vorwort
mai
I
Die Größe des Hauses war einschüchternd. So einschüchternd sogar, dass Nele Bessner kurz zögerte, bevor sie schließlich über die Türschwelle trat. Im kühlen Inneren wurde sie von einer riesigen Eingangshalle empfangen und leisem Gelächter, das ein Stockwerk höher zu hören war. Der grauhaarige Mann, der ihr lächelnd die Tür geöffnet hatte, schloss sie mit einem leisen Klicken hinter ihr wieder. Nele drehte sich bei dem Geräusch kurz um, doch beruhigte sich augenblicklich wieder als sie sah woher das Klicken gekommen war. Seit sie diese Einladung erhalten hatte, war sie schreckhaft geworden. Sie konnte nur hoffen, dass niemand es bemerkte.
Der Buttler trat hinter sie und nahm ihr die Stola ab, die sie sich über die Schultern geworfen hatte. Denn obwohl es Mai war, wurde es abends doch manchmal noch erschreckend kalt. Der Sommer ließ noch auf sich warten, ganz zu Neles Missfallen. Sie bedankte sich rasch und schritt mit sicheren und langen Schritten die breite teppichbedeckte Treppe nach oben. Sie tat dies so grazil, dass ihre innere Nervosität und Unsicherheit nicht bis aufs mindeste zu erkennen war. Ihr Gesicht war eine Maske, wie schon so lange. Ein arrogantes Lächeln auf den Lippen und hohen Pumps schritt sie die Stufen hoch, als würde ihr das Haus gehören.
II
Genau diese Gedanken gingen Gabriele Laurent durch den Kopf, als sie die junge blonde Frau beobachtete. Sie war überrascht, dass sie eingeladen worden war. Sie wirkte nicht so, als könnte sie eine Bekannte Jasper Müllers sein. Dafür wirkte sie trotz ihrer Ausstrahlung zu jung. Gabriele schätzte sie auf maximal zwanzig. Auf keinen Fall älter. Trotz ihrer augenscheinlichen Selbstsicherheit, strahlte dieses Mädchen einiges an Unsicherheit aus. Das normale Auge mochte es nicht wahrnehmen doch Gabriele hatte Erfahrung damit. Seit zehn Jahren nun schon, leitete sie ein Waisenhaus. Ihre älteren Schützlinge hatten sich ein hartes Fell zugelegt und doch bröckelte dieses von Mal zu Mal. Gabriele wusste mehr über Verhaltensweisen, als man es ihr hätte zu trauen können. Für die Außenwelt wirkte sie wie eine ruhige nette junge Dame. Doch das Auge täuschte.
Anders als die des Mädchens, waren ihre dunklen Haare streng nach hinten zu einem Dutt gebunden und sie trug ein eng anliegendes silberfarbenes Kleid, dass jede ihrer Kurven schmeichelnd umspielte. Das silberne Kleid war so hell, dass es fast wie etwas fließendes aussah, dass über ihre dunkle Haut floss. Ein Champagnerglas in einer Hand begrüßte sie das Mädchen lächelnd, als diese im ersten Stockwerk ankam.
„Nele Bessner, richtig?", sprach Gabriele sie freundlich an. Das Mädchen lächelte bei ihrer Erkennung doch es legte sich sogleich ein entschuldigender Blick auf ihre zarten Züge. „Genau. Leider ist mir Ihr Name jedoch entfallen."
Gabriele lächelte nachsichtig. „Gabriele Laurent. Ein schönes Kleid haben Sie da an." Nele Bessner trug das Kompliment mit Fassung und schenkte der älteren Frau einen aufgesetzten dankbaren Blick, bevor sie instinktiv mit einer Hand über die Seite ihres Kleids fuhr. Das Kleid war weiß und eng. Es war kurzgeschnitten und reichte ihr bis zur Mitte ihrer Oberschenkel.
III
Vom Türrahmen des Empfangsraumes bemerkten die beiden Frauen die Augen des berühmten Rennfahrers nicht. Tjorven Lindgren war ein alter Freund Jasper Müllers und stand damit ganz oben auf der Gästeliste. Seine rabenschwarzen kurzen Haare waren von silbernen Strähnen durchzogen und doch wirkte er nicht älter als Anfang dreißig. Seine Züge waren jung geblieben und in seinen dunklen Augen war dieses lebhafte Funkeln, dass ihn schon so manchmal zu leichtsinnigen Dingen überredet hatte. Tjorven war ein Mann, vor dem Mütter ihre Töchter warnten. Er tat Sachen, die ihn schon wie so oft fast eine Gefängnisstrafe gekostet hätten. Doch als wäre das Glück auf seiner Seite war er jedes Mal umhingekommen. Es ging sogar das Gerücht herum, dass er einem Menschen schon einmal das Leben genommen hatte. Ein Autounfall, der mit Absicht passiert war, munkelte man.
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REAL
RomanceHanna, sicher aufgewachsen ohne jegliche Sorgen, muss lernen dass ihre Melodramen, nicht das schlimmste im Leben eines Teenagers sein können. Unglückliche Zufälle führen dazu, dass sie unwissentlich mitten in eine Mord-Intrige rutscht. Jeder Schrit...
