Kapitel 1

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Müde... Das war das Erste, was mir einfiel, als ich über die Straße ging. Schleppend und völlig demotiviert lief ich in Richtung Schule, von Weitem sah ich das schlichte, graue Gebäude das genauso trostlos aussah wie meine Laune.

Als ich mich dem Gebäude nährte und um mich herum immer mehr Schüler waren, die laut und fröhlich vor sich hin quatschten, wusste ich eins: Es war viel zu früh, um gute Laune auszustrahlen. Deswegen zog ich die Kapuze tiefer ins Gesicht und lief schnell an der fröhlichen Meute vorbei, damit sie mich damit bloß nicht ansteckten.

Auf dem Schulhof war das altbekannte Bild zu sehen, die Streber mit einem Buch in der Hand, die Mädchenclique, die sich um ein Haufen Jungs versammeln, die Sportler, die wirklich nichts anderes im Sinn hatten außer Sport und dann kamen die normalen Schüler: so wie ich. Ich war einer dieser Schüler, die zwar einigermaßen gut in der Schule waren, aber nicht weiter auffielen und eher im verborgenem lagen.

Der Pausenhof wurde immer voller und das Gerede immer lauter und so schaute ich mir die Massen an Schülern an, die sich hier tummelten. Meine einzige Freundin Lucy war schon länger nicht mehr auf diesem Hof, seit sie auserwählt oder eher gezwungen wurde, rüber auf die andere Seite zu gehen. Der Zaun, der die Schule und einiges weitere trennte, war leider zu hoch und zu elektrisiert für meinen Geschmack, um mich rüber zu schleichen.  

Ich wusste, der Zaun diente unserem Schutz, doch wie kann man von Schutz reden, wenn einige trotzdem dort herübermusste und dies nicht immer freiwillig war? 

 Als die Klingel läutete und mich aus meinen Gedanken riss, schaute ich das letzte Mal zum Zaun, bevor ich in das Gebäude hinein ging. Die Flure waren überfüllt mit Schülern, die in die unterschiedlichsten Richtungen gingen, mein Weg führte mich in den Raum 216, in dem Wolfskunde unterrichtet wird. Genau richtig gehört: Wolfskunde. Das einzige nicht normale Fach in dieser Schule und doch nahmen das alle hier sehr ernst, denn niemand wusste, wer als Nächstes aus der Klasse herübermusste.

Ich ging auf meinen Platz und setzte mich auf einen der beiden Stühle, auf den anderen Stuhl stellte ich meine Tasche drauf, da eh keiner mehr hier sitzen würde. Als Herr Pears hereinkam, war auch schon alles still, denn keiner wagte es, ein Wort gegen ihn zu sagen. Schließlich war er einer von ihnen, einer von den Wölfen hinter diesem Zaun. 

"Guten Morgen, die Damen und Herren"

"Morgen."  kam es von der ganzen Klasse und dann wurde es wieder still im Raum. Herr Pears ging an die Tafel und schrieb 'Aufbau eines Rudels' drauf und drehte sich wieder zu uns.

"Kann mir jemand sagen, welches das schwächste Glied in einem Rudel ist? "

Fragend schaute er sich um, bis sich ein Mädchen in der zweiten Reihe meldete.

"Ja bitte, Vanessa."

"Das schwächste Glied ist der oder die Omega. Er oder Sie wird vom ganzen Rudel als Fußabtreter verwendet."

"Richtig, danke Vanessa. Und welches ist der Stärkste in einem Rudel? "

Nun zeigte ich auf, schließlich war das die einfachste Frage, die er stellen konnte.

"Ja, Jane? " 

"Es ist der Alpha, er leitet das Rudel und hat eine besondere Ausstrahlung, was Stärke und Autorität betrifft."

"Sehr gut Jane. Und nun schlagt die Bücher auf Seite 38 auf und bearbeitet die Aufgaben."

Ich klappte mein Buch auf und fing langsam an den Text samt, Aufgaben zu bearbeiten. Herr Pears saß so lange an seinem Schreibtisch und machte Papierkram. Um mich herum wurde leise getuschelt, doch als ein leises Knurren zu hören war, wurde es ganz schnell wieder leise in der Klasse. Das Ticken der Uhr war als einziges zu hören, bis auf einmal ein Klopfen an der Tür war und eine ältere Frau mit streng zusammengebundenen Haaren hereinkam. Die Frau war hier schon bekannt: Das hieß, einer aus dieser Klasse musste rüber zu den Wölfen.

Die Frau sah sich suchend um, bis sich ihr Blick auf ein blondes Mädchen fixierte und ihren Namen aufrief. Das Mädchen packte glücklich ihre Tasche und ging mit der Frau hinaus. Ich konnte bis jetzt noch nie verstehen, warum man sich darüber freute herüber geschickt zu werden, schließlich durfte man, sobald man drüben war, nie wieder seine Familie sehen geschweige denn überhaupt in sein altes Leben zurückkehren. Man konnte nur den Kopf schütteln über solche Menschen. Ich konnte mir eindeutig was Besseres vorstellen, als lebenslang gefangen da drüben zu sein.

Ich wollte studieren, wollte die Welt sehen und nicht gefangen an einem Kerl, der meint, ich sei seine Auserwählte für den Rest des Lebens. Die Vorstellung allein war mir zu wider und deswegen beschloss ich auch schon früh, dass ich hier, sobald ich 18 werde, verschwinde. Noch 1 Jahr in diesem Käfig, dann war ich frei und konnte mein Leben genießen. Schließlich durfte ich legal dann aus dieser Stadt raus. Seit sich die Werwölfe hier eingenistet haben, bestand es nur noch aus Regeln, wo man hin durfte, wann man gehen darf und zu guter Letzt, was man tun muss, wenn man herübergeholt wurde.

Die Regeln

1. Kein Mensch darf den Wald betreten!  Wer dies tut, wird als Futter für die Wölfe enden.

2. Mensch und Wolf dürfen keinen Kontakt zueinander haben. Ausnahmefall: man findet seinen Mate/ Partner bei Veranstaltungen oder ist Lehrer für Wolfskunde.

3. Wenn der Partner des Wolfes menschlich ist, wird er auf die Wolfseite gebracht und dort von seinem Partner verwandelt.

4. Wird man als Mensch verwandelt, darf man nie wieder zurück zu seiner Familie. Das Rudel ist jetzt die Familie.

5. Der Zaun wird weder hochgeklettert noch eingerissen. Darauf hin folgt der Tod auf beiden Seiten.

6. Weibliche Mates/ Partner werden von ihrem Partner versorgt.

7. Man darf ab dem 18 Lebensjahr die Stadt verlassen, außer man ist ein Werwolf. Diese haben bei dem Rudel zu bleiben. Ausnahmefall ist:  sie werden verstoßen.

8. Wölfe dürfen Menschen nicht angreifen, außer ihr Mate ist in Gefahr.

9. Weibliche Wölfe müssen Erben bringen, falls sie vom Alpha auserwählt wurden. Ausnahme: Sie war unter 18.

Das waren alle Regeln und wenn man genauer hinsah, hatten die Menschen sehr wenige Rechte oder Freiheiten. Die letzte Regel war die schlimmste in meinen Augen, schließlich wurde man gezwungen, Kinder zu kriegen, ob man will oder nicht. Meine Gedanken schweiften immer mehr ab, als ich plötzlich von dem Klingeln hochschreckte und schnell meine Sachen packte. Ich wollte nie länger als nötig in der Nähe eines Wolfes bleiben, schließlich wusste man nie, was einen bei diesem Floh schleudern erwartet.

Die nächsten Stunden waren, wie bei jeder anderen Schule, Deutsch, Mathematik, Bio und Englisch, deswegen ging ich mit voll gepackter Tasche zum Raum 319, um mich dort durch Bio zu quälen.

Werwolf gegen den WillenStories to obsess over. Discover now