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Kapitel 1

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Freitagabend. Endlich Wochenende. Jonas und ich sitzen zusammen auf der Couch. Der Fernseher läuft. Was genau da eigentlich läuft weiß keine von uns beiden. Jonas hat sein Handy in der Hand und scrollt sich in den Rausch. Ich lese derweil wieder mal ein Buch. Also das typische Wochenende eines Erwachsenen Pärchens. Man lebt gemeinsam, aber irgendwie nicht zusammen. 

Ich hab Jonas in der Uni kennengelernt. Er hat Finanzwesen studiert und mich in der Mensa angesprochen, als er wieder einmal mitbekommen hatte, das ich mich völlig bei den Kosten meines Mittagessens verkalkuliert habe. Nachdem er dann meine fehlenden 2€ beglichen hatte, haben wir gemeinsam gegessen und sind dann ein paar mal ausgegangen, bevor wir zusammen gekommen sind. Gemeinsam mit unseren Freunden haben wir dann die Stadt unsicher gemacht. Ständig waren wir völlig besoffen, oder wie Jonas es nannte: Voller Leidenschaft, in Bars und Clubs, aus denen wir relativ schnell rausflogen. Unsere Leidenschaft war den Besitzern wohl etwas zu viel. Wir haben es einfach geliebt. Ich habe es geliebt mich der dröhnenden Musik hinzugeben und zu tanzen. In Clubs hatte ich das Gefühl, mich würde keiner sehen und die mich sahen, waren zu betrunken um sich daran noch am nächsten Tag zu erinnern. Ich konnte einfach alles abschütteln. Das waren noch Zeiten, aber jetzt... Ja, was eigentlich jetzt? Ich meine ich bin 26, ich bin doch noch nicht zu alt dafür. Warum machen wir sowas nicht mehr? 

Ich lege mein Buch weg und schau Jonas an. Ohne auch nur von seinem Handy aufzusehen fragt er kurz und knapp : " Was ist?" 

"Was machen wir morgen? Wollen wir mal wieder ausgehen?"

"Ja, keine Ahnung. Können wir machen, wenn du willst." Scroll. 

"Hast du auf was bestimmtes Lust?" Schultern zucken. Scroll. " Es muss doch etwas geben, worauf du auch Lust hast. Ich will das nicht alleine bestimmen. Was hälst du von Essen gehen mit Jana und einem ihrer neuen Typen und dann was trinken gehen" Bei dem Gedanken musste ich kichern. Jana ist meine beste Freundin, seit ich nur denken kann. Im Gegensatz zu der Beziehung zwischen uns, kann sie aber Beziehungen zu Männern nur kurz halten. 

"Ja, meinetwegen. Klingt gut." Scroll. Er hat nicht mal meinen Witz mitbekommen. Hört der mir überhaupt zu. 

"Begeistert klingst du ja jetzt nicht wirklich. Wir können auch was anderes machen, wenn dir das lieber ist." Jonas stöhnt schwer auf und löst endlich mal den Blick von seinem Handy. 

"Livia, mir ist völlig egal was wir machen. Du bist diejenige, die was unternehmen will. Ich würde auch einfach hierbleiben. Die Woche war anstrengend und ich bin müde." Also so wie jede Woche und trotzdem kann er sich Videos bis mitten in der Nacht ansehen. Er senkt wieder den Blick auf sein Handy. Scroll- Gespräch beendet. 

Ich nehme wieder mein Buch in die Hand, um weiterzulesen. Wirklich lesen tu ich aber nicht. Meine Augen starren die Wörter an, ohne auch nur eines davon aufzunehmen. Ich verstehe Jonas ja, ich bin auch geschafft von der Woche, aber soll es das jetzt sein? Soll das jetzt das Leben sein? Arbeiten, schlafen und am Wochenende darauf warten, dass man wieder arbeiten geht? Das kann es doch nicht sein. Ich lege wieder das Buch weg und Jonas atmet sofort schwer aus und lässt den Kopf in den Nacken fallen. 

"Was Livia? Was ist los?" Ich zucke nur mit den Schultern. "Wenn du was sagen willst, dann sag es, aber schau mich nicht immer einfach nur an." Kurz zögere ich. Will ich die Antwort auf meine Frage wirklich wissen? 

"Bist du glücklich, Jonas? Also mit deinem Leben und wie alles gekommen ist?"  Er holt tief Luft bevor er mit einem leicht genervten Ton antwortet.

"Ja ich bin glücklich. Ich habe einen großartigen Job, eine tolle Wohnung und dich. Also ja, ich bin glücklich. Lies einfach bitte weniger von diesen Büchern, die tun deinem Kopf nicht gut." Er schnippst mir leicht schmerzhaft gegen den Kopf und widmet sich wieder dem Handy. "und dich"  wiederholt es sich in meinem Kopf. Enttäuschung machte sich in mir breit. Ein GROSSARTIGER Job und eine TOLLE Wohnung und dann nur mich. Keine toll, kein schön, kein gar nichts. Einfach nur ich, genauso wie einfach nur er. Genauso wie nur seine Gefühle eine Rolle zu spielen scheinen und nach meinen gar nicht erst gefragt wird. 

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⏰ Last updated: Jul 02 ⏰

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