Epilog

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Langsam wache ich auf. Mir ist kalt, so fürchterlich kalt. Die Seile um meine Handgelenke graben sich immer tiefer in meine Haut und am liebsten hätte ich geweint. Aber ich kann nicht. Mein Körper ist zu erschöpft, um auch nur eine kleine Träne zu produzieren. Jede noch so kleine Regung meinerseits führt dazu, dass die Wunden an meinen Armen und Beinen sich weiter öffnen und bereits verschorfte wieder aufreißen. So bin ich kaum in der Lage, mich zu bewegen, ohne vor Schmerzen aufzuschreien.

Der Anhänger, in dem ich liege, ist eiskalt. Überall stehen große Kisten herum, auf denen das Hydra Logo aufgedruckt ist. Es sieht aus wie eine Mischung aus Totenkopf und Tintenfisch.

Eigentlich mag ich Tintenfische, denn sie sind Meister der Tarnung. Ich mag auch Eis-Creme, glaube ich zumindest und Mango oder waren es Papayas...?

Wer bin ich überhaupt? Angestrengt denke ich nach, eigentlich sollte ich das doch wissen. Ich schaue langsam an mir herunter. Meine Kleidung, die ich trage, kann man kaum als solche bezeichnen. Es sind eher zerrissene Lumpen, die mich nur notdürftig bedecken. Und durch die vielen Löcher darin sind meine Verletzungen deutlich zu erkennen. Mein Blick wandert zu meinem linken Arm und ‚Ah, da ist es ja', das kleine Etikett auf meinem Oberarm. Es ist über die Jahre immer mehr zerfleddert aber mit ein bisschen Mühe schaffe ich es die Zeichen zu entziffern:

Subjekt 5764f. Es hört sich vertraut an aber doch irgendwie fremd. So als wäre es nur ein Ersatz für etwas, das ich schon lange vergessen habe. Meinen Namen.

Doch der ist hier irrelevant. Hier wo ich schlafe, esse, trinke aber nicht lebe. Denn Leben bedeutet glücklich zu sein und freie Entscheidungen treffen zu können, sich mit Freunden zu verabreden oder auf Reisen zu gehen.

Die letzten Monate, wenn nicht sogar Jahre, sind ein verschwommener Teil in meinen Erinnerungen, dem viele Stücke fehlen. Zu viele Schmerzen musste ich ertragen, Dinge, die ich in meinem Bewusstsein vergraben habe, mit der Absicht sie nie wieder hervorzuholen. Hände an meinem Körper, Messer in meinem Oberschenkel und Kanülen mit fremdartigen Flüssigkeiten im Arm. Eine Zeitlang fanden sie es amüsant junge Frauen und Mädchen zu mir zu bringen und sie vor meinen Augen Erschießen zu lassen, wenn ich nicht aufhöre zu schreien.

Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, als ein Hydra Soldat die Plane des Anhängers aufreißt und auf mich zukommt.

Ich weiß nicht, was jetzt passieren wird. Das letzte Mal, als ich transportiert wurde, war, als der Krieg begann und der alte Bunker nicht mehr sicher genug war.

Der Soldat greift nach meinem gefesselten Arm und zieht mich grob aus dem Anhänger. Die ruckartige Bewegung löst einen stechenden Schmerz aus und ich schreie leise auf.

Draußen ist es dunkel und als ich nach oben schaue, kann ich die Sterne über mir erblicken. Sie funkeln wie tausende Diamanten, wunderschön und geheimnisvoll. Der kalte Nachtwind streicht mir über meine entblößten Arme und Beine und für einen kurzen Moment bin ich frei. Frei von Schmerzen und Sorgen, von grausamen Menschen und unschuldigen Opfern. Meine Gedanken verloren in den unendlichen weiten des Universums. Doch die Realität holt mich schneller ein, als mir lieb ist und der Soldat mich ungeduldig anraunzt, schneller zu gehen.

Er führt mich über einen großen Platz. Links und rechts von uns stehen große Panzer. Überall laufen Männer mit schwarzer Kleidung herum, auf der das Hydra Logo zu sehen ist. Frauen sehe ich fast keine und wenn doch, habe ich das Gefühl, dass sie noch gefährlicher und verrückter als die Männer sind, die zu Hydra gehören.

Der Soldat führt mich durch einen kleinen Eingang in einen langen Gang. An dessen Ende ist eine weiter Tür aus Eisen zu sehen, die in eine riesige Lagerhalle führt. In der sich noch mehr Männer befinden, die große Kisten, ähnlich denen aus meinem Anhänger, ein- und ausladen. Staunend schaue ich mich um. So viele Leute auf einem Fleck hatte ich schon lange nicht mehr gesehen.

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