Der Flug

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Die letzten Tage, bevor die Ferien ihr endgültiges Ende nahmen, sollten doch normalerweise ruhig und entspannt verbracht werden. Filme schauen, ein Buch lesen, sich ein letztes mal noch ausruhen bevor der ganze Stress wieder beginnt. Doch leider war das nie so in meinem Familienhaus.

Vollbepackt mit riesigen Koffern fuhren meine Mutter, mein fester Freund Alex und ich mit dem Minivan zum Flughaffen. Ich saß hinten mit Alex und lehnte meinen Kopf an die kühle Fensterscheibe, während unsere Hände miteinander verschränkt waren. Ich war nervös, gleichzeitig aber auch voller Furcht und einem grässlichem Bauchgefühl. Ich schaute rüber zu Alex der auch nur dasaß und sein Kopf an die Fensterscheibe lehnte. Unsere letzten Stunden zusammen, bevor wir uns mit Tränen in den Augen voneinander verabschieden müssen und uns für eine lange, lange Zeit auch nicht mehr sehen werden, zumindest nicht im echten Leben.

Er bemerkte meinen Blick, der auf ihm ruht, und drehte seinen Kopf zu mir. "Worüber denkst du nach?" Fragte er mich. Er sah auch niedergeschlagen aus, traurig und müde, etwas was ich von ihm eher nicht gewohnt bin.

"Dass ich dich sehr vermissen werde." Lächelte ich und drückte seine Hand fester. Das brachte ihn auch zum grinsen.

"Du wirst mich in paar Tagen schon vergessen haben. In so einer großen Stadt wirst du wohlmöglich andere Sachen um die Ohren haben als deinen Öden Freund aus einem Dorf."

"Das stimmt gar nicht!" Lachte ich. "Und es ist kein Dorf, es ist eine Kleinstadt."

"Wenn du den Begriff besser findest." Zuckte er mit den Schultern aber drückte nun meine Hand auch fester. "Du wirst mir aber auch fehlen. Ich denke du wirst mir mehr fehlen als ich dir." Lachte er.

"Wer weiß, vielleicht werde ich es dort so scheiße finden, dass ich dich jeden Tag heulend anrufe werde."

"Das glaub ich eher weniger." Entgegnete er mir grinsend und schaute aus dem Fenster. "Deine Brüder werden doch da sein."

Ich seufzte genervt und schaute nach vorne. "Ich habe sie seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen. Wer weiß ob die überhaupt noch was mit mir unternehmen wollen."

"Du hast ein Jahr um dich wieder mit ihnen besser zu verstehen, das wird schon." Ich schaut noch einmal zu ihm herüber und sah, dass Alex mich bereits schon anschaute. Mit sanften Augen und einem leichten grinsen hielt er meine Hand fest in seiner großen, bevor meine Mutter uns aus unseren Tagträumereien herausriss und uns sagte, wir wären da.

Ich stieg aus dem Auto und Alex half mir mit meinen Koffern. Zusammen mit meiner Mutter gingen wir dann zu dritt zum Flughafen, gaben meine Koffer ab und checkten mich ein, tranken noch einen Kaffee miteinander bevor es Zeit wurde für die Sicherheitskontrolle und mich somit von ihnen zu verabschieden.

"Ruf mich jeden Tag an, wenn ich dir schreibe, schreib mir zurück- und pass auf dich auf!" Weinte meine Mutter in meinen Armen, während ich sie fest an mich drückte.

"Keine Sorge, Mum, mir wird nichts passieren. Außerdem hatten wir das Thema schon." Lachte ich, aber konnte meine Tränen auch nicht mehr zurückhalten. Ich genoss ein letztes Mal ihre Arme um mich, ihren Geruch und ihre sanften Berührungen von ihren Fingern, die mir gerade meine Tränen wegwischten.

Als sie mich losließ kam Alex um mich zu umarmen und ich weinte wieder. Abschiede waren so schmerzhaft, vor allem wenn man genau weiß, dass man sich für eine lange Zeit nicht mehr treffen wird. Er sagte nichts sondern küsste mich nur auf die Stirn und nahm mich in seine Arme.

"Du wirst uns fehlen." Nuschelte er mir ins Haar.

"Ihr mir doch auch.." Schluchzte ich und ließ von ihm ab und mir meine Tränen wegzuwischen. Als ich wieder zu ihm hochschaute erkannte ich auch seine wässrigen Augen, weshalb wir uns wieder umarmten. "Ich schreib dir wenn ich ankomme." Brummte ich in seine Brust und er strich mir nur übers Haar.

Just another dayWhere stories live. Discover now