Prolog

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Ich liege in einem Nichts aus Schwarz. Sehe nichts, schmecke nichts und rieche nichts. Es ist, als wäre mein Körper eine Puppe, die geleitet wird und deren Leben von anderen gespielt wird. Andere entscheiden für mich, andere haben eine Meinung für mich, und nie darf ich selbst daran beteiligt sein. Jeden Tag aufs Neue in einer Welt ohne Unterschiede oder Ähnlichkeiten. Denn du kannst nichts vergleichen, wenn es nur eines gibt, und dieses Eine ist ein Schleier aus Kraft, der sich um meinen Körper legt und ihn steuert, aber ich weiß nie, was er mich ausführen lässt.
Gibt es überhaupt etwas anderes außer diesem demütigenden Raum? Laufe ich die ganze Zeit nur im Kreis, ohne etwas damit zu vollbringen?
Mein Kopf rast voll Fragen und windet sich zu einem Knäuel aus Fragen ohne Antworten. Ich spüre, wie ich plötzlich hochgezogen werde, mich im Kreis drehe und weitere unerfühlbare Bewegungen ausführe. Ich habe noch nie eine andere Welt gesehen als die tiefe Farbe um mich herum, oder ich kann mich zumindest nicht daran erinnern. Das Einzige, was noch in meinem Kopf übrig geblieben ist, sind Schrecken, Schmerz und Verzweiflung.
Ich bemerke, wie mein Kopf ruckartig nach oben gerissen wird und ich ein schwaches Klingeln in meinen Ohren höre. Mein Körper verkrampft sich, als ich nicht mehr nur Dunkelheit sehe. Nein, ein gleißender Lichtstrahl durchbricht die Schatten, als wären sie aus dickem Eis. Das kann nicht wahr sein. Ganz langsam verändert sich der tückische Farbton um den Strahl herum, als würde er von einer anderen Macht beiseite geschoben werden. Warmes, aber dennoch in meinen Augen schmerzendes Licht schiebt sich nach und nach vor den dunklen Schleier aus Nichts.
Meine Augen tränen, doch ich kann meinen Körper weiterhin nicht steuern, weswegen ich wie eine Statue in die helle Flut starre. Weitere Minuten oder vielleicht auch nur Sekunden schaue ich in die Helligkeit, die so stark ist, dass man nichts dahinter erkennt. Nach einer gefühlten Ewigkeit zieht sich das weiße Licht wieder zurück, und ich bleibe wieder wie zuvor in der schwarzen Hülle. Oder auch nicht.
Ich bemerke, dass alles um mich herum einen dunklen Grauton angenommen hat, sodass ich langsam leichte Umrandungen von Objekten sehen kann. Diesmal wird die Farbe langsamer heller, sodass meine Augen nicht anfangen zu tränen. Der Raum um mich herum wird mit jeder Minute einen Farbton heller und heller. Langsam sehe ich mehr als nur die Umrandungen von Möbeln. Ich sehe einen Schreibtisch und einen Schrank gegenüber von mir.
Ich kann sehen! Ich kann sehen! Ich kann sehen! schreit mein Kopf.
Langsam verwandelt sich auch der dunkle Fleck neben mir zu einem weichen Ohrensessel, auf dem ein unförmiger Gegenstand liegt. Nein, das ist definitiv kein Gegenstand, sondern ein Mensch. Er kauert in dem weichen Stoff, und ich vermute, dass er sich auf etwas konzentriert. Panik schnürt meine Kehle zu, als ich bemerke, dass seine noch komplett dunklen Augen genau zu mir schauen, als würde er in meine Seele starren.
Mein Herzschlag beginnt zu rasen, und eine Unmenge an Energie staut sich in meinem Inneren. Ich kann mich immer noch nicht bewegen. Nicht zittern. Nicht drehen und schon gar nicht reden. Ohne die Panik irgendwie rauslassen zu können, schwillt sie immer weiter und weiter an. Mein Herz schlägt mir bis zur Brust. Ich zähle jeden meiner Atemzüge, um mich zu beruhigen, und sehe, wie weiterhin mehr Licht in mein Sichtfeld gelangt.
Bis die schwarze Augenfarbe des Mannes zu einem dunklen Blau wird und ich Farben sehen kann. Verschiedenste bunte Flächen tanzen um meine Augen, lösen das Gefühl von Glück und Freude in mir aus. Ich weiß nicht, wie lange es her ist, seitdem ich das letzte Mal ein so buntes Bild vor Augen hatte.
Die Dunkelheit ist jetzt komplett verblasst, und langsam merke ich, wie Leben in meinen versteinerten Körper gelangt. Ein Millimeter nach dem anderen erwacht, und ich sacke erleichtert in ein Meer aus weichem Stoff.

Das VersprechenStories to obsess over. Discover now