Kapitel 1

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„Alles gute zum Geburtstag!" rief Paulus mein bester Freund mir zu während ich die Kerzen auf dem mikrigen Kuchen auspustete. Mittlerweile hatte ich mich damit abgefunden, dass das Waisenhaus zu arm war um jährlich 30 Geburtstage zu finanzieren. Ich hasste es hier, doch alles was ich hatte, alle meine Freunde Oakley, Paulus und Elva waren hier. Mir wurde immer erzählt, dass meine Mutter tot sei, und mein Vater unauffindbar. Einen anderen Grund warum ich hier war, hatte ich nie gefunden, weswegen ich es einfach hin nahm. Heute war mein 12ter Geburtstag, doch in Feierstimmung war ich nicht. Schon lange nicht mehr. Ich schloss meine Augen und wünschte mir etwas, wie es so üblich war wenn man Kerzen auspustete. Lange musste ich nicht überlegen bis mir ein Wunsch einfiel und so wünschte ich „mein leben solle sich endlich verändern". Danach öffnete ich meine Augen und hörte Paulus wie jedes Jahr fragen:„Und? Was hast du dir gewünscht?" Ich antwortete zum tausenden Mal:„Paulus, du weißt dass ich dir das nicht sagen werde!" Und lächelte ihn an. „Können wir jetzt Kuchen essen? Ich hab Hunger."sagte Elva auf ihre allseits bekannte Art und da ich sie nicht länger auf die Folter spannen wollte, begannen wir zu essen. Es war schon spät, da Christa, eine der Betreuerinnen den ganzen Tag gebraucht hat um mir einen möglichst schönen Geburtstag zu arrangieren. Ihre freundliche Art wusste ich sehr zu schätzen, sie brachte etwas Freude in diesen trostlosen Ort. Wie jeden Abend lag ich pünktlich um neun im Bett und starrte die kahle leere Decke an. Manchmal brauchte ich Stunden um einzuschlafen. Heute, war wohl wieder so ein Tag. Doch irgendwas war anders, heute störte es mich nicht wach zu sein. Wie von selbst standen meine Beine auf und gingen zum Fenster. Schritt für Schritt. Ich öffnete es und ließ den frischen kalten Wind in mein Gesicht gleiten. Normalerweise fand ich den Wald Nachts gruselig, doch heute war alles anders. Ich wurde geradezu von ihm angezogen. Ich holte den selbst gemachten Strick aus Bettlaken aus meinem Schrank und warf ihn aus dem Fenster meines Zimmers im zweiten Stock. Langsam kletterte ich die Nasse kalte Hauswand hinunter, als ich plötzlich abrutschte und fiel. Ich bereitete mich vor auf den Sturz, den Schmerz und den Ärger den ich bekommen würde. Doch ich fiel nicht. Es dauerte eine Weile bis ich realisierte was los war, ich schwebte! Zitternd sah ich nach unten auf den Boden, der erst Meter weit unter mir begann und blieb wie eingefroren stehen. Mitten in der Luft. Ich schloss meine Augen und sagte mir immer wieder:„Es ist nicht real, es ist nur ein Traum!" Doch das brachte nichts. Auch als ich meine Augen öffnete schwebte ich in der Luft, ungläubig was gerade geschah. Ich versuchte mich zu bewegen und es funktioniert. Ich steuerte auf den Boden zu und landete sanft auf der Nassen Erde. Schwer atmend lehnte ich mich an der ebenfalls nassen Hauswand an und blieb ein paar Minuten so stehen. Dann versuchte ich wieder zu schweben, und ein zweites Mal fand ich mich in der Luft wieder, diesmal fähig klar zu denken. Ich steuerte auf den Wald zu, ohne ein klares Ziel. Irgendwas zog mich an, etwas dem ich nicht wiederstehen konnte.

540 Wörter

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⏰ Last updated: Dec 12, 2021 ⏰

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Cleo AdamsWhere stories live. Discover now