Kapitel 1- Einführung

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Ein Leben ohne Liebe?

Geht das überhaupt?

Es geht fast immer nur um Liebe... Liebe und Geld.

Doch was ist daran so besonders? Ich verstehe es einfach nicht.
Aber vielleicht liegt es daran, dass ich einfach nicht in der Lage bin zu "Lieben"...

Ich wuchs unter ziemlich guten Umständen auf. Man kann sagen, dass ich eine wirklich gute Kindheit hatte.
Meine Eltern waren zwar nicht reich, aber uns fehlte es an nichts. Wir wohnten in einem netten Haus mit einem Garten und zu Geburtstagen und Weihnachten bekamen meine kleine Schwester und ich immer die Sachen die wir uns wünschten. Unsere Eltern stritten sich nur sehr selten und wir fuhren fast jedes Jahr in den Sommerferien in den Urlaub.

Doch ich fühlte mich nie wirklich wohl in dieser Familie.

Irgendwie passte ich nicht zu den anderen...

Meine Schwester ist fast immer gut gelaunt und voller Energie. Sie redet mit meinen Eltern über alles und will ständig etwas mit mir unternehmen. Sie hilft wo sie kann, egal ob im Garten, im Haushalt oder bei Sachen wo sie nicht wirklich hilft, weil sie das Problem nicht versteht.
Sie haltet nicht viel vom Internet und ist eine eher vorsichtige Person. Sie liebt es schwimmen zu gehen und lernt viel für gute Noten. Außerdem ist sie eine klassische Christin und geht gerne in die Kirche.
Sie glaubt an die Liebe auf den ersten Blick und möchte später einen netten Mann heiraten und zwei Kinder haben.

Meine Mutter ist eine eher ruhigere Person. Sie ist nett und freundlich und versucht uns ein feines Leben zu machen.
Wie meine Schwester, hat sie eine gewisse Abneigung gegenüber allen Elektronischen Geräten, was zum Teil daran liegt, dass sie aus einer eher sparsamen Familie kommt und als Kind einfach nicht die Möglichkeit hatte, mit dem Fortschritt der Technik mitzukommen. Aber dafür liebt sie ihren Garten und ihr Hochbeet und baut wirklich viel selber an. Sie macht auch für die Arbeit so oft es geht Fortbildungen und Kurse und hat immer die besten Noten. Auch sie ist sehr Religiös und versucht den religiösen Alltag in dem sie aufgewachsen ist an ihre Kinder weiterzugeben.

Mein Vater ist eher abenteuerlich und meiner Meinung nach toxisch. Er ist diese Person die mit den Leuten an der Kasse oder seinem Sitznachbarn im Bus einfach so ein Gespräch anfängt.
Er mag elektronische Geräte und hat früher sehr oft Computerspiele gespielt. Er ist Einzelkind und bekam als Teeny eines der neu erfundenen Handys und hatte daher viel mehr Ahnung von Elektronik. Er ist aber auch ein sehr guter Hausmann, da er seit kurzer Zeit weniger arbeitet als meine Mutter und sich stattdessen um den Haushalt kümmert.
Seine Eltern halten nicht so viel von der Kirche und auch er haltet sich bei diesem Thema ziemlich zurück.

Und dann komme ich...

Ich bin sehr zurückgezogen und fast den ganzen Tag in meinem Zimmer. Ich behalte meine Probleme für mich und selbst wenn ich mich krank fühle rede ich nicht darüber.
Ich bin mit dem Internet aufgewachsen und TikTok, Insta und Snapchat spielen eine wichtige Rolle in meinem Leben. Außerdem liebe ich es auf unserer X-Box zu spielen oder einfach bis mitten in der Nacht Minecraft zu zocken.
Ich lerne nicht viel, bekomme es aber trotzdem irgendwie hin, gute Noten zu schreiben. Von Religion halte ich noch weniger als mein Vater und habe einen echten Hass gegen das Christentum entwickelt.

Außerdem bin ich ein Mitglied der LGBTQ+ Community.

Vom Ally zur Bisexuellen Person zur Omnisexualität, und nun als AroAce.

Ich habe mich nicht "geoutet".
Das liegt aber nicht daran, dass mich meine Eltern aus dem Haus werfen würden oder so.

Sie sind beide nicht Homophob, aber irgendwie sind sie auch nicht 100% unterstützend. Sie sagen immer, dass sie mich bzw. meine Schwester immer Lieben werden, egal was passiert und dass es ihnen egal ist ob wir einen festen Freund oder eine Freundin haben. Aber gerade wenn es jetzt um das Geschlecht geht, oder um unsere Familienvorstellungen geht sind sie nicht mehr so entspannt.

Dass ich mich nicht oute liegt daran, dass ich es nicht so machen will. Ich sage es meinen Freunden und erwähne es auch oft genug wenn ich bei meiner Familie bin, ich mach nur einfach nichts besonderes draus, weil es das für mich auch nicht ist.

Meine Freunde akzeptieren es und versuchen nicht ernsthaft mich mit jemanden zu verkuppeln. Sie machen aber trotzdem noch so Anmerkungen wie "der sieht doch hot aus oder nicht?"

Und meine Eltern... Die nehmen mich nicht ernst.

Da ich AroAce bin möchte ich keine Beziehung mit jemandem haben. Ich möchte nicht Heiraten und auch keine Kinder bekommen. Das einzige was ich gerne mache ist es, vor allem Jungs, zu provozieren und zu flirten. Küssen ist für mich auch noch okay, solange es nur hastig ist.

Und sobald wir z.B. beim Abendessen sitzen und es wieder um Zukunft usw. geht und ich dann sage, dass meine Eltern von mir keine Enkelkinder haben werden, kommen sie immer mit Sprüchen wie "Jaja, du wirst schon sehen" oder "Im Moment vielleicht noch nicht, aber mit 26 wirst du dir dann schon Kinder wünschen".
Und auch der Fakt, dass ich nicht Heiraten will oder mit jemanden eine feste Beziehung anfangen möchte wird nur mit "Wart nur ab bis du den richtigen findest dann wird sich das alles ändern" kommentiert, was echt nervt.
Und daher rede ich nicht mehr wirklich darüber.

Nun ja, genau mit solchen Sachen, haben sie mich dazu gebracht, dass mein Zukunftsplan so aussieht:

1) Früh ausziehen
2) Eierstöcke entfernen lassen und Eltern erzählen

und da ich zum mental unstabilen Teil der Gen Z gehöre

3) Alkoholiker werden
4) Kontakt mit Familie abbrechen
5) Früh sterben :)

So

Jetzt wisst ihr viel über mich und ich kann euch erzählen, wie mein alltägliches Leben so aussieht und ich werde euch auch von einer meiner gescheiterten Beziehungen erzählen...

Leben ohne LiebeWhere stories live. Discover now