Kapitel 2

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Mir fiel plötzlich ein, dass ich heute noch mit Azra verabredet war. Ich nahm mein Handy und rief sie an. Nicht einmal der erste Klingelton war vorbei, da ging sie schon ran.

„Azo ich kann heute nicht kommen. Es ist keine Ausrede oder so, ich schwöre es dir. Es tut mir leid" sagte ich sofort

„Schatz, was ist los?" fragte sie besorgt

„Baba geht es nicht gut. Und du weißt, wie meine Mutter ist... sie macht wieder nichts. Die Kinder sind bei mir und ich muss mich kümmern" versuchte ich ihr zu erklären.

„Wie? Was ist mit Ekrem Amca?" fragte sie erschrocken.

Ich zog tief die Luft ein und atmete langsam wieder aus. Meine Augen füllten sich mit Tränen. Ich wollte nicht weinen, ich wollte stark bleiben. Doch dann fiel mir ein das Amir neben mir war. Er sollte mich nicht so sehen. Ich wischte mir schnell die Tränen weg und versuchte meine Stimme ruhig zu halten.

„Er hatte gerade einen schweren Schlaganfall" erklärte ich leise.
„Die Ärzte mussten ihn sofort behandeln"

Azra sagte nichts mehr. Sie wusste wahrscheinlich, dass jedes weitere Wort mich zum Zusammenbrechen bringen würde.

„Wo seid ihr?" fragte sie nach einer kurzen Stille.

„Charité Süd" antwortete ich knapp.
Keine Sekunde später legte sie auf. Nicht einmal ein Tschüss aberrrr ich wusste ganz genau warum. Azra war nicht der Typ Mensch, der lange redete, wenn sie wusste, das sie einfach kommen musste. Ich schaute zu Amir, der mittlerweile eingeschlafen war. Sein Kopf lag auf meiner Schulter und seine kleinen Hände hielten noch immer sein Spielzeug fest. Plötzlich öffnete sich die Tür der Intensivstation. Ein Arzt kam raus, sofort legte ich vorsichtig Amirs Kopf auf den Sitz neben mir und stand auf. Mein Herz schlug schneller, während ich auf den Arzt zuging. Er sah mich ernst an.

„Ihr Vater hatte einen schweren Schlaganfall" begann er.
„Sein Zustand ist momentan sehr kritisch. Wir haben ihn vorerst in ein künstliches Koma versetzt"

Ich nickte nur... Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Meine Kehle fühlte sich trocken an.

„Es tut mir leid" fügte der Arzt hinzu, bevor er weiterging. Ich blieb einfach stehen. Dieses eine Wort ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Koma..

Der Mann, der immer versucht hatte, für uns stark zu sein, lag gerade irgendwo hinter dieser Tür und kämpfte um sein Leben. Ein schlechtes Gefühl machte sich in mir breit.
Schuldgefühle. Vielleicht hätte ich früher merken müssen, wie schlecht es ihm ging. Vielleicht hätte ich mehr helfen müssen. Ich schaute auf die Uhr.
17:40 Uhr. Genau in diesem Moment ging die Eingangstür auf und ich sah Azra. Sie entdeckte mich sofort mit den Kindern und kam direkt auf mich zu ohne ein Wort nahm sie mich in den Arm. Ich merkte sofort, wie besorgt sie war. Amira war mittlerweile wach geworden und als sie Azra sah, fing sie leicht an zu lächeln. Azra liebte meine kleine Schwester über alles. Sie nahm Amira aus der Babyschale und beschäftigte sich mit ihr, während Amir langsam wieder wach wurde und mit einem kleinen Auto spielte, das er aus seiner Jackentasche holte.

„Schatz, kannst du kurz auf die beiden aufpassen? Ich gehe nochmal zum Arzt" fragte ich sie.

Sie nickte mit einem beruhigenden Lächeln. Ich machte mich auf den Weg und suchte nach ihm und ich fand ihn.

„Entschuldigung" sprach ich ihn an. „Ich wollte fragen wann ich zu meinem Vater darf"

Er sah nicht einmal richtig zu mir hoch. Er schrieb weiter etwas auf seinem Protokoll.

„Nächsten Mittwoch" antwortete er kurz und kanpp

Und schon war er wieder beschäftigt.
Nächsten Mittwoch? Ich konnte nicht glauben, was ich gerade gehört hatte.
Ich lief zurück zu Azra. Doch plötzlich prallte ich gegen eine harte Brust.
Erschrocken schaute ich nach oben.
Dunkelbraune Augen sahen mich an.
Der Junge vor mir hatte einen ernsten, fast schon genervten Blick. Für einen Moment blieb ich stehen. Doch dann schüttelte ich den Gedanken ab und lief schnell weiter. Ich hatte gerade andere Probleme. Bei Azra angekommen, zog ich Amir seine Jacke an und gab ihr ein Zeichen, dass wir gehen würden.

„Danke, dass du gekommen bist" sagte ich leise.

Azra antwortete nicht. Sie umarmte mich einfach. Manchmal brauchte man keine Worte.

„Was hat der Arzt gesagt?" fragte sie schließlich.

Ich schluckte.

„Er meinte, wir können ihn erst Mittwoch sehen"

,,Ich bin für dich da" Ich lächelte leicht und verabschiedete mich von ihr.

~

Zu Hause angekommen, kümmerte ich mich zuerst um die Kinder. Ich bereitete Essen vor und räumte nebenbei die Küche auf. Dabei fiel mein Blick auf einen Zettel, der auf der Arbeitsplatte lag. Ich nahm ihn in die Hand und begann zu lesen.

Hallo meine Lieben,
hiermit möchte ich mich von euch verabschieden. Ich werde wegziehen, weit weg von euch und eurem Vater.

Wir haben uns schon lange nicht mehr geliebt. Wir waren nur wegen euch zusammen, aber das hat sich jetzt erledigt.

Ich habe einen Mann kennengelernt und eine Entscheidung getroffen. Ich werde ihn heiraten. Passt auf euch auf und werdet glücklich. Mir geht's gut.

Eure Mama

Ich starrte auf den Zettel. Das war doch ein schlechter Witz. Irgendwo müssen die versteckten Kameras sein.

?!

Wie konnte sie nur? Wie konnte sie in genau so einem Moment einfach gehen? Mein Vater lag im Krankenhaus. Meine Geschwister brauchten jemanden. Und sie verschwand einfach.

„Dunya, halt durch" sagte ich leise zu mir selbst. Jetzt durfte ich nicht zusammenbrechen. Jetzt musste ich für Amir und Amira stark sein. Ich nahm den Grießbrei, den ich für die Kinder gekocht hatte, vom Herd und füllte ihn in eine Schüssel.

„Amir Essen!" rief ich.

Keine zwei Sekunden später kam er angerannt und setzte sich an den Tisch.
Er lächelte mich an. Ich gab ihm einen Kuss auf die Stirn, doch wie immer wischte er ihn genervt weg. Ich musste kurz lachen. Ich stellte ihm seine Schüssel hin und er begann zu essen.
Danach holte ich Amira aus ihrer Wippe und setzte sie in ihren Kinderstuhl. Nachdem beide gegessen hatten, badete ich sie. Ich legte Amir seinen Pyjama raus und er zog sich selbstständig um auch Amira zog ich ihren Schlafanzug an. Als ich dachte, das endlich etwas Ruhe einkehren würde, schaute Amir mich mit seinen großen Augen an.

„Abla... kann ich heute bei dir schlafen?" fragte er mit seinem typischen Schmollmund.

Ich sah ihn an. Nach diesem Tag konnte ich ihm keine Bitte abschlagen.
Ich nickte.

„Natürlich mein Schatz."

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

Omgggg leuteee wie finden wir das Kapitel ? 🤭

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