I.

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Seine Axt ragte aus der Kehle des unglücklichen Tölpels, der den Fehler gemacht hatte, einen gewöhnlichen Wegelagerer seinem Kommandanten melden zu wollen, statt einfach weiterzugehen. Das hatte den Auftrag unsauberer werden lassen, als Mengrim es sich gewünscht hatte, aber so war er immerhin zu einem neuen Paar Armschienen gekommen, die passten erstaunlich gut zu seiner valitéischen Brigantine, und wenn er jetzt noch an ein Paar zwergische Stiefel herankommen würde! Aber ach, man sollte ja nicht gleich nach dem ganzen Arm greifen, wenn einem der kleine Finger winkte.

 
Der Söldner aus dem Norden steckte sich noch einen Glimmstängel an, bevor er den armen Tropf mit einem schnellen Schnitt von seinem Leiden erlöste. In einem so großen Lager würde ein einzelner Soldat schon nicht gleich vermisst werden, und falls doch, würde Mengrim bis dahin bereits in der nächsten Stadt sein.

Natürlich hätte er auch sofort gehen können, doch er wollte sich mit eigenen Augen vergewissern, dass seine Sabotage erfolgreich verlaufen war. Ein guter Söldner machte das so, das hatte Myldred immer so gepredigt. „Alles andere sind Stümper", schmunzelte er vor sich hin, zerdrückte die Kippe unter seinem Stiefel und packte die Beine des toten Soldaten, um mit ihm ins Unterholz zu verschwinden.


Als es Abend wurde, konnte er endlich die Früchte seiner Arbeit genießen. Ein unbedachter Funke nahe der Ställe, und schon stand das gesamte Futterlager lichterloh in Flammen, der Knappe konnte ihm nur leid tun. Herzhaft biss Mengrim in einen Apfel, ließ sich das Schauspiel von einem Baum aus gefallen. Heute brauchte er nicht mal seinem Gold hinterherzujagen, denn der Orden hatte im Voraus gezahlt. Ein warmes Essen, ein weiches Bett und vielleicht sogar etwas Gesellschaft für die Nacht versprach ihm dieser prall gefüllte Münzbeutel, und dafür hatte er nur die Organisation des kaiserlichen Lagers ein wenig durcheinander bringen müssen. Manchmal konnte es doch so einfach sein~!

Einfach, bis zu dem Moment, in welchem ihm ein Banner ins Auge stach, das ihm gar nicht gefallen wollte. Ein weißer Falke. „Var Renrís' Lager? Scheiße", landete zuerst der Apfel und gleich darauf Mengrim auf dem Boden, schneller, als er den Baum erst hinaufgestiegen war. Sein Pferd war nicht weit von hier angebunden, und in schnellem Galopp preschten sie die Landstraße entlang.




Als die Sonne schon hinter dem Horizont verschwunden war, hatte er endlich die nächste Ortschaft erreicht: Kahltbad, sicherer Hafen für Söldner, Gauner und sonstiges Gesindel.

Gasthäuser und Tavernen reihten sich mit Backstuben, Kräuterhändlern und Freudenhäusern zu einer großen Hauptstraße ein, auf der es tagsüber belebter zuging, als in so mancher Hauptstadt, und in der Luft sammelten sich allerhand Gerüche, von Salz und frischem Fisch aus dem Hafen bis zum blumigen Duft der Damen, die mit ihren reichhaltigen Argumenten für ihre Häuser warben.

Mengrims Weg führte ihn jedoch abseits der Hauptstraße, wo sich die Stadt mit engen Gassen, schmutzigen Straßen und schief stehenden Fachwerkhäusern erstreckte. Hierher kam man, wenn man das wahre Kahltbad suchte.

Alles konnte einem hier über den Weg laufen, auch kaiserliche Aellen, aber das bereitete ihm keine Sorgen. Hier gab es keine Soldaten im Dienst, keine Ritter auf tugendhafter Mission, bestenfalls Bauern, noch wahrscheinlicher Wegelagerer oder Banditen. Mengrim ertappte sich dabei, erleichtert aufzuatmen. Alles war besser, als von var Renrís erwischt zu werden, denn der aellische General war zwar für vieles bekannt, aber ein Herz für Menschen gehörte definitiv nicht dazu.


Ein Goldstück für den Stallburschen später hatte sein Pferd ein trockenes Plätzchen und frischen Hafer ganz für sich allein, Zeit, dem Reiter dasselbe zu gönnen, wie Mengrim fand.

Autumn of the World - Revised VersionStories to obsess over. Discover now