1 - Traumurlaub im Paradies

20 4 0
                                        

,,Jetzt komm endlich!", gestresst fuhr sich Vincent durch die Haare und schaute zum gefühlt hundertsten Mal auf seine teure Armbanduhr. Der Urlaub in Südamerika war Dags Idee gewesen und nun war er es, der mal wieder zu spät war. ,,Jaha", maulte der Ältere und zog seine beiden Koffer hinter sich her. ,,Halten die durch?", wollte Vincent wissen. Mit einem prüfenden Blick musterte er Dags Gepäckstücke, an denen mehr Sticker und Panzertape zu erkennen waren als die ursprünglichen Hartschalen. Sein bester Freund verdrehte nur die Augen und hievte seine Koffer auf den Trolley, welchen Vincent bereits ungeduldig bereithielt.
Im Terminal angekommen ging alles ganz schnell - Check-In, Gepäckabgabe, Sicherheitskontrolle, Duty Free Bereich. Während der größere der beiden Berliner sich durch die Parfum-Abteilung schnupperte, nutzte Dag die Gelegenheit, noch eine letzte Zigarette zu rauchen, ehe er sich der stundenlangen Abstinenz hingeben musste.
Wenige Minuten später ertönte bereits der Aufruf zum Boarding und die beiden Männer machten es sich in ihren Erste-Klasse-Logen gemütlich. ,,Wieviele Stunden muss ich jetzt aushalten?", nuschelte Dag. ,,14 Stunden", grinste Vince und stopfte sich seine Airpods in die Ohren. Schnaufend entschied Dag sich also, seine Nase in seinen neuen Roman zu stecken, den er extra für die Reise besorgt hatte.

Einige Stunden, viele Snacks und mehrere Powernaps später landete die Maschine dann endlich in Panama City.
,,Boah, die Luft hier erschlägt mich", fluchte Vincent sofort, als sie mit ihren Koffern bewaffnet den klimatisierten Flughafen verließen. Zum Glück konnten sie ihren Fahrer schnell ausfindig machen, der sie zu ihrem Strandresort bringen sollte.
Ziemlich gerädert von der langen Reise kamen sie dort schließlich an und wurden nach einem unkomplizierten Check-In schnell auf ihre Zimmer gebracht. Über einen Balkon waren beiden Suiten miteinander verbunden, separate Eingangstüren hatten dennoch beide. ,,Eins muss man dir lassen, das hast du genial ausgesucht", schwärmte Dag, schon eine Kippe zwischen den Lippen, als sie die Aussicht über den Strand und auf das Meer genossen.
,,Stimmt", schwärmte Vincent verträumt, ,,und das gehört jetzt zwei Wochen lang uns". Seine braunen Augen schweiften über die Landschaft. Endlich Urlaub. Wie lange war der letzte her? Jedenfalls so lange, dass er es nicht mehr genau sagen konnte.
,,Aber jetzt bin ich müde. Ich geh duschen und hau mich dann ins Bett", gähnte Dag und riss seinen besten Freund damit aus seinen Gedanken. ,,Danke, Vinnie", flüsterte er noch leiser. ,,Hm?", irritiert suchte der Produzent seinen Blick. ,,Danke, dass wir das zusammen machen", und schon hatte er Vincent in eine innige Umarmung gezogen.
Auch Dag tat dieser Urlaub gut, da war sich Vincent sicher. Seitdem er vor einigen Wochen verlassen worden war, drohte er immer wieder in seinen Depressionen zu versinken. Hier, ganz weit weg von zuhause, würde er bestimmt auf andere Gedanken kommen.

,,Vincent, schau dir das an! Oh, Pancakes! Erdbeeren! Oh, Bacon!". Vincent konnte nur schmunzeln. Wie ein kleines Kind freute Dag sich am nächsten Morgen über das üppige Frühstücksbuffet. ,,Ich kann mich gar nicht entscheiden", schmollte der Blauäugige, dessen Teller bereits randvoll beladen war mit einer Kombination aus Gerichten, die Vincent fast schon sprachlos machte.
,,Was möchtest du heute machen?", schmatzte Vincent, während er sich sein Frühstücksei in den Mund schob. ,,Lass uns an den Strand gehen. Und ins Meer. Vorne an der Rezeption liegen Flyer, was man hier so an Tagesausflügen machen kann. So einen nehmen wir uns mit. Du kannst bestimmt auch mal wieder tauchen gehen!", Dag war immer noch ganz aufgeregt.
,,Klingt gut", lächelte Vincent ihn an und leerte sein Glas Ananassaft.

Eine gute Stunde später standen Dag und Vincent am Strand. Der Kleinere schloss die Augen und spürte den Sand unter seinen Füßen, die warme Luft in seinen Haaren und.. Arme? Ein Blick zu Vince verriet ihm, dass dieser sich hinter ihn geschlichen und ihn von hinten in eine Umarmung gezogen hatte. Die Nase in seinen Locken vergraben murmelte Vincent irgendwas Unverständliches. Dag lachte auf, befreite sich aus seinen Armen und schubste ihn freundschaftlich in den Sand. Nachdem er sich wieder aufgerappelt hatte, sprintete Vincent auf seinen besten Freund zu und versuchte ihn einzuholen, hatte aber keine Chance. Wie kleine Kinder herumalbernd landeten die Berliner schließlich gemeinsam im Meer und schwammen dort um die Wette. ,,Es ist so schön, dich so herzlich lachen zu sehen", meinte Vincent ehrlich und suchte Dags Augen, welche ihn sofort fixierten. Ein schüchternes Lächeln schlich sich auf seine Lippen - das nächste, was Vincent wahrnahm, war ein kräftiger Ruck an seinen Beinen. Dag hatte ihm doch tatsächlich die Badehose unter Wasser heruntergezogen und beeilte sich gerade, zum Strand zurück zu eilen. ,,Du Arsch", kreischte Vincent und hielt seinen Mittelfinger in die Luft, während er mit der anderen Hand versuchte, den Stoff wieder in Position zu bringen. Aber böse sein konnte er Dag ohnehin nicht. Spätestens als er ihn frech anfunkelte, als auch Vincent wieder am Badehandtuch angekommen war, war aller Ärger vergessen und er konnte genauso über die kleine Blödelei lachen.
,,Also?", wedelte Dag schon mit den Flyern vor Vincents Augen herum und schaute ihn auffordend an.

,,Was hältst du hiervon?", Vincent hielt das Prospekt nach oben, welches mit einem Rundflug über das Meer und die dort gelegenen, abgeschiedenen Dschungelinseln warb. ,,Interessant", stellte Dag fest, nachdem er sich den Infotext durchgelesen hatte. ,,Lass uns das buchen, diese Seite von Südamerika wollte ich schon immer mal sehen!".
Gesagt getan. ,,Wunderbar, und, wann ist es soweit?". ,,Morgen!", verkündete Vincent mit leuchtenden Augen. ,,Ich freu mich so, Vinnie!".

castaways. a SDP fan fictionOù les histoires vivent. Découvrez maintenant