Sonntag, Anfang Dezember
Nur mit Unterhose und einem schwarzen T-Shirt bekleidet, ging Theo vor die Tür. Er zog die eisige, kristallklare Winterluft tief ein und atmete sie wieder aus. Die ganze Nacht über hat es geschneit. Theo machte einen Schritt nach vorn, sein Fuß versank sofort im Schnee und etwas davon fiel auch in seine Hausschuhe. Er liebte es.
Es war erst 07:04 und laut Wetterbericht, ging die Sonne erst um 07:50 auf. Es war noch etwas dunkel, aber die Laterne am Haus gab genug Licht.
"Man fühlt sich dadurch so lebendig", sagte er zu seiner damaligen Freundin Melanie, die jetzt seine Ehefrau ist. Als sie ihn das erste Mal dabei beobachtete, rollte sie nur mit den Augen. Mit einem leisen und lachenden Grunzen verschwand sie dann im Wohnzimmer.
Theo ist diese Woche alleine, seine Frau ist für eine Woche zu ihren Eltern gefahren und da sie sich erst vor kurzem einen Hund geholt haben und er noch ein Welpe war, musste er zu Hause bleiben. Es war ein Husky und die Züchter gaben ihm den langweiligen Namen Anton. Melanie fand Anton aber so gar nicht passend für einen Husky und sie tauften ihn kurzerhand um. Er hört jetzt auf den Namen Sully, zumindest manchmal...
Kaum, dass er einen Fuß draußen hatte und sich nach rechts drehte, um auf das Thermometer zu schauen, was nur acht Grad unter Null anzeigte, rannte Sully zwischen seinen Beinen hindurch, jagte wie ein Irrer durch den Schnee und verschwand hinter den Büschen im Garten, der nur 20 Meter vom Haus entfernt lag. Theo konnte sich nach dem Anrempeln gerade noch so auf den Beinen halten, sich aber an der Tür festhalten, um nicht zu stürzen. Nur spärlich bekleidet im Schnee zu landen, würde auf keinen Fall Spaß machen. Er ging ein, zwei Schritte Richtung Garten, um nach Sully zu sehen, vielleicht konnte er ihn von der Haustür aus finden, er rief ihn zweimal kurz nacheinander, aber bekam keine Reaktion. Ich werde mir wohl etwas anziehen müssen, dachte Theo und wollte sich gerade wieder umdrehen und ins Haus gehen, als sein schweifender Blick etwas im tiefen Schnee entdeckte.
Es waren Schuhabdrücke.... Nein, Stiefelabdrücke!.... und sie waren riesig! Er legte zum Vergleich, einen seiner Hausschuhe daneben und dieser wirkte im Vergleich zum Abdruck winzig. Der Stiefel war mindestens sechs Nummern größer als sein eigener Schuh. Wer schlich denn mitten in der Nacht auf seinem Grundstück herum? Er folgte der Spur zurück und entfernte sich einige Meter vom Haus. Dass es draußen Minusgrade waren, merkte er kaum noch, sein Körper war voll mit Adrenalin und er spürte von der Kälte nur noch wenig.
Die Stiefelabdrücke fingen am Zaun an, derjenige muss also über den Zaun gekommen sein, dachte er sich. Theo versuchte die Spuren hinterm Zaun wiederzufinden, um sie dann weiterzuverfolgen, doch es war zu dunkel. "Mist", sagte er leise und folgte den Spuren weiter auf seinem Grundstück. Die Laterne gab zwar gutes Licht, dennoch reichte es nicht aus um jeden Winkel auszuleuchten. Aber es sah so aus, als wenn der Fremde einmal ums Haus gelaufen war. Er müsste warten bis es heller wurde, denn er wusste nicht mehr so genau, wo er die Taschenlampe hingelegt hatte. Gerade als er sich vorstellte, wie dieser Fremde in die Fenster gestarrt haben könnte, hörte er ein Bellen... Sully! Den Hund hatte er ja ganz vergessen! Erst jetzt merkte er, dass er am ganzen Körper zitterte und unheimlich fror. Er lief schnell zur Haustür. Fast zeitgleich erreichte auch Sully diese und beide verschwanden im Haus. Ich werde jetzt erstmal eine lange und heiße Dusche nehmen müssen, bevor ich draußen weiter suchen kann, dachte er sich und kaum das er diesen Gedanken beendet hatte, fing es draußen auch wieder zu schneien an.
Ca. eine halbe Stunde später war Theo fertig geduscht und frisch rasiert. Er schaute aus dem Fenster und sah die dicken weißen Flocken vom Himmel fallen. Die Spurensuche hatte sich damit wohl erledigt, musste er genervt feststellen. Raus musste er trotzdem, Sully brauchte seinen Spaziergang und den konnte er nicht alleine machen. Aber erst wird gefrühstückt. Doch bevor er sich etwas zu essen machte, hob er Sully auf seinen Arm, tauchte sein Gesicht ins Fell von ihn und genoss die drei Sekunden, die der Hund still hielt. Er ließ ihn wieder runter, gab ihm sein Fresschen und tätschelte nochmal seinen flauschigen Kopf.
Nun war er selber an der Reihe und begann mit seinem Frühstück. Es gab Rührei mit Speck, Toast mit aufgeschnittener Avocado, mit Salz und Pfeffer gewürzt, dazu eine heiße Tasse Kaffee. Die Sonne ging langsam auf und tauchte die weiße Schneelandschaft in ein zartes Rosa. Diese Augenblicke sind am schönsten. Er schaute aus dem Küchenfenster und ließ seinen Blick über den Wald und seinen schneebedeckten Rasen schweifen. Dieser war locker ein Fußballfeld groß und nun mit 20cm Schnee bedeckt. Noch im selben Moment, als er sich wieder seinem Speck in der Pfanne zuwenden wollte, hielt er inne. "Was zum...." flüsterte Theo und schaute nochmals aus dem Fenster. Er konnte seinen Augen nicht trauen! Mitten auf seinem Rasen, ja fast mittig, stand ein Tannenbaum.
YOU ARE READING
Der Besuch
ParanormalWeihnachten! Der eine hasst es, der andere liebt es. Doch du solltest es besser lieben, denn sonst bekommst du Besuch von einer nicht so erfreulichen Gestalt. Nimm es ernst! Oder du wirst es bereuen und dafür teuer bezahlen. Theo hatte dieses Mal ei...
