Kapitel 2

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Das war der Moment, indem sie sich von ihm losreiste und einen großen Schritt nach hinten machte, sorgsam darauf bedacht, ihr Bein nicht allzu stark zu belasten. Sie fand ihre Stimme wieder.

<< Das geht Sie gar nichts an! Lassen Sie mich in Ruhe!>> rief sie aufgebracht. Was sollte auch so ein reicher Schnösel von ihrer Situation verstehen? Er hatte alles, ein warmes Bett, ein Dach über dem Kopf und genug zum Essen. Sie hingegen hatte nichts.

Er schaute sie besorgt an. << Ist mit Ihnen wirklich alles in Ordnung? Sie wirken etwas verstört! Und was haben sie da eigentlich, für dünne Klamotten an? Wir haben Winter!>>

Amelia schaute an sich hinunter und schämte sich im gleichem Atemzug für ihr Erscheinen. Der Mann hatte recht, dass sie noch nicht erfroren ist, kam einem Wunder gleich. Doch was sollte sie sonst machen, sie hatte kein Geld um sich wärmere Sachen leisten zu können, und auf dem Markt würde sie auch nichts bekommen, schließlich ging es den Leuten, nur um das Geschäft. Wenn sie nichts brachte, bekam sie auch nichts. So einfach war das. Actio gleich Reactio. Amelia hielt die Gegenwart dieses Mannes nicht länger aus und rannte davon, doch ihr Bein knickte nach wenigen Metern ein und sie stolperte und fiel in den Schnee. Um sie herum wurde alles schwarz und sie verlor das Bewusstsein. 

Sie wusste, dass ihre letzte Stunde geschlagen hatte.

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Um sie herum war alles hell. War das der Himmel? Unter ihrem Rücken bemerkte sie etwas Weiches und sie war eingehüllt in eine Wärme. Langsam traute sie sich die Augen zu öffnen, und als sich ihr Blickfeld scharf stellte, erkannte sie ein kleines ordentlich eingerichtetes Zimmer und sie lag in einem Bett. Das war ein schöner Tod, dachte sie. Dann bemerkte sie, wie am anderen Ende des Zimmers eine Frau saß und sie neugierig anschaute. Amelia bekam es mit der Angst zu tun. Wer ist diese Frau und was wollte sie von ihr?

Die Unbekannte lächelte Amelia an und fragte sie ob sie etwas trinken wolle. Amelia nickte, denn sie bemerkte ihre trockene Kehle. Die Frau verschwand aus dem Zimmer und Amelia traute sich, sich aufzusetzen. Als die Frau mit einem Glas Wasser in der einen Hand und einer Karaffe in der anderen Hand, musste Amelia grinsen. Sie hatte schon lange kein Glas mehr gesehen, sonder musste immer aus einem Pappbecher trinken. Hinter der Frau kam eine zweite Gestalt durch die Türe rein, und als Amelia den Unbekannten vom Strand erkannte, zuckte sie zurück und stieß dabei die Karaffe um, welche mit einem Scheppern auf dem Boden in tausende von Stücken zersprang. Mit einem Schlag wurde ihr klar, dass sie noch lebte und sich im Haus, ihres Retters befand. Sie bückte sich um die Glasscherben vom Boden aufzusammeln doch ihr wurde schon wieder schwindelig und sie würde gleich wieder bewusstlos werden. Der Mann packte sie an den Schultern und drückte sie wieder zurück ins Bett, während er die Frau anbrüllte, sie solle doch gefälligst die Scherben aufsammeln und aufwischen. Amelia war die Nähe des Mannes unangenehm und sie fand es erniedrigend, dass eine höher gestellte Dame als sie, jetzt ihren Fehler ausbügeln musste.

<< Nein ich mache das schon. Ich habe es schließlich kaputt gemacht.>> sagte sie und versuchte den Mann wegzudrücken um aufzustehen. Doch er ließ sich nicht beirren und machte sich extra schwer, während er den Kopf schüttelte.

<< Nein lassen Sie nur, dass ist ihre Aufgabe. Außerdem geht es Ihnen nicht gut! Sie sollten sich noch ein wenig ausruhen. Ich erwarte Sie zum Abendessen!>>

Damit verließ er das Zimmer und ließ eine verdutzte Amelia im Raum.

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⏰ Last updated: Apr 09, 2015 ⏰

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