1

51 3 0
                                        

Feliks

Wie es ist, zu leben, aber dabei zu wissen, dass man jeden Moment sterben kann?

Scheiße, sag ich euch. Ich weiß es, denn immerhin wurde ich mit dem Schilddrüßenkrebs oder eher gesagt dem anaplastischem Karzinom geboren.
Wie ich 18 Jahre überleben konnte?
Ich fürchte bei dieser Frage kann ich euch nicht weiterhelfen, denn ich kenne die Antwort selbst nicht.
Aber vielleicht hab ich auch einfach nur Glück und bin einer dieser 10 Prozent, die länger als 5 Jahre mit diesem Krebs überleben.

Wie bereits erwähnt, es war scheiße damit zu leben. Ja, ihr lest richtig, es war. Ich mag zwar 18 Jahre überlebt haben, aber das hindert meinen Körper nicht daran, an meinem 18. seinen Lebensgeist aufzugeben.
Ich hab nicht viel mitbekommen, wie üblich bin ich abends ins Bett gegangen und hab noch ein wenig mit Freunden, die bei mir gepennt haben, gespielt. Bei den Spielen handelt es sich um normale Brettspiele und UNO. Wir alle sind ein wenig verrückt nach diesen Spielen. Computerspiele spielen wir zwar auch, aber eher selten auch wenn es kaum zu glauben ist.
Lange spielten wir aber nicht, denn wir waren alle irgendwie müde, ich insbesondere. In letzter Zeit bin ich sowieso ständig müde, Krebs zu haben ist nicht gerade einfach.
Dieses ständige Hin und her macht einen einfach nur noch müde.
Wie auch immer...
Wenn ich wüsste, dass das mein letztes Spiel mit meinen Jungs ist, so würden wir garantiert noch spielen.
Da ich es aber weder ahnen, noch voraussehen konnte, legte ich mich rechtzeitig ins Bett und schlief recht schnell ein.

Heute morgen wache ich dann auf und bekomme erstmal einen ziemlich Schock.
Denn dort, wo ich aufwache, war nicht mehr mein Zimmer.
Nein...
Es war eine Lichung.
Erst denke ich, das gehöre zu meinem Geburstag dazu. Denke, dass die Jungs mich in einen Wald verschleppten während ich am schlafen war und ich erst einmal zurückfinden müsse. Oder einen Ort finden müsse, wo sie alle stehen und dann 'Alles Gute' rufen würden.
Aber so war es nicht...
Auch wenn es kitschig klingt, dass würde mir wirklich viel bedeuten - sogar für einen Bad Boy wie mich.

Rufend nach meiner Familie und meinen Freunden mache mich auf die Suche nach diesen.
Bis jetzt hab ich sie noch nicht finden können und so langsam verliere ich jedegliche Hoffnung.
Mein Orientierungssinn hat mich schon lange verlassen, sodass ich ahnungslos umher irre.
Dass das hier nicht der Wald ist, der hinter meinem Zuhause ist, in dem ich mich als kleines Kind immer lachend vor meinen älteren Brüdern versteckt hatte, als ich diesen Streiche spielte, wird mir erst klar, als ich nicht nach fünf Minuten das Haus meiner Eltern sehe, was normalerweise immer so ist. Stattdessen sehe ich nur noch mehr Wald. Hab ich mich jetzt ernsthaft in dem Wald verlaufen, der mir so bekannt wie meine Westen Tasche ist?

Kurz denke ich nochmal an heute morgen, wo ich auf der Lichtung aufgewacht bin und Vergleiche diese mit der Lichtung aus meinen allzu vertrauten Wald hinter dem Haus meiner Eltern.
Aber einen wirklich Unterschied zwischen den beiden finde ich nicht. Beide besitzen einen kleinen See, in welchem das Wasser glasklar ist und man im Sommer herrlich drin baden kann. Die Lichtung von heute morgen hat so ziemlich alles bis auf die besonderen, blauen Blumen, auch bekannt als Mannstreu (Eryngium planum). Daran erkenne ich auch, dass die Lichtung heute morgen, nicht meine Lichtung ist, weshalb ich ein wenig panisch durch den Wald laufe. Wenn das hier ein Witz sein soll, so ist dieser nicht mehr witzig.
Meine Panik breitet sich immer mehr aus und ich bekomme nicht mal mehr mit, wie ich anfange zu rennen.
Erst als ich ziemlich heftig am atmen bin und ich denke, dass ich hier gleich kollabiere, halte ich an, stütze mich vorn über auf meine Knie und schnappe unregelmäßig nach Luft.
Es dauert ein wenig, ehe ich mich wieder vollkommen beruhigt habe - mein Zeitgefühl hat mich schon lange verlassen, weshalb ich nicht sagen kann, wie lange ich da so stand.
Aber als ich mich wieder aufrecht hinstelle und kurz um mich sehe, um mich wenigstens halbwegs orientieren zu können, höre ich leises plätschern eines Flusses.
Diesem folge ich anschließend und komme schon bald an einen großen, breiten und tiefen Fluss.
Um diesen überqueren zu können, muss man nur über eine Brücke laufen.
Was mich aber wundert ist, dass die Brücke schwarz ist und nicht braun, wie es normalerweise bei Brücken üblich ist - zumindest bei Holzbrücken.

Leise, wie durch Watte höre ich Stimmen von der anderen Seite.
Aber da ist nichts. Nur noch mehr Wald. Aber ein ziemlich dichter Wald, der deshalb ziemlich dunkel und fast schon angsteinflößend ist.
Wenn ich wüsste, für was diese Brücke steht, so wäre ich garantiert nicht über diese gegangen.
Da aber die Neugier in mir siegt und ich unbedingt wissen will, woher diese Stimmen kommen und wem sie gehören, gehe ich langsam auf die Brücke zu.
Vorsichtig, so als würde die Brücke mein Gewicht nicht halten können, setze ich langsam einen Fuß auf die schwarze Brücke, bereit, ein neues Abenteuer zu erleben.
Schnell folgt auch der andere Fuß und mit jedem weiteren Schritt kommen immer mehr Errinerungen, die in sekundenschnelle wieder verschwinden.
Allerdings fühlt es sich an, als wäre dies ein eigener Film - mein eigener Film.
Zwar verschwinden die Errinerungen schnell wieder, dennoch fühlt es sich an, als würde ich alles noch einmal erleben - nur aus einer anderen Perspektive - und auch hier vergeht gefühlt ein halbe Ewigkeit, ehe der 'Film' sich dem Ende neigt.
Sobald ich das Ende der Brücke erreiche und diese fast verlassen habe, kommt noch einmal mein letzter Spielabend mit meinen Jungs als letzte Szene in diesem Film vor und das irritiert mich irgendwie, denn ich kann keinen Zusammenhang mit dieser Brücke und mir finden. Ein unbehagliches Gefühl breitet sich in mir aus, denn noch immer weiß ich nicht, was das alles bedeuten soll, aber sobald ich wieder die Stimmen höre, höre ich auf zu rätseln und auch das unbehagliche Gefühl verschwindet, denn dieses wird durch Neugier und Vorfreude auf das nächste Abenteuer ersetzt.

Was aber auf mich zu kommen würde, wusste ich nicht, also verlasse ich die Brücke mit einem guten Gefühl und betrete eine mir vollkommen neue Welt.

Das Leben nach dem Tod (Boy×Boy) Stories to obsess over. Discover now