Kapitel 1

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"15 Minuten bis zum Sprung", hallte die Stimme der Navigatorin in Yaros Kopf wieder. „Der Captain braucht dich auf der Brücke. Nur für den Fall."

„Verstanden, ich auf dem Weg zu Gex", erwiderte der Söldner und schritt weiter den Korridor des Schiffes hinunter.

„Warum? Du weißt doch genau wie das ausgeht", kam die Antwort wenig später mit einem Unterton, der ihr Augenrollen vermittelte.

„Gerade deswegen."

Das Schott öffnete fast lautlos den Weg in einen dimm beleuchteten Raum und eine Wolke undefinierbarer Gerüche schlug ihm entgegen. Ungebeten trat Yaro ein, sein Sinn für Gefahr schickte das übliche Kribbeln durch zahlreiche Nervenbahnen als das Sicherheitssystem ihn erfasste.

„Was?", kroch eine Stimme behäbig aus der Ecke des Raumes auf ihn zu.

„Eine Stunde bis zur Landung", antwortete Yaro, „Der Captain will wissen, ob du dieses Mal mitkommst."

„Falsch", schnitt die Stimme ihm fast das Wort ab. „DU willst das wissen. Der Captain kennt meine Antwort."

Ein merkwürdiges Knistern und Rascheln erklang als der Sack in der Ecke des Raumes sich zu regen begann und sich das Gesicht einer halb verborgenen Gestalt in den Schein des Flurlichts quälte. Gex lag in seinem Bohnensack, gehüllt in einen Bademantel, der nur noch von den Überresten einer verstorbenen Hoffnung zusammengehalten wurde und kratzte sich den Dreitagebart. „Warum tust du mir das an?"

Yaro verschränkte die Arme. „Dir ist bewusst, dass du irgendwann wieder eine Funktion für diese Crew erfüllen musst? Du bist nicht so clever wie du faul bist. Es gibt Hunderte da draußen, die deinen Job besser machen könnten."

„Dann sag mir Bescheid, wenn einer von denen sich bewirbt, damit ich Zeit hab zum Packen", stöhnte der Wissenschaftler und vergrub sich wieder in seinem Sitzsack. „Und überhaupt, ich bin nicht faul. Ich bin vorübergehend depressiv."

Der Söldner schüttelte den Kopf. „Und was ist mit dir?", sprach er in Richtung des anderen Sitzsacks.

„Huh?", klang eine dritte Stimme. Der Körper einer jungen Frau lag ähnlich lethargisch über einem zweiten Sitzsack. Ihre Haut schimmerte dort wo das Flurlicht auf das synthetische Material traf.

„Du kannst jede erdenkliche Persönlichkeit annehmen, warum entscheidest DU dich für den depressiven Zyniker?"

Die Androidin zuckte mit den Schultern. „Warum tut er's denn?", sie deutete auf den Wissenschaftler.

„Ey!", protestierte dieser halbherzig. „Unfair!"

Als sie merkte, dass Yaros Blick immer noch fragend auf ihr lag, zuckte sie erneut. „Ich denke... wollte mal gucken wie das ist", fuhr sie fort.

„Und?"

Ein drittes Zucken. „Schwer zu sagen. Sehr unangenehm... aber auch sehr ruhig."

Yaro nickte und ließ das Gefühl für einen Moment im Raum schweben, ehe er sich wieder Gex zuwandte. „Also, kommst du wieder nicht mit?"

„Nah", stöhnte der Bohnensack. „Aber ich geb' euch Tara mit, das ist quasi das Gleiche."

„Hey!", protestierte nun die Androidin und war sofort auf den Beinen, „Ich hab' aber auch keine Lust!"

„Dann kopier' halt die Persönlichkeit von jemandem, der Lust HAT!", erwiderte Gex, „Von ihm da zum Beispiel!", und deutete auf Yaro.

Mit einer gewissen Neugier schritt die Androidin nahe an den Söldner heran und betrachtete ihn eingängig von Kopf bis Fuß. Eine kurze Pause. Dann, in einem Wimpernschlag, veränderte sich ihre komplette Körpersprache. Ihre Haltung wurde aufrecht, starrer, angespannter, die Arme vor dem Körper verschränkt, der Blick wachsam und doch fixiert, bereit. Für einen Moment verharrte sie, das gespuckte Ebenbild des Söldners. Sie hielt die Augen geschlossen. Dann jedoch entglitten ihr die Gesichtszüge, als läge ihr ein unglaublich bitterer Geschmack auf der Zunge. „Ich will immer noch nicht", raunte sie gequält, „aber jetzt habe ich das erdrückende Gefühl... dass ich MUSS."

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⏰ Last updated: Jul 16, 2024 ⏰

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