Kapitel 1

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Ich setze den Blinker und biege von der A8 auf die A61 Richtung Koblenz ab. Nicht mehr lange. Die nächste Raststätte kommt wie gerufen. Nach fast fünf Stunden Fahrt brauche ich dringend einen Kaffee.

Ich steuere die nächste Raststätte an und parke mein neues Auto, einen schwarzen Mini Cooper S, den ich mir erst vor 2 Monaten bei einem Gebrauchtwagenhändler gekauft habe. In der Raststätte ist um diese Uhrzeit nicht viel los, der Mittagsansturm wird erst in circa einer Stunde losgehen. Ich gehe an die Theke und bestelle mit einen großen Latte Macchiato mit Karamell, welchen die nette Bedienung mir lächelnd richtet. "Ganz alleine unterwegs? " fragt sie mich freundlich, während sie die Tasten der Kaffeemaschine bedient. "Ja, ich fahre nach Koblenz und treffe mich dort mit 2 Freundinnen. Wir wollen zusammen auf ein Konzert." "Oh schön. Ich habe gehört Max Gießinger spielt dort morgen auf der Burg Ehrenbreitstein. Geht ihr dort hin?" "Nein. Wir sind am Samstag bei Michael Patrick Kelly auf der Loreley." "Oh wie toll, da bin ich auch. Ich hoffe, ich komm hier pünktlich raus." Ich lächle sie an, während sie mir meinen Kaffee in einem Pappbecher reicht. "Dann drück ich dir die Daumen. Vielleicht sieht man sich ja. Wünsch dir einen tollen Tag," verabschiede ich mich und lege ihr 5€ für den Kaffee und das Trinkgeld hin. "Das wünsche ich dir auch." Mit diesen Worten drehte ich mich um und verlasse das Restaurant.

Vor dem Restaurant befindet sich eine kleine Veranda. Ich nicke dem älteren Ehepaar zu, welches an dem einzig besetzten Tisch sitzt und ziehe mir einen Stuhl an einem freien Tisch heraus und setze mich mit meinem Kaffee. Die Sonne scheint mir warm ins Gesicht. Ich schließe meine Augen und lasse meine Gedanken schweifen. Wer hätte gedacht, dass ich heute hier sitze, alleine und glücklich. Vor etwas mehr als einem Jahr war meine Welt komplett zusammengebrochen.

Mein Mann hat mir eines Abends im April eröffnet, dass er so nicht weiter leben konnte. Ja wir hatten Probleme, doch dass sie so schlimm waren hätte ich damals nicht gedacht. Wir lebten mehr wie on einer WG, als in einer Beziehung. Da war keine körperliche Anziehung mehr zwischen uns, schon seit Jahren. Doch ich war überzeugt, dass das alles nur eine Phase wäre oder einfach normal. Schließlich waren wir schon über 20 Jahre zusammen. Dass er so anders fühlt war mir nicht klar. Keine Woche nach dieser Offenbarung ist er aus unserer gemeinsamen Wohnung ausgezogen und ließ mich zurück. Ich fiel in ein tiefen Loch. Nacht für Nacht starrte ich auf die leuchtenden Zahlen meines Weckers. 02:17. 03:41. 04:28. Schlaf fand ich keinen mehr. Ich war verloren. Mitte Mai kam dann ein dicker brauner Umschlag von einer Anwaltskanzlei mit den Scheidungspapieren. Sofort rief ich meinen Mann an und fragte, ob das sein Ernst war und er meinte nur :„Bitte mach es nicht schwerer, als es ohnehin schon ist", sagte er leise. „Wir waren schon lange nicht mehr glücklich." Weinend hatte ich aufgelegt und die Papiere unterschrieben. Er hatte Recht. Ich war nicht mehr glücklich. Nicht nur in unserer Ehe sondern auch mit meinem Leben. Ich hatte einen Job, der mir meine Ausgaben zahlte, mich aber nicht erfüllte. Nebenher eine Selbständigkeit, die nicht lief. Kaum Freunde, seit meine beste Freundin der Liebe wegen 500 Kilometer weit weg gezogen war und eine Ehe die kaputt war. So wollte ich nicht mehr weiter leben.

Also nahm ich mir Urlaub von meiner Arbeit und fuhr erst mal zu meiner Oma nach München, die einzige Verwandte, die ich in meinem Leben noch hatte. Alle anderen hatte ich aus meinem Leben ausgeschlossen, als ich merkte, dass sie mir nicht gut tun und mich aussaugten wie Vampire. Meine Oma empfing mich wie immer mit offenen Armen, einer guten Tasse Tee und einem offenen Ohr. In den zwei Wochen, die ich bei ihr war, habe ich mit ihr zusammen mein Leben neu geordnet, Entscheidungen getroffen und mir alles von der Seele geredet, was mich die letzten Jahre belastet hatte.

Als ich im Zug zurück nach Hause fuhr, wusste ich, dass es nicht für lange sein würde.

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