Lobbyhoes für immer

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Noe

Es fing mit einer Nachricht an. Eine simple, spontane Idee, die ich @Lobbyhoe_4_life, deren Name Liv war, wie sich rausstellte, auf Insta schickte: "Hey, wie wär's mit einem Collab-Post? Du machst immer so kreative Sachen, aber ich hab da was im Kopf, das könnte perfekt für dich sein."

Ich war nervös, dachte mir, war das jetzt zu viel? Aber alles, war gut, sie schrieb zurück.

Liv antwortete mir nur 5 Minuten später. "ohh, erzähl! Bin gespannt!"

Und so begann unsere Freundschaft.

Wir brainstormten, lachten über unsere Memes und über alles, was Ju und Rezo jemals gesagt hatten. Der Collab-Post wurde ein voller Erfolg, wurde sogar von Ju in einer Story repostet und von da an schrieben wir uns täglich. Erst über DMs, dann Sprachnachrichten, irgendwann WhatsApp.

Einmal schafften wir es sogar uns zu treffen, da Liv zufällig in meiner Stadt Ferien machte. Es war ein schönes einzigartiges und unvergessliches Treffen

Zwei Jahre lang war Liv mein fester Bestandteil im Alltag. Egal, ob ich gestresst von der Uni kam oder mich über ein neues Hobbylos-Highlight freute, sie war da. Und ich für sie.

Doch dann wurde alles anders.

Ich hatte kaum noch Zeit. Studium, Nebenjob, neue Projekte,  mein Tag war randvoll. Liv hingegen veränderte sich auch. Sie schrieb nicht mehr so oft über Ju und Rezo, hatte neue Interessen, redete von neuen Leuten, die ich nicht kannte. Unsere Gespräche wurden seltener, dann oberflächlicher.

Bis sie irgendwann ganz aufhörten.

Ich dachte oft daran, ihr zu schreiben. Aber was sollte ich sagen? "Hey, tut mir leid, dass ich mich ewig nicht gemeldet habe, aber mein Leben ist einfach zu voll"? Oder: "Ich vermisse es, mit dir zu reden"?

Aber letztlich schrieb ich nichts. Und sie auch nicht.

Liv

Zuerst fühlte es sich an wie eine langsame Erosion. Kleine Dinge, die sich veränderten, bis wir uns irgendwann nur noch in Erinnerungen kannten.

Ich wusste, dass Noe viel zu tun hatte. Er sprach immer von Deadlines, Projekten, Leuten, mit denen er arbeitete. Und ich? Ich hatte mich verändert.

Ju und Rezo waren nicht mehr das Zentrum meiner Welt. Ich verbrachte weniger Zeit online, konzentrierte mich auf mein Studium, meine echten Freundschaften. Die Lobbyhoes Commuity, in der ich mich einst so zu Hause gefühlt hatte, war mir fast schon fremd geworden.

Manchmal öffnete ich unseren Chat, las alte Nachrichten und fragte mich, ob es komisch wäre, Noe einfach so zu schreiben. Doch dann legte ich das Handy wieder weg. Manche Dinge sollte man nicht erzwingen.

Noe

Nach Jahren hatte ich es endlich geschafft, ich wurde Synchronschauspieler, ich liebte es zu synchronisieren, aber nicht nur das, ich wurde auch Drehbuchautor.

Womit ich nicht gerechnet hätte, war, dass ich tatsächlich einen Mann traf, der mir sehr vertraut vorkam. Zu vertraut. Er war Mitte 40, hatte schwarze Haare und ein weisses Shirt mit Anime Aufdruck drauf, als ich ihn das erste Mal traf. Es war Ju mit einem Eternal god Shirt. «Hi, du bist Noe stimmts, ich bin Ju,» das waren seine ersten Worte zu mir. Für einen Moment fühlte ich mich in meine Jugend zurückversetzt, ein nervöser Fanboy, der Ju am liebsten umarmen würde, sobald er ihn sah. Aber ich sammelte mich, riss mich zusammen. «Hi Ju, ich bin Noe, ich war früher voll der Fan von dir, ich kann gar nicht fassen, dass wir jetzt tatsächlich zusammenarbeiten,» ich konnte nicht glauben, dass ich das gerade gesagt hatte. Ju lachte nur, er wirkte insgesamt ausgeruhter, weniger fertig, als hätte er es in den letzten Jahren geschafft auch mal Urlaub zu machen.

Und so begann eine wundervolle Zusammenarbeit mit Ju, ich war kein fester Bestandteil seines Teams, dennoch sahen wir uns regelmässig und wurden tatsächlich Freunde.

Ich erzählte ihm sogar von Liv, unserer Vorgeschichte und allem, er meinte, dass ich mir keine Sorgen machen sollte. Das Schicksal wird schon alles regeln, sollte ich Liv jemals wieder sehen, dann ist das schön, wenn nicht, dann nicht.

Liv

Die Jahre vergingen. Ich beendete mein Studium in Psychologie, zog in eine neue Stadt, baute mir ein Leben auf, das sich erwachsener anfühlte als damals. Aber ich dachte immer mal wieder an Noe und fragte mich, ob er auch noch an mich dachte.

Eines Abends saß ich in einer Bar, ganz allein, weil gerade keiner Zeit hatte, als ich eine bekannte Stimme hörte.

„Zwei Bier, bitte."

Ich kannte diese Stimme. Sie war mir in unzähligen Podcastfolgen begegnet, in Videos, die ich früher immer gefeiert hatte.

Ich drehte mich um.

Und da sassen sie.

Ju und Rezo.

Nur dass sie sich genauso wie ich verändert hatten. Rezo trug nun nicht mehr Hoodie und Joggers, sondern ein Hemd und Jeans. Ju wirkte von seiner Ausstrahlung erholter als früher, weniger fertig. Sie waren älter, aber die Art, wie sie miteinander redeten, ihre Gestik, es war immer noch sie.

Mein Herz setzte einen Schlag aus.

Ich überlegte kurz, ob ich mich einfach wegdrehen sollte, aber dann hörte ich mich schon sagen: „Entschuldigung, aber wart ihr nicht mal Ju und Rezo?"

Ju lachte. „Sind wir immer noch, glaube ich."

Rezo grinste. „Kommt drauf an, ob du uns magst oder canceln willst."

Ich lachte, und plötzlich war da wieder dieses Gefühl, als wäre ich wieder die Liv von früher, nur ohne den Druck, alles festhalten zu müssen.

Wir redeten eine Weile, ganz entspannt. Es war kein Fangirl Augenblick. Einfach Menschen, die sich zufällig begegnen und auf derselben Wellenlänge sind.

Nach dem Gespräch beschlossen wir in Kontakt zu bleiben. Es machte mich glücklich. Ich fühlte wieder eine gewisse Nähe zu den beiden, aber keine die auf den Sack geht, sondern eine gesunde Nähe. Eine, die sich nach Freundschaft anfühlte.

Vier Wochen später war ich bei Rezo zuhause, Ju war auch da. «Ich habe nächsten Mittwoch ein Treffen mit Mitarbeitern und ihr beide dürft auch mit,» erzählte Ju. «Cool, freu mich, Bro,» meinte Rezo. «Danke, ich fühle mich geehrt,» antwortete ich.

Noe

Es war Dienstagabend, ich sass mit Ju, Joon, und Shawn beim Abendessen in einem Restaurant. Wir kamen von einem Meeting über mein neues Drehbuch.

"Wir haben heute jemanden Neuen beim Team-Treffen", erklärte Ju, während wir in der kleinen Runde saßen.

«Wer denn, jemand der jetzt auch mit uns arbeitet?» fragte ich.

«Nein, sie ist einfach da, sagen wir so, du wirst es verstehen.» erklärte er.

Ich werde es verstehen? Was soll das heissen? Seit wann war Ju so kryptisch?

Liv

Endlich war es Mittwochabend, ich freute mich Leute aus Jus Team kennenzulernen und vor allem Zeit mit Rezo zu verbringen, wir wurden richtig enge Freunde in der kurzen Zeit.

Bei Ju zuhause begrüsste ich ihn, Rezo, Joon, Shawn und dann setzte mein Herz kurz aus.

Da stand jemand, den ich kannte, sehr gut kannte und gleichzeitig auch nicht mehr.

«Noe?»

Er war genauso überrascht mich zu sehen, wie ich es war.

«Davon hatte Ju also gesprochen,» meinte er.

Ich sah zu Ju, aber der grinste nur, also sah ich zu Rezo der ebenfalls grinste, als ich zu Noe sah, sah ich, dass er die Arme ausstreckte, um mich zu umarmen.

Als wir uns umarmten, sagte Noe «Hey Liv, ich hab einiges zu erzählen und du wahrscheinlich auch.»

Und damit schloss sich der Kreis, zwei Lobbyhoes, die sich durch zwei Meschen anfreundeten, trafen durch dieselben zwei wieder aufeinander.


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