CAELUM
Ich habe mir abgewöhnt, auf meinen Wolf zu hören.
Vor drei Jahren habe ich aufgehört, mit ihm zu reden. Habe aufgehört, ihm Raum zu geben, ihm zuzuhören, ihn überhaupt als Teil von mir anzuerkennen. Ich habe ihn weggesperrt, tief genug, dass ich sogar manchmal vergesse, dass er da ist.
Das war die einzige Möglichkeit.
Denn Werwölfe sind keine Mythen, oh nein. Sie sind schlimmer als es in den Büchern geschrieben ist.
Wir sind Jäger.
Und Menschen... sind die Beute.
Doch ich will keiner von diesen Jägern sein. Schon mit 10 Jahren hat mich Menschenfleisch angeekelt. Auch wenn ich diese Spezies verabscheue... ich werde ihnen nie verzeihen können wie sie diese Welt vernichten. Die Menschen löschen Wälder, Dörfer und Tiere aus. Und warum? Nur weil sie alle macht wollen. Krieg ist eine Sache die ich nie verstehen werde. Egal ob unter den magischen Wessen oder unter den Menschen.
„Du siehst aus, als würdest du gleich jemanden fressen."
Ich blinzle langsam und wende den Blick vom Fenster ab. „Guten Morgen für dich auch."
Meine Schwester lehnt im Türrahmen, geschniegelt wie immer, als hätte sie ein persönliches Problem mit Unordnung – oder mit mir.
„Ich meine es ernst", sagt sie und verschränkt die Arme. „Dein Gesicht macht dieses Ding."
„Welches Ding?"
„Das *Ich habe seit Tagen nichts gegessen und überlege gerade, ob ich es dabei belasse oder jemanden beiße*-Ding."
Ich ziehe meine Jacke über. „Ich beiße niemanden. Schon seid drei Jahren nicht mehr. Das müsstest du doch mittlerweile wissen."
„Technisch gesehen hast du recht. Du würdest eher—"
„Sag es nicht."
„—mehr reißen als beißen."
Ich werfe ihr einen Blick zu. Sie lächelt unschuldig. „Ich habe alles im Griff", sage ich schließlich.
Sie mustert mich einen Moment länger, als mir lieb ist. Dann nickt sie langsam. „Klar hast du das, vor allem bei Vollmond, was?" meint sie ironisch.
„Elyra Celine Ashmoon!" meine ich angepisst. Sie merkt das es ernst wird und verschwindet lachend.
Sie weis ganz genau das Vollmond die schwerste Zeit ist als sozusagen „vegetarischer" Werwolf. Gerade dann sehnt sich mein Körper nach Blut und es ist schwer sich in dem Moment nicht zu verwandeln. Außerdem tut es höllisch weh seinen inneren Wolf zurück zu halten. Man könnte sagen dass ich mich an das Gefühl hätte gewönnen sollen, doch dass habe ich nicht. Und das werde ich auch nie können. Auch wenn ich weiß das mein Körper ohne zusätzliches Blut Jahr für Jahr schwächer wird und ich irgendwann verdursten werde...
—
Der Schulweg ist wie immer. Zu viele Geräusche, zu viele Menschen, zu viele Herzschläge. Ich blende sie aus, so gut ich kann, halte meinen Kopf unten, meinen Atem ruhig.
Kontrolle.
Das ist alles, was zählt.
Neben mir läuft meine Schwester, völlig entspannt. „Wenn du heute jemanden anfällst, sag bitte vorher Bescheid. Ich will vorbereitet sein."
„Ich falle niemanden an."
„Langweilig."
„Gesund."
„Debattierbar."
Ich antworte nicht mehr. Es lohnt sich nicht.
Die Schule ist voll. Natürlich ist sie das. Sie ist immer voll. Kaum betrete ich das Gebäude, trifft mich der Lärm wie eine Wand. Stimmen, Schritte, dieses konstante Pochen unter allem.
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Mercy is a mortal sin
RomanceDie Menschen ahnen nichts. Nichts von den Vampiren, die nachts durch ihre Straßen wandeln. Nichts von den Werwölfen, die den Mond fürchten. Nichts von den Nixen, Feen und Hexen die auf der Erde weilen. Caelum Ashmoon versucht, ein normales Leben zu...
