und trotzdem fühlt er sich falsch an. Zu persönlich.
Fast so, als hätte jemand gewusst, wann ich meine Wohnung betreten habe. Ich drehe mich auf die andere Seite und ziehe die Decke etwas höher.
„Du steigerst dich da gerade rein", flüstere ich in die Dunkelheit.
Vielleicht stimmt das. Vielleicht ist es wirklich nur eine falsch verschickte Nachricht. Vielleicht lache ich morgen schon darüber. Mit diesem Gedanken schließe ich schließlich die Augen.
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Eine einzige Nachricht
RomanceMya führte ein ganz normales Leben - bis eine einzige Nachricht alles veränderte. Was als harmloser Austausch beginnt, führt sie Schritt für Schritt in eine ihr völlig fremde Welt. Als schließlich eine Einladung auf ein geheimnisvolles Anwesen eintr...
