Dienstag, 29. November 1977
Sicht Y/N
Ich lief in einer kalten Herbstnacht durch die engen Gassen Westberlins. Der kalte Wind streifte durch meine Haare und meine kalten, rot angelaufenen Hände hatte ich in meinen Manteltaschen vergraben. Kleine Schneeflocken die langsam vom Himmel fielen landeten auf meinem Mantel und setzten sich in meinen Haaren fest, wo sie wenig später wieder schmolzen. In der Ferne leuchteten die Lichter der Innenstadt. Ich war gerade auf dem Heimweg, da ich noch das Grab meines verstorbenen Vaters besucht hatte. Ich bog in meine Straße ein und lief in Richtung der Wohnblöcke, in den ich wohnte. Als ich die Eingangstür erreichte, drückte ich auf den mit meinem Nachnamen versehenen Knopf und als ein leises surren ertönte drückte ich die Tür nach innen. Während ich die Treppenstufen in den 4. Stock hochlief, hörte ich die Tür hinter mir ins Schloss fallen. Ich ging den Flur entlang bis ich an unserer Tür ankam. Ich trat meine Schuhe an der Fußmatte ab und steckte meinen Schlüssel in die Haustür. Als ich sie öffnete stieg mir die warme Luft aus der Wohnung entgegen. Es roch nach frisch gebackenen Keksen und dem starken Perfüm meiner Mutter. Sie kam gerade aus der Küche als ich meinen Mantel an den Haken hing. "Wo warst du? Es ist nach 23 Uhr!" fragte sie besorgt. "Spazieren." antwortete ich knapp. Damit war das Thema abgeschlossen. Meine Mutter wusste inzwischen das Disskusionen bei mir nichts bringen. Also versuchte sie das Thema zu wechseln. "Ich habe frische Kekse gebacken. Möchtest du welche?" Ich schüttelte nur den Kopf. "Ich geh schlafen." Ohne eine Antwort abzuwarten ging ich in mein Zimmer. Ich zog mir gemütliche Kleidung an und ging noch eben ins Bad um meine Zähne zu putzen und mein Gesicht zu waschen. Wieder in meinem mit Bandpostern verkleidetem Zimmer angekommen setzte ich mich mit einem Notenblock und einem Stift auf mein Bett und fing an ein neuen Song zu schreiben. Ich schrieb schon seit einer Weile die Songs Für die Schulband und zumindest die meisten Leute in der Schule mochten sie auch. Ich war erst in der ersten Zeile als laute Geräusche einer E-Gitarre durch die Wand hallten. Sie kamen aus der Nachbarwohnung, in die vor etwa einer Woche eine neue Familie eingezogen war. Sie bestand aus einem blonden Jungen der etwa in meinem Alter war und seiner Mutter. Soweit ich weiß war er vor kurzem erst 14 geworden, was hieß das er etwas jünger war als ich. Ich hatte ebenfalls erfahren das er Jan hieß. Meine Mutter meinte er würde bald auf meine Schule gehen und ich könnte mich ja schon mal mit ihm anfreuden. Das hatte ich ihr schnell ausgeredet. Das war jetzt fünf Tage her. Ungefähr so lange dröhnte diese Gitarre jetzt auch schon jede Nacht durch meine Wand. Sein Zimmer war anscheinend direkt neben meinem. Ich verstand nicht wie seine Mutter das aushielt. Ich beschloss mich zu beschweren. Ich zog mich nochmal um und schlich mich zur Nachbarwohnung. Meine Mutter war so sehr mit dem Backen beschäftigt, dass sie mich gar nicht bemerkte. Ich klingelte bei der benachbarten Tür. Der Junge öffnete. "Wer bist du und was willst du?" maulte er mich genervt an. "Ich bin deine tolle neue Nachberin und würde gerne wissen ob du dein AMP mal ein bisschen runterdrehen könntest, auch wenn du eine so tolle Fender Strat besitzt." Er nickte überrascht. "Du scheinst dich ja auszukennen." Stellte er nun in einem etwas freundlicherem Ton fest. Ich brummte nur bestätigend. "Also kannst du oder nicht mh?" "Wenn du schon so nett fragst. Aber nur wenn du mir versprichst morgen noch mal herzukommen." "Meinetwegen. Dann bis Morgen." Er wünschte mir noch einen schönen Abend und schloss die Tür hinter sich. Ich ging zurück in mein Zimmer und legte mich, nachdem ich das Licht ausgemacht hatte, in mein Bett. Ich versuchte zu schlafen, doch ich konnte nicht. Ich musste die ganze Zeit an den Albtraum der letzten Nacht denken. In dem Traum besuchte wie auch heute das Grab meines verstorbenen Vaters. Es war kalt, stürmisch und dunkel. Die Kirchturmuhr schlug leise in der Ferne 1 Uhr und ich machte mich auf den Heimweg. Noch bevor ich den Hauptweg erreichen konnte, hörte ich hinter mir eine tiefe, ruhige Stimme. Als ich mich umdrehte sah ich in die Augen eines Jungen. Er war etwa in meinem Alter. Ich starrte in seine grünen Augen. Sie funkelten im Mondlicht. Plötzlich fiel ich in ein tiefes, schwarzes Loch. An der Stelle des Traumes war ich hochgeschreckt. Mein Herz pochte und Schweiß tropfte von meiner Stirn. Ich warf ein Blick auf die Uhr. 2:57 Uhr. Ich legte mich wieder hin, doch geschlafen hatte ich in der Nacht nicht wieder. Der Gedanke an die letzte Nacht jagte mir einen Schauer über den Rücken. Ich lief zu meinem Fenster und öffnete es. Ein kalter Windstoß kam mir entgegen und ließ meine Haare aufwirbeln. Der Mond war von grauen Wolken bedeckt. Ich setzte mich auf die Fensterbank und ließ meine Beine hinunterbaumeln. Ich zitterte leicht, doch das störte mich nicht. Ich nahm meinen Notenblock und meinen Stift in die Hand. Die Wolken verschwanden und das Mondlicht schien auf meinen Block. Mir fielen einfach keine Noten und keine Texte ein. Unter meinen Füßen düsten Motorräder die Straßen entlang. Ich beobachtete die betrunkenen Leute die sie fuhren. Zwischen ihren Lippen klemmten brennende Zigaretten. Ich hörte sie rumlallen. Sie kamen aus Richtung des Spandauer Ballhauses, der nur ein paar Straßen weiter erbaut wurde. Oft kamen nachts betrunkene Jugendliche und junge Erwachsene an den Wohnblöcken vorbei und machten Krach. Viele Bewohner der Gegend um den Club beschwerten sich täglich bei der Stadt oder den Clubbesitzern, den Club doch in die Stadt zu verlegen, doch mich störte das nicht. Viel eher würde ich gerne dort unten sein und mich mit den anderen Jugendlichen zudröhnen. Dann könnte ich wenigstens ein paar Stunden lang mein eintöniges Leben genießen und ein wenig Spaß haben. Aber ich traute mich nicht andere anzusprechen. Ich hatte keine Chance. Nachdem die Leute wieder weg gefahren waren schloss ich mein Fenster und legte mich zurück in mein Bett. Schnell schloss ich die Augen und schlief ein.
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Bela x Reader
FanfictionInspiriert von den Songs 'Mach die Augen zu', 'Teenagerliebe', 'Dein Vampyr' und 'Mysteryland'. Alle Songs wurden geschrieben, produziert und veröffentlicht von der deutschen Punkrock band 'Die Ärzte'. This Geschichte handelt um den Schlagzeuger de...
