We've updated our Content Guidelines.
Review the latest guidelines to keep sharing stories safely.

Prolog

1 0 0
                                        



Clara

Ich saß quer über Emmas Bett, während meine beste Freundin mit dramatischem Seufzen vor ihrem Kleiderschrank stand. Aus Erfahrung wusste ich, dass Emma in solchen Momenten nur eine Sache wollte. Aufmerksamkeit. Also warte ich bis sie anfing zu reden. Geduldig. Oder zumindest so geduldig wie es ging, wenn man eigentlich nur eine Serie gucken wollte.

„Clara", begann Emma, die Hände in die Hüften gestemmt, „du musst mitkommen. Ich kann da nicht alleine hin."

Clara hob eine Augenbraue. „Es ist nur eine Party."

„Ist es nicht. Es ist Lennys Party!" rief Emma als wurde diese Aussage alles aufklären.

Und in gewisser Weise tat es das auch.

Ich spürte, wie mein Herz bei dem Namen einen kleinen Sprung machte. Lenny. Lennart Winter. Der beste Freund von Jonathan - Emmas älterem Bruder. Dieser eine Typ, der immer ein verschmitztes Grinsen im Gesicht hatte, so als wusste er etwas was alle anderen nicht wussten. Dieser eine Typ, der jeden Raum für sich gewann. Und derjenige, für den ich schon seitdem ich klein war schwärmte. 

„Gerade deshalb will ich da nicht hin." murmelte ich und spielte mit einem der Kissen auf Emmas Bett.

Emma ließ sich neben mich fallen. „Bitte, Clara. Jonathan hat mir zum ersten Mal erlaubt mitzukommen! Zum ersten Mal darf ich auf eine seiner Partys – und du weißt, wie er ist. Wenn ich da alleine aufkreuze, wird er mich jede Sekunde beobachten. Aber wenn du dabei bist..." Sie zog eine Grimasse. „...dann ist er wenigstens nur halb so anstrengend."

Ich lachte. „Da überschätzt du mich."

„Nein, ich vertraue dir. Und außerdem...", Emma beugte sich etwas näher, „du bekommst Lenny zu sehen."

Ich spürte, wie mein Gesicht heiß wurde. „Das ist kein Argument."

Emma grinste breit. „Oh doch, und das weißt du."

Ich warf das Kissen nach ihr – halb empört, halb lachend.

Doch tief in meinem Inneren wusste ich, dass Emma recht hatte. Ich wollte Lenny sehen. Auch wenn ich wusste, dass ich mich so nur noch mehr in die Scheiße ritt. Aber was wollte man machen.

„Also?", fragte Emma leise, hoffnungsvoll.

Ich seufzte. „Okay. Ich komme mit."

Emma jubelte sofort los, schnappte sich ein Top vom Boden und startete eine wilde Modenschau, obwohl ich noch nicht einmal aufgestanden war.

—————————————————————————

Eine Stunde später standen beide geschminkt, gestylt und voller Nervosität im Flur. Ich hatte sich für ein schulterfreies schwarzes Oberteil entschieden, das ich selten trug – eines dieser Kleidungsstücke, das ich nur mit Emmas gutem Zureden überhaupt gekauft hatte. Dazu Jeans, die perfekt saßen. Meine Haare hatte sie mit Lockenwicklern gelockt und ließ sie mir über die Schultern fallen. Außerdem hatte ich mich - Nach langem Zureden von Emma - etwas auffälliger geschminkt. Trotzdem nicht too much, aber auch nicht langweilig. Genau richtig für eine Party, auf der ich am liebsten unsichtbar sein wollte.
Emma hingegen trug einen schwarzen Rock, den sie sich erst neu gekauft hatte, und darauf hatte sie ein schwarzes Spaghettiträger Top kombiniert. Ihre Haare waren hochgesteckt und sie trug eine Art Smokey Eyes, was sehr typisch für Emma war.

Der Türsummer brummte.

„Das ist Jonathan", rief Emma, schnappte sich ihre Tasche und rannte los.

Ich atmete tief ein und folgte ihr.

Draußen lehnte Jonathan schon an seinem Auto und zog skeptisch eine Augenbraue hoch, als er die beiden sah. „Ihr seht... einigermaßen normal aus. Gut."

„Wow", murmelte Emma. „Danke für das Kompliment."

Im Auto begann Jonathan sofort seine obligatorische Ansprache. Ich kannte sie in und auswendig – ich hatte sie schon oft gehört, meistens weil Emma sie nicht ernst nahm.

„Also", begann Jonathan und warf ihnen im Rückspiegel einen strengen Blick zu, „ihr bleibt zusammen. Kein Herumrennen allein. Wenn irgendwas ist, ruft ihr mich. Und – Emma, ich meine das ernst – nimm keine Drinks von Fremden an."

„Lenny ist kein Fremder", warf Emma ein.

„Lenny ist schlimmer als ein Fremder", antwortete Jonathan trocken. „Er hält sich für unantastbar."

Ich schluckte. Genau das befürchtete ich ja. Dass jemand wie Lenny bemerkten würde, dass ich... nun ja. Dass ich existierte.

Emma legte mir unbewusst beruhigend eine Hand aufs Knie und lächelte mir zu.

Als sie in die Einfahrt von Lennys Haus einbogen, schlug mein langsam das Herz bis zum Hals. Lichterketten hingen über der Veranda, Musik vibrierte durch die Wände, und Leute standen schon im Garten.

„Legendär", sagte Emma ehrfürchtig.

Jonathan grinste. „Genau das meine ich."

Er stieg aus, ging um das Auto herum und öffnete uns die Türen wie ein Türsteher auf einem königlichen Ball. „Kommt. Bleibt bei mir, bis wir Lenny gefunden haben."

Clara nickte. Sie war vorbereitet auf diesen Abend.

Dachte sie zumindest.

Denn sobald sie durch die Haustür traten, sah sie ihn.

Lenny.

Mit seinem typischen, breiten, leicht spöttischen Grinsen. Einen dieser Pappbecher in der Hand, ein Funkeln in den Augen. Er sah aus, als wäre die ganze Party nur sein persönliches Königreich.

Und für einen Moment – nur einen kleinen – blieb die Welt um mich herum stehen.

—————————————————————————

You've reached the end of published parts.

⏰ Last updated: May 31 ⏰

Add this story to your Library to get notified about new parts!

Too Close To Fall Stories to obsess over. Discover now