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1. Kapitel

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Lord Vaelor Oren saß an diesem Tag ungewöhnlich lang an seinem Schreibtisch. Nicht das es ungewöhnlich war, dass er die meiste Zeit seines Tages dort verbrachte. Ungewöhnlich war es wie er den Kopf hängen ließ. Wie schlaff sein Körper sich über den Stuhl ergoss, als wären seine Muskeln nichts weiter als reine Verzierung. Sein schon gräuliches Haar verweilte auf seinen hängenden Schultern, welches eine der letzten brennenden Kerzen in ein fast romantisches Licht tauchte. Heraus aus der hölzernen Tür, wenn man den dunklen Raum mit dem großen Balkon zurückließ führte eine Wendeltreppe aus Stein, gleich herunter in die Festhalle, die unter normalen Umständen abends mit dem purem Leben gefüllt war. Doch die Zeit schien nicht wie immer zu verlaufen.

Leise knisterte das Feuer im großen Kamin und warf dunkle, tanzende Schatten an die Wände. Spiegelte sich auf dem von einer dicken Flüssigkeit überlaufenden Boden. Regnar einer der besten Soldaten, die ein Schlachtfeld je gesehen haben soll, so sagt man es sich zumindest in den Tavernen, saß übel gelaunt vor einem Krug Wein. Genau genommen seinem dritten Krug. Irgendwann hatte er darauf verzichtet seinen Kelch immer wieder aufzufüllen, weshalb der rote Alkohol sich fast wie triefend, rotes Blut in sein weißes Hemd gefressen hatte. Auch er sah schlaff aus, lag mit dem Kopf auf dem Arm gestützt auf der Tischplatte. Sein schwarzes Haar klebte verdächtig an seinem Kopf, als hätte man dort auch den billigen Trunk verteilt. Was jedoch ebenso nichts ungewöhnliches war, da Regnar im Vergleich zu dem adelig gesprochenen Vaelor, wenig wert auf seine Hygiene gab.

Die Burg Dornwacht hatte in dieser Nacht eine unerträgliche, gespenstige Stille angenommen. Keine der zahllosen Menschen die sonst ihren Weg ein und aus durch die Mauern finden, bewegte sich noch. Genau genommen, lagen sie alle nur noch da. Arm in Arm, das rot des Blutes vermischte sich im Hof langsam mit dem Weiß des Schnees. Diese Nacht die mehr als hunderte Tote zu betrauern hatte, könnte mitleidender nicht sein. Der umliegende Wald lag in Stille. Keine Schritte auf dem matschigen Boden. Keine Stimmen der Wärter, die sich absprachen. Es lag ein stummes Lied des Vergänglichkeit in der Luft, welches sich mit dem Geruch von Blut und Angst zu vermischen schien.

Vor dem Tor befanden sich zu diesem Zeitpunkt drei Reiter. Auf einem Schimmel saß ein junger Mann in heller Rüstung. Sein goldenes Haar wehte sanft im Wind. Ein Lächeln lag auf seinem Lippen, während er den anderen beiden Gestalten leise ein paar Worte zukommen ließ. Ein schwarzer Fuchs auf der Brust zeigte deutlich wer er war. Aziel Veyra. Zweitgeborener Sohn des Lord Izzar Veyra, Herrscher über Burg Vesperum. Zum Leidwesen seines Vaters war sein Sohn, den die meisten Männer und Frauen als einen Art Engel betiteln würden, nicht der erwartete Krieger. Die Worte der Menschen können eben eine größere Waffe sein, als das schärfste Schwert. Das hatte er schon früh erkannt. Neben ihm saß ein Mann mit braunen Haaren. Auf seiner Brust prangte mit goldenen Schnörkeln ein Adler mit ausgestreckten Flügeln. Xavian Vexanor. Der geborene Anführer. Ältester Sohn des König Xarion Vexanor, Herrscher über Anor. Herr des Adlers, Krieger des Blutes, Bewahrer der Aschenkrone und Wächter der Blutlande, dem einzig wahren Königreich. Wie sie von sich selbst so gerne behaupteten. Thronfolger und Retter der uns bekannten Welt. Viel auf den Titel gegeben hatte er zwar nie, doch er kannte seine Rolle und die würde er erfüllen. Auf einem schwarzen Hengst daneben still schweigend in einen dunklen Mantel gehüllt saß Rhovan. Auf seiner Brust gab es kein Wappen. Kein Haus das er repräsentieren könnte. Keine Familie die er stolz machen könnte und kein blaues Blut das durch seine Adern floss. So viele Könige hatten schon versucht den dunklen Tod auf ihre Seite zu ziehen, doch nie hatte sich Rhovan dazu herabwürdigen können das Knie zu beugen und einem König seine Treue zu schwören. Von alten Männern mit zu viel Macht hielt er schließlich im allgemeinen nicht viel. Was schließlich auch der Grund dafür war, wieso sie hier waren.

Der alte Lord Oren hatte sich nicht dazu herablassen können Xarion eine Antwort auf sein Schreiben nach Soldaten zukommen zu lassen. Während das Haus Vexanor sich gerne als friedfertig darstellte. Gar als Beschützer der Schwachen und Hüter des Rechts wussten diese drei Männer vor dem Tor wesentlich besser, wie das Herrschen funktionierte als die Ammen in ihren Märchen es zu erklären vermochten. Eine ganze Weile standen sie dort schon in der kalten Nacht. Doch niemand öffnete das Tor. Keine Person schien sie überhaupt zu bemerken.

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⏰ Ultimo aggiornamento: Aug 03 ⏰

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