Annalena hatte schon auf halbem Weg zur Bar beschlossen, dass es ihr letzter Drink für den Abend sein würde. Nicht, weil sie genug hatte, sondern weil sie keine Lust mehr hatte, sich durch diese Menschenmenge zu schieben. Der Club war inzwischen so voll, dass sich jede Bewegung wie ein kleiner Kampf anfühlte – Ellenbogen, verschwitzte Arme, irgendwie klebte der Boden.
„Ein Aperol Spritz, dann bin ich durch", murmelte sie mehr zu sich selbst als zu irgendwem sonst.
An der Bar angekommen, lehnte sie sich leicht nach vorne, versuchte Blickkontakt mit dem Barkeeper aufzubauen, während sie gleichzeitig ihre Haare aus dem Gesicht strich. Neben ihr tauchte plötzlich jemand auf – groß, nah, zu nah. Sie bemerkte ihn erst, als er sich ein Stück zu ihr vorbeugte.
„Hey, würdest du—"
Annalena drehte sofort den Kopf zu ihm, innerlich schon genervt.
Nicht schon wieder.
Sie hatte an diesem Abend schon genug „Hey Süße", „Na, ganz allein hier?" und „Lächle doch mal" abgewehrt. Ihre Geduld war aufgebraucht und dieser Typ – egal wie er aussah – hatte einfach Pech.
„Kein Interesse", sagte sie knapp, ohne ihn wirklich anzusehen. „Echt nicht."
Für einen kurzen Moment entstand eine seltsame Stille zwischen ihnen, zumindest gefühlt. Der Bass vibrierte weiterhin durch den Raum, Leute lachten, Gläser klirrten. Aber direkt neben ihr war es plötzlich... stockend.
„Ich wollte nur—", setzte er an, brach dann aber ab.
Annalena drehte sich schon wieder weg, hob eine Hand, um den Barkeeper auf sich aufmerksam zu machen, als sie aus dem Augenwinkel sah, wie der Mann neben ihr kurz innehielt. Er musterte sie nicht einmal wirklich – eher so, als würde er überlegen, ob sich eine Erklärung überhaupt lohnte.
Dann hob er einfach beide Hände ein kleines Stück an, ein stummes „alles gut" und schob sich an ihr vorbei zur Seite der Bar, wo mehrere Flaschen standen.
Er wollte nur an die Getränke.
Oh.
Annalena spürte, wie ihr kurz heiß wurde und diesmal lag es nicht am vollen Club. Sie presste die Lippen zusammen, sagte aber nichts. Stattdessen konzentrierte sie sich demonstrativ auf ihre Bestellung.
„Ein Aperol Spritz, bitte", rief sie dem Barkeeper zu, vielleicht ein bisschen zu laut.
Als sie ihr Getränk bekam – tatsächlich in einer kleinen Glasflasche – griff sie danach, drehte sich um und verschwand so schnell wie möglich wieder in der Menge.
Zurück bei ihren Freundinnen war von der Szene nichts mehr zu spüren. Sie lachten, tanzten, sangen schief zu Songs mit, die sie alle kannten. Annalena ließ sich mitziehen, hob die Arme, spürte den Bass, der durch ihren Körper ging, und für eine Weile vergaß sie die peinliche Situation an der Bar komplett.
Erst etwa eine Stunde später, als sie alle kurz an den Rand der Tanzfläche zurückkehrten, kam Mia plötzlich aufgeregt von den Toiletten zurück.
„Ich hab gerade den schönsten Mann meines Lebens gesehen", verkündete sie atemlos und ließ sich neben Annalena fallen.
Annalena lachte. „Du sagst das jeden zweiten Samstag."
„Nein, wirklich diesmal!", beharrte Mia und griff nach Annalenas Arm. „So... groß, dunkelblonde Haare, irgendwie... ich weiß nicht, der hatte so eine Ausstrahlung. Und alle haben ihn angeguckt."
„Aha", sagte Annalena trocken und nahm einen Schluck aus ihrer Flasche. „Und hat er dich auch angeguckt?"
Mia verzog das Gesicht. „Nein, leider nicht. Aber ich schwöre dir, das war kein normaler Typ."
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Nordglanz
FanfictionManchmal reicht ein einziger Abend, um etwas ins Rollen zu bringen, das man nicht mehr einfach vergessen kann. Annalena hatte nicht vor, jemanden kennenzulernen. Schon gar nicht Robert. Doch zwischen ihnen entsteht eine Leichtigkeit, die sie überras...
