Kapitel 1

312 2 0
                                        

Samstag, 11. April 2014
Malina
Heute ist ein Sichtungstraining beim Vfl Wolfsburg, zu dem ich eingeladen wurde. Ich bin total aufgeregt und hibbelig. Ich bin schon gestern von Kiel nach Wolfsburg gefahren zu meinem Onkel und meiner Tante. Die beiden fahren mich auch gleich zusammen mit meinem Cousin zu dem Training. Ich freue mich schon sehr, denn ich hoffe es klappt. Nächste Saison für die U14 von Wolfsburg zu spielen wäre schon der Hammer. Ich hoffe es reicht für die Jungs, denn da lernt man einfach viel mehr als bei den Mädchen. Wir fahren in 10 Minuten los und dann wird es ernst. Ich bekomme noch eine WhatsApp-Nachricht von meiner „großen Schwester" Laura, also wir sind nicht verwandt, aber sie ist trotzdem meine Schwester. Sie spielt auch bei Holstein Kiel, nur schon in der B-Jugend, da sie 3 Jahre älter ist.
'Hey meine Süße, ich wünsche dir ganz viel Glück und Spaß und drücke dir beide Daumen, dass du es schaffst. Spiel einfach wie immer und dann kann das nur gut werden. Auch von Mama und Papa viel Glück.'
Wie süß. Wenn wir über Lauras Eltern reden, dann ist es immer Mama und Papa und nicht deine oder meine Eltern. Ich bin wie ein drittes Kind für sie.
'Danke Lauri, auch an Mama und Papa. ich bin so aufgeregt und habe Angst, dass es nicht klappt.'
'Du schaffst das. Atme tief durch und zeige denen dann, was man in Kiel alles lernt, ja?'
‚Das mache ich. Wir fahren jetzt los. Ich habe dich lieb.'
'Schreib mir, wie es gelaufen ist. Ich hab dich auch lieb.'
Ich schicke ihr noch ein Herz und packe dann mein Handy in meine Tasche und gehe runter, damit wir losfahren können. Ich nehme meine Sporttasche, ziehe meine Schuhe an und dann gehen wir zum Auto, steigen ein und fahren los. Die Fahrt dauert etwa 10 Minuten. Am Trainingsgelände angekommen steigen wir aus und die drei begleiten mich zum Eingang der Kabinen, wo die Verantwortlichen stehen.
„Malina Palis richtig? Ich bin Markus, der Trainer der U14", begrüßt er mich
„Hallo, ja die bin ich. Freut mich dich kennen zu lernen", antworte ich.
„Du kannst dich in der Kabine umziehen, aber nehme deine Tasche bitte wieder mit raus, da ja auch noch andere Spieler kommen werden. Wie ich sehe bist du ja aber schon umgezogen. Ist das dein ganz normales Trikot?", erzählt er.
„Ja, ich dachte, dass es mir vielleicht Glück bringt. Also habe ich meine normale Spielausrüstung mitgebracht. Hose, Trikot, Stutzen", sage ich lächelnd.
„Okay, dann ziehe doch bitte Fußballschuhe und Schienbeinschoner an und gehe schonmal auf den Platz zu den anderen", sagt er noch zu mir und ich nicke.
Ich ziehe meine Schuhe, Schienbeinschoner und Stutzen an und mache mir einen hohen Pferdeschwanz, wie vor jedem Training oder Spiel. ich gebe meinem Onkel meine Spottasche natürlich mit dem Holstein Kiel Wappen, meinem Namen und meiner Trikotnummer. Ich umarme meinen Onkel, meine Tante und meinen Cousin noch einmal.
„Macht ihr Videos und Fotos für Lauri?", frage ich die drei und sie nicken.
„Viel Spaß, zeig denen was du kannst", ruft mir meine Tante noch zu und ich zeige ihr den Daumen nach oben und lächle.
Ich gehe auf eine Gruppe von Jungs zu und stelle mich vor.
„Hey, ich bin Malina und ihr?", ein paar der Jungs gucken mich argwöhnisch an, bis einer auf mich zukommt und mir die Hand hinhält.
„Hey, ich bin Joshua, aber du kannst mich einfach auch Josh nennen", erzählt er und ich nehme seine Hand an.
„Mali reicht dann auch", sage ich lächelnd und lasse seine Hand wieder los. Die anderen stellen sich dann auch nach und nach vor.
„Müsstest du nicht eigentlich bei den Mädchen auf dem anderen Platz sein?", kommt es von einem Jungen, der sich mir nicht vorgestellt hat.
„Anton spinnst du, das kannst du doch nicht sagen", kommt es von einem anderen Jungen, ich glaube er heißt Ben.
„Schon gut. Keine Sorge, ich bin hier schon ganz richtig und wahrscheinlich lieber gesehen als du", antworte ich ihm nur.
„Ja ist klar. Mädchen können kein Fußball spielen. Hat schon seinen Grund, warum Mädchen und Jungs beim Fußball getrennt werden. Ich komme von Bayern München, also hat es wohl seinen Grund, warum ich hier bin", sagt Anton nur und guckt böse.
Ich sage nichts mehr dazu und wende mich wieder an Josh.
„Wo kommst du eigentlich her?", frage ich ihn.
„Tatsächlich komme ich hier aus Wolfsburg und spiele beim 1. FC Wolfsburg und du?", fragt er zurück.
„Ich komme aus Kiel und spiele bei Holstein Kiel in der U13", antworte ich ihm.
„Auf welcher Positon spielst du denn? Also ich bin Torwart", fragt er mich daraufhin.
„Echt? Cool dafür bin ich zu klein. Ich spiele als rechter Außenverteidiger, kann aber auch links spielen", erzähle ich Josh und wir nehmen uns jeder einen Ball.
„Voll cool, wie oft kannst du den Ball hochhalten?", fragt Josh und fängt an bei sich zu zählen.
„Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs, Sieben, Acht, Neun, Zehn", der Ball fällt runter.
„Das war gar nicht mal so schlecht, Josh", sage ich und er bedankt sich. Ich will gerade dazu ansetzen ebenfalls den Ball hochzuhalten, als wir in unserem Tun unterbrochen werden. Markus kommt auf uns zu und hat noch drei weitere Trainer dabei und sogar einige Spieler aus der 1. Bundesliga von den Männern. Sogar Alexandra Popp und Joelle Wedemeyer sind dabei. Wie cool ist das denn? Vor ein paar Wochen habe ich die beiden noch hier in Wolfsburg im Stadion Elsterweg gesehen und jetzt stehen  sie einfach vor mir. Ich fange an zu lächeln. Wenn die Beiden das Training über bleiben, dann wäre das ein riesiger Ansporn für mich alles zu geben und allen hier zu zeigen wo ich herkomme und was man da so alles im Nachwuchsleistungszentrum lernt.
„So da jetzt alle da sind können wir ja beginnen. Ich erkläre euch einmal den Ablauf. Am Anfang werden sich alle gemeinsam warm machen, dann machen wir ein paar Übungen und dann werden die Spieler in ihre Positionen unterteilt und machen noch ein paar Übungen. Zum Abschluss des heutigen Tages wird es noch ein Abschluss Spiel geben, in dem auch die aktuellen Spieler spielen werden, um zu gucken, ob ihr in die Mannschaft passt und wie ihr mit ihnen agiert. Dann werden wir uns zusammen setzen und ihr bekommt dann im Anschluss gesagt, ob ihr morgen noch einmal wiederkommen könnt. Ist dies der Fall trainiert ihr morgen mit der Mannschaft und wir gucken nochmal ob es passen könnte", erzählt Markus und ich sauge alles auf und verinnerliche es, damit ich nichts vom Ablauf vergesse.
„Also zuerst lauft ihr alle jetzt drei Runden um den Platz und kommt dann wieder hier zusammen", ergänzt Markus noch.
Ich laufe los und setze mich relativ schnell von den anderen ab, die eher gemächlich beginnen. Das kommt für mich jetzt definitiv nicht in Frage, nicht wenn meine Lieblingsspielerinnen von Wolfsburg jeden meiner Schritte beobachten können. Ich laufe also drei Runden und werde unbemerkt mit jeder Runde schneller. Ich komme an der Stelle zum Stehen, an der wir gestartet sind. Ich atme einmal tief durch und halte die Luft kurz und zack habe ich meine Atmung wieder unter Kontrolle. Ich schaue zu meinem Cousin, welcher sein Handy in der Hand hält und mich filmt. Er zeigt einen Daumen nach oben. Ich lächle ihm zu und winke. Als Zweites kommt Josh zum Stehen.
„Schnelligkeit hätte ich dir als Torwart jetzt nicht unbedingt zugetraut", sage ich lachend zu ihm. Er schüttelt nur lächelnd den Kopf und haut mir gegen die Schulter, was mich zum Lachen bringt.
Es dauert eine Zeit, bis alle fertig mit dem Laufen sind. Danach werden wir zu den Stangen geführt und in drei Gruppen aufgeteilt. Ich bin mit Josh in einer Gruppe gelandet. Wir sollen erstmal nur von Stange zu Stange laufen und mit jeder Runde schneller werden. Jeder viermal. Dann kommen Steigerungsläufe. Mein absoluter Favorit. Ich liebe es. Auch das schaffe ich natürlich ohne Probleme. Danach sind 5 Minuten Pause. Ich trinke etwas und stelle mich zu Josh und ein paar anderen.
„Wie kann es sein, dass du nicht aus der Puste bist, aber so überhaupt nicht?", fragt einer der Jungs. Ich lache auf.
„Ich liebe laufen, egal ob mit oder Ball am Fuß. Außerdem legt mein Trainer sehr viel Wert auf ausreichende Kondition und wenn ich mir hier einige anschaue würden die es bei meinem Trainer nicht lange aushalten", antworte ich lächelnd. Der Junge guckt mich ungläubig an. Ich lächle nur. Dann sind die 5 Minuten Pause auch schon vorbei und wir kommen alle wieder zusammen. Uns werden die nächsten Übungen erklärt und wir führen diese dann aus. Auch die sind nicht besonders schwer, aber einige haben damit ganz schön zu kämpfen. Danach ist nochmal eine Trinkpause und schon werden wir in unsere Positionen aufgeteilt. Anton ist in meiner Gruppe und ein paar andere, deren Namen ich nicht kenne. Das kann ja heiter werden mit Anton. Ich schaue zu den Wolfsburgspielern und sehe, dass Alex und Joelle mich beobachten. Ich lächle und schaue weg.

Mit Wolfsburg ganz nach oben - Lena Oberdorf FFStories to obsess over. Discover now