Einmal habe ich Gott gefragt, was eigentlich meine Mission ist. Ich bin immer ein wenig Zwiegespalten zwischen meinen zwei Leidenschaften: Dem Schreiben und der Psychologie/Seelsorge. Mir kam der Gedanke, dass ich die Emotionen von Menschen in ihrer Tiefe verstehen und sie in Worte fassen soll... Eine ziemlich geniale Verbindung von Schreiben und Seelsorge, finde ich.
Der folgende Text bedeutet mir viel, weil es sozusagen mein erster richtiger Poetry Slam war und ich zum ersten Mal freiwillig vor vielen Menschen geredet habe, um ihn vorzutragen. Das war ein großer Schritt in meiner persönlichen Entwicklung und ich bin Gott sehr dankbar, dass er mir damals den Mut und die Inspiration dazu gegeben hat (als ehemalige Sozialphobikerin war es für mich nämlich nicht selbstverständlich, einfach mal so vor hundert Leuten aufzutreten :D)
Ein leises Herz:
Ich habe ein Problem,
Ich hoffe, du kannst mich verstehn und wirst nicht gehn
Es ist mir peinlich, ich hoff, ich wein nicht.
Es ist nicht einfach mit den Lippen
Auch mein Herz zu öffnen
Denn es schlägt einsam hinter Rippen wie ein Gitter
Hinter bittrer Angst die es umschließt
Wie ein Verließ -
Seit mich verließ der Mut, die Hoffnung und das Ziel auf meiner Reise
Und meine Worte bleiben leise.
Bitte schau mich nicht mal an, sei einfach hier.
Und egal, was ich jetzt sage, bleib bei mir.
Ich habe Angst, denn viele haben das verloren, was ich suche:
Offne Ohren,
Bevor ich rede, wissen sie längst, was ich will,
Doch ich will eigentlich nur das:
Bleib einfach still.
Ich weiß, du weißt schon so viel mehr als ich,
Doch brauch ich nicht
Den Rat, die Tipps und die Belehrung
Ich brauch viel mehr und
Eigentlich - ja doch nur dich.
Ich bitte nicht um eine Lösung,
Dass du tust, was niemand kann und auch nicht will
Nicht um die perfekte Antwort
Fang gar nicht an,
Bleib einfach still.
Mach mir auf und hör mir zu,
Sei einfach da, sei einfach du.
Und sitz mit mir im Regen meiner Tränen
Die sich sehnen nach Augen, die sie sehen – und verstehen.
Bitte folge meinen Wegen eine Weile,
Denn mich plagt die Einsamkeit,
Seit langer Zeit, seit einer Meile geht die Welt an mir in Eile
Tag für Tag vorbei und keiner bleibt, mit dem ich teile,
Was mich trägt, was mich bewegt und was mich innerlich zersägt.
Weißt du, ich hoffe, dass mein Riss, dass ich ein kleines bisschen heile.
Wenn ich spreche, durch meine Käfigstäbe breche.
Kannst du ohne Urteil sein?
Denn ich fühle mich so klein,
Ich möchte einfach wissen, dass da draußen jemand hört,
Der sich nicht an all den Fehlern meiner Wolken-Worte stört.
Bitte sitz einfach nur da
Denn was ich sage, geht mir nah.
Ich bin ein ungehörtes Herz in dieser Welt
Die mich nicht kennt, weil mich so viel von ihr trennt,
Die mich nicht sieht, denn Zeit ist Geld.
Meine Tage werden grauer
Und es sucht in seiner Trauer, seinem Schmerz
Dieses Herz nur ein Ventil -
Ist das zu viel?
Das wären meine Worte, die ich horte,
Die ich lastbeladen durch den langen grauen Tag getragen habe,
Die ich dennoch niemand sage.
Ich sitze still und lächle stumm
Unbemerkt.
Die Welt dreht sich um mich herum.
Nur einer hört mir immer zu:
Du.
