ein Mysterium

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Kalte, nasse Tropfen fließen über meinem Körper.
>>Elena! Beeil dich! Sonst kommen wir zu spät!<< Schreit Thomson und hämmert gegen die Badezimmertür.
Ich atme genervt aus und stelle die Dusche ab.
Eigentlich habe ich mir mehr Zeit für mich erhofft.

Heute ist der 03. Dezember.
Heute vor 9 Jahren ist Dad gestorben.
Wenn es meiner Mutter und meinem Bruder immer noch nachhängt, wie mir, so zeigen sie es nicht.

Die kalte Dezemberluft schließt sich um meinen nassen Körper und lässt mich bebend luftholen. Es ist wirklich arschkalt.
>>Bist du bald fertig?<< Fragt Thomson gernervt.
>>Jaja.<< So schnell es geht trockne ich mich ab und ziehe meinen neuen schwarzen Kragenpullover, eine blaue Jeans und schwarze Boots an.
Meine blonden Locken binde ich zu einen Zopf und wickel einen beigefarbenden Schal um meinen Hals.
Zufrieden sehe ich in den Spiegel. Ein Mädchen mit lockigen, blonden Haaren, grünbraunen Augen, roten, vollen Lippen, winzigen Sommersprossen und einer kleinen Nase schaut mir entgegen.

*~♡~*

Es ist schon fast grausam, mich in den Teil der Welt zu schicken, wo Vater gestorben ist.
Aber es war meine Idee.
Noch heute sehe ich die Urkunde vor meinen Augen.
Ein Tier.
Ein Tier.
>>Bist du aufgeregt?<< Fragt mich mein Bruder und hält mir die Autotür auf. Ich zwinge meine Mundwinkel sich Richtung Augen, Richtung Lächeln zu biegen.
>>Ja.<<
Ich habe ihnen nicht erzählt, was ich ihm Internat Neustein eigentlich will.
Meine Mutter glaubt, es liegt an den einzigartigen Bildungsmöglichkeiten (und vielleicht auch am Fakt, dass ich von meiner letzten Schule geschmissen wurde.)
Doch mein eigentlicher Plan ist, herauszufinden, was damals wirklich passiert ist. Mit Dad.

>>Sicher, dass du das machen willst?<< Meine Mum beobachtet mich durch den Rückspiegel und umklammert das Lenkrad.
Sie fragt wegen Vater an.
Ich nicke, dass ist ja eigentlich auch der einzige Grund, warum ich auf die Schule will.
>>Gut.<< Sie startet das Auto. Ich weiß, dass sie sich wünscht, ich würde auf eine andere Schule gehen.
Aber ich kann nicht anders. Ich habe versucht den grausamen Tod meines Vaters zu vergessen

aber es geht mir nicht aus dem Kopf.

*~♡~*

Die Landschaft zieht an uns vorbei.
Matschiger Schnee klebt an den Rändern der Straße.
Große und kleine Häuser verschwinden aus unserem Blickfeld.
Mit jedem weiteren Kilometer wird der Schnee sauberer, reiner und verdoppelt sich fast an der Menge.
Unzählige Bäume und Berge umzingeln uns und ein großes, altes Schloss taucht am Horizont auf.
Wir sind fast seit 3 Stunden unterwegs.
Ich sollte mich freuen. Doch stattdessen starre ich auf die Bäume.
Hier ist Vater gestorben.
Was wollte er hier?

>>Wir sind übrigens da.<< Informiert mich mein großer Bruder Thomson und zwickt mir in den Arm.
Mein Blick schnellt nach vorne. Wachsam sehe ich das alte Gebäude vor uns auftauchen, während ich blind nach meinem Bruder schlage.
Ein schwarzes, großes, altes Gitterstäben Tor öffnet sich.
Die feinen Stäbe verfließen oben in ein vielfältiges Muster. Zacken und Kreise und Blumen.
Gebannt starre ich auf das alte Schloss Neustein.
Überall laufen Schüler mit Uniformen lang.
Ein paar sehen aufgeregt zu uns herüber. Andere beschmeißen sich mit Schneebällen. Andere wiederum sitzen einfach auf den zugeschneiten Bänken und lesen.

Ich steige aus und sehe auf das Schloss.
Weiß mit Gold verzierte Fensterrahmen und Türrahmen bilden sich auf den grauweißen Stein ab.
Und es ist ja so hoch!
Der höchste und größte Turm reicht bis in die tiefhängenden Wolken.

Meine Mutter räuspert sich neben mir. Ich reiße meinen Blick los
Neben mir steht Thomson mit meinem und seinem Koffer. (Thomson hat beschlossen, mich zu begleiten, nachdem ich ebenfalls sein Image zerstört habe)
Unsere Mutter hat ihre Arme ausgebreitet.
Ich überwinde die kurze Distanz und umarme sie.
>>Danke, Mum.<< Nuschel ich in ihren Schal.
Behutsam streicht sie mit ihrer Hand über mein Rückgrat.
>>Wir sehen uns in den Ferien.<< Sie lacht trocken. >>Ist ja nicht mehr so lange hin.<<
Ich löse mich von ihr und lasse Thomson sich verabschieden.

>>Sie müssen wahrscheinlich Elena und Thomson Wright sein?<< Ertönt eine ältere Stimme hinter uns.
Ich drehe mich um und sehe in das Gesicht eines älteren Mannes mit weißem geschnörkelten Schnurrbart.
Ich liebe diesen Schnurrbart.
>>Elena, Ihre Zimmernummer ist 79. Thomson, Ihre ist 12.
Eure Zimmergenossen kommen gleich zu Ihnen und begrüßen Euch. Herzlich Willkommen auf Internat Neustein.<<
Ich umklammere meinen Koffer und nicke.
Als ich mich umdrehe, sehe ich, wie meine Mutter das letzte mal winkt und davonfährt.

*~♡~*

>>Das ist unser Zimmer.<< Nachdem ich 15 Minuten im Innenhof gewartet habe, kam meine Zimmergenossin Naomi zu mir gelaufen und half mir den Koffer in den zweiten Stock, Turm B zu schleppen.
Tratschend öffnet sie die Tür zu unserem Zimmer.
>>Wir sind in dem Zimmer zu dritt mit Clara. Aber die solltest du besser meiden. Sie ist ziemlich zickig.<<
Im Zimmer stehen 3 Betten, ein großer Wandschrank, ein Schreibtisch und eine weitere Tür, die vermutlich in ein Badezimmer führt.
Ich hoffe ich habe genug Zeit und Ruhe, um Vaters Tod zu untersuchen.
Ich stelle meinen Koffer ab und atme erleichtert durch.
>>Soll ich dir den Rest der Schule zeigen? Du musst eh ins Sekretariat deinen Stundenplan holen.<<
>>Das wäre nett. Danke.<<

BITE ME - my little cruel secret- GermanStories to obsess over. Discover now