Müde

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"I write because you exist" 

-15.03.2017-

Ich kann kaum die Auge aufhalten. Dieser ganze Schlafentzug macht mich echt fertig. Heute soll ein guter Tag werden. Es kann doch nicht nur schlechte Tage geben. Ich mache die große schwere Tür zum Klassenzimmer auf und sehe das ich mal wieder zu spät bin. Die Lehrerin hat schon mit ihrem Unterrichter angefangen. Natürlich darf ich mir wieder anhören das es doch nicht sein kann das ich schon wieder zu spät bin. Aber ich höre nicht mehr zu. Wozu? Ich setzte mich auf meinen Platz und schau ihr ins Gesicht. Es sieht aus als würde sie auf eine Antwort warten. Aber was soll ich ihr schon sagen? Die Wahrheit? Das ich heute wieder mal unmotiviert war und mit schlechten Gedanken aufgestanden bin? Oder soll ich sie an lügen und irgendeine Geschichte erfinden? Ich entscheide mich fürs nichts sagen. Die Lehrerin interessiert sich längst nicht mehr für mich und führt ihren Unterricht fort. Schule ist momentan ein Ort, der mir immer wieder zeigt, wie sehr ich meine Zeit verschwende. Aber ich muss hier her, um irgendwann mal einen Job zu finden, wo man viel Geld verdient und wovon man gut leben kann. Aber wird mich das auch glücklich machen? Das ist im Moment egal, Hauptsache ich mache was. Der Unterricht ging sehr schnell zu Ende. Ich hab mir angewöhnt alles mit zuschreiben, damit ich zuhause nochmal alles nachlesen kann.

„Du siehst heute echt toll aus". Klara setzt sich auf mein Tisch und guckt mich mit ihren großen Augen an. Sie ist mein kleiner Sonnenschein im Leben. „Danke, ich hab mir nur eine andere Hose angezogen, wenn ich nachher nach Hause komme, muss ich mir nur eine andere Hose anziehen und kann weiter schlafen.". Karla rollt mit ihren Augen. „Du kannst doch nicht immer schlafen Sue.", ich zucke nur mit den Schultern. Ich weiß das ich mein Leben verschlafe, aber nur so ist es erträglich. Klara weiß, dass es mir wieder schlechter geht, aber wir reden darüber nicht. Wir beide wissen das es nichts besser machen würde. Wir wissen beide das es nur eine Sache gibt, die mich wieder hoch bringen würde und wir wissen auch beide das es nicht geht. Man kann eben nicht alles im Leben haben, richtig?

„Wollen wir lieber schwänzen und eine rauchen?", scheint so als hätte Klara genauso wenig Motivation wie ich heute. Doch ich schüttel mit dem Kopf. „Wir können nicht immer schwänzen Klara.", Klara zieht nur die Schultern hoch und geht dann wieder auf ihren Platz. Die nächste Stunde fängt an und ich bereite mich darauf vor wieder alles mitzuschreiben.

Es klingelt und ich packe so schnell wie möglich meine Sachen zusammen und renne praktische gesehen aus dem Klassenzimmer. Ich halte das hier nicht mehr aus.

Kaum hab ich die Tür zu meiner Zimmertür geschlossen, kullern die ersten Tränen meine Wange schon runter. Ich kann nicht länger verleugnen das es mir wieder schlechter geht. Ich muss anfangen zu akzeptieren, dass die Dunkelheit mich wieder übernommen hat und das ist etwas, womit ich nicht zurechtkomme. Ich will nicht wieder so werden wie damals. So traurig und so lustlos am Leben teilnehmen. Ich möchte nicht immer weinen weil ich mein Leben nicht mag, weil ich mich nicht mag. Dieses Mal gibt es niemanden der für mich da sein wird. Der mich rettet. Jetzt muss ich noch mehr weinen, weil mir jetzt einmal wieder klar wird wie gut ich es eigentlich damals hatte und es nie realisiert hab. Was für tolle Leute ich damals in meinem Leben hatte und es nicht mal gemerkt hab. Traurig, dass man so etwas erst später merkt. Gut, dass meine Mutter noch arbeiten ist, sonst dürfte ich mir wieder ihren besorgten Blick ansehen und mich noch schlechter fühlen. Ich fühle mich nur noch wie eine leere Hülle, die gefangen ist im Leben. Meine Mutter darf nicht davon erfahren, schlimm genug, dass sie es damals mitbekommen hat. Es gibt nichts Schlimmeres zu sehen, wie die eigenen Eltern verzweifeln weil sie nicht wissen, wie sie dir helfen können. Also tu ich so als würde es mir immer noch gut gehen. Aber das tut es schon lange nicht mehr. Natürlich gibt es Tage, wo es mir gut geht. Aber dort ist oft Alkohol mit im Spiel. Ich trinke auch wieder viel zu viel.

-Am Abend-

„Sue erzähl doch mal, wie war es heute in der Schule?", meine Mutter kann es einfach nicht lassen. Sie fragt jeden Tag wie es in der Schule war und selbst bei der Frage muss ich sie anlügen. Ich bin es leid immer lügen zu müssen.

„Ganz in Ordnung.", ich möchte nicht dass, Sie weiter fragt, doch ich bin nicht blind und sehe den Blick meiner Mutter. Es ist der Blick „Ich-Weiß-Doch-Da-Ist-Was".

„In Deutsch haben wir heute ein neues Thema angefangen.", ich gebe ihr einfach das, was sie von mir erwartet. Meine Mutter nickt und isst ihren Salat weiter.

„Und findest du deine Deutschlehrerin immer noch so anstrengend?", fragt meine Mutter mit vollem Mund. Ich konnte nicht anders als zu lachen. Meine Mutter kann manchmal echt wie ein Kind sein.

„Ich fand sie nie anstrengend, sie verlangt eben viel und möchte das wir so viel lernen, wie es nur geht, doch wenn du noch müde bist und dann gleich 100 Prozent geben sollst, kann das manchmal echt anstrengend sein, aber Mama sie ist immerhin noch nett. Wir haben Lehrer da frag ich mich wie die Lehrer werden konnten, so lustlos und unfreundlich die sind.", Ich könnte kotzen bei den Gedanken an meine Lehrer.

„Geht es dir gut Sue?", meine Mutter hat anscheint gemerkt das irgendwas nicht stimmt.

Ich nicke nur und esse weiter. „Wenn was ist, dann kannst du immer zu mir kommen süße ok? Ich weiß ich bin nicht Timur, aber ich kann dir auch helfen.", mein Herz setzt kurz aus. Meine Mutter weiß so was von Bescheid. Doch ich will nicht mit ihr über Timur reden. Ich möchte nie wieder über Timur reden. Auch wenn mein Herz was anderes möchte. Ich kann nicht. Ich muss weiter machen und zwar ohne ihn, ob ich will oder nicht.

„Du weist genau dass du nicht über ihn reden sollst oder seinen Namen in unserem Haus benutzen sollst.", ich stehe auf, bringe mein Salat in die Küche und knalle dann meine Zimmertür zu. Ich atme einmal tief ein und dann wieder aus. Es ist hart ihn in meinem Kopf zu haben, all diese guten und schlechten Erinnerungen. Ich wünschte diese Erinnerungen wären einfach weg. Als hätten sie nie existiert. All diese Erinnerungen werden in meine Kopf wie ein Film abgespielt. Wenn ich meine Augen schließe, kann ich ihn klar und deutlich vor mir sehen. Sein Lächeln, seine unglaublichen braunen Augen. Einfach ihn, wie er mich anlächelt, so als wüsste er das bald alles wieder gut wird. Ich hab das Bedürfnis grade was zu zerstören. Ich fühle, wie meine ganze Wut wieder hoch kommt. Ich schaue mich um und gehe auf mein Bücherregal zu. Ich reiße alle Bücher raus die ich nur zu greifen bekomme. Meine Schminke bleibt auch nicht unberührt. Ich schmeiße alles durch die Gegend. Mein Herz fängt an zu rasen und ich atme immer schneller. Ohne es zu merken, fange ich an zu weinen. Und nicht nur so ein bisschen, sondern so richtig. Er wird nie wieder kommen und mir sagen das alles wieder gut wird, denn er ist weg, und zwar für immer.

Nach einer halben Stunde bitterlichen weinen sitze ich jetzt auf dem Teppich in meinem Zimmer und gucke durch mein Fenster die Sterne an. Leise klopft es an meiner Tür, doch ich sage nichts.

„Ist die Gefahr vorbei? Kann ich rein kommen?", meine Mutter steht vorsichtiger vor der Tür und hat ihren Kopf halb in meinem Zimmer. Ich sage nichts, ich nicke einfach nur mit meinem Kopf. Ich kann es jetzt nicht mal mehr meiner Mutter verschweigen, wie sehr er mir fehlt.

„Es tut mir leid, dass ich vorhin Timur erwähnt hab. Ich wusste nicht, dass es dir so nah geht.", meine Mutter setzt sich langsam zu mir auf den Teppich und nimmt mich vorsichtig in den Arm. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich dazu noch sagen soll. Ich hab es eingesehen. Ich bin die erbärmlichste Person auf diesem Planeten. Aber das, was mein Herz fühlt, dafür kann ich nichts. Egal was alles passiert ist. „Möchtest du vielleicht mit mir über ihn reden?", fragt meine Mutter. Doch ich hab keine Lust. Ich hab keine Lust mehr immer wieder diese traurige Geschichte zu erzählen. Die Geschichte die eigentlich ein Happyend verdient hätte, aber nie eins bekommen hat. Ich schüttle den Kopf und schaue wieder in die dunkle Nacht zu den hellen Sternen.

„Okay dann lasse ich dich wieder alleine, wenn was ist ich bin unten, du kannst jeder Zeit zu mir kommen und hör bitte auf all deine Sachen kaputt  zu nehmen, die Sachen waren alle nicht so günstig wie du vielleicht denkst.", ich nicke und lächle meine Mutter an. Es tut mir so im Herzen weh das meine Mutter mit ansehen muss, wie es mir geht. Nicht nur ich leide sondern meine Mutter auch. Egal was ich anfasse es geht kaputt.

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