Leicht lächelte dein Vater dich an, als er dir gegenüber an dem Esstisch saß. Die Stille hielt Einzug in euer Gespräch, selbst wenn dies nicht unnormales war hattest du das Gefühl, dass es dieses Mal deutlich unangenehmer war. Der ältere Herr mit seinem graumelierten Haar sah dich an, räusperte sich dann und legte die Stäbchen für einen Moment aus der Hand. Er griff nach seiner Serviette und tupfte sich leicht den Mund ab. Du betrachtetest deinen Vater einfach nur, während du dein Sushi genüsslich kautest. In jenem Augenblick ahntest du immerhin auch nichts böses, dein Vater aß sein Essen nur selten ganz auf.
"Du wirst ab heute Abend in einer Wohnung, ein wenig außerhalb der Stadt leben. Hier ist es gerade zu gefährlich für dich.", begann dein Vater schließlich die Worte auszusprechen, welche ihm schwer im Magen lagen.
"Aber..."
"Du bist mein einziges Kind, dir darf nichts passieren.", nickte er lediglich leicht, "Ich habe jemanden für deine Sicherheit abgestellt. Die Stadt ist Momentan einfach kein Ort für dich, Liebes."
"Ich verstehe.", lenktest du widerwillig ein, denn eine Diskussion mit deinem Vater hatte ohnehin keinen Sinn.
"So ist's gut. Du wirst heute Abend noch abreisen. Sumito-san hat schon alles, was für dich wichtig ist zusammengepackt und wartet unten auf dich um dich zu verabscheiden.", nickte dein Vater leicht, ohne weiter auf deine Anspannung einzugehen.
"Sie wird mich also nicht begleiten?", fragtest du lediglich.
Sumito Nuriko war für dich wie eine Mutter, sie war einfühlsam, sanft, hatte immer ein offenes Ohr für dich und kümmerte sich seit du ein kleines Kind warst um dich. Deine leibliche Mutter hattest du nie kennengelernt, dein Vater wurde wohl mit dir allein gelassen, als sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Glauben konntest du es bis heute nicht wirklich, doch du musstest, so wollte es immerhin auch dein Vater. Und du musstest nach seinen Regeln spielen.
"Nein Liebes, ich brauche sie hier. Ohne sie wäre ich aufgeschlossen, du weißt doch, wie viel ich immer in der Bank zu tun habe."
In der Stimme deines Vaters lag Schmerz, du konntest es auf eine gewisse Weise nachvollziehen und doch musstest du dir immer noch vor Augen halten, dass all das auch einfach nur ein gutes Schauspiel hätte sein können. Denn wenn dein Vater eines gut konnte, dann war es Menschen hinters Licht führen.
"Wartet die Person denn schon auf mich, die mich zu meiner neuen, eigenen Wohnung bringen soll?", stelltest du schließlich noch eine Frage und legtest deine Stäbchen ebenfalls zur Seite.
Wenn du ehrlich warst, dann war dir der Hunger vergangen, denn eine solche Nachricht lag schwer im Magen. Zumal du nicht einmal wusstest, wie lange du nicht mehr in dein Elternhaus zurück konntest. Stören sollte es dich nicht, zumindest nicht was deinen Vater anging. Um Nuriko war es schade, doch wenn du mit ihr sprechen wolltest, so konntest du auch in deinem Elternhaus anrufen während dein Vater auf der Arbeit war.
Leicht seufzte dein Vater, riss dich somit aus den Gedanken und nickte dann.
"Melde dich bei mir, sobald du gut angekommen bist. Dann werde ich dir auch erklären, warum du gerade gehen musst. Zwar kann ich dir nicht die genauen Umstände erklären, aber... Zumindest den Grund."
"Vater, es ist nicht das erste Mal, das die Yakuza die Stadt unsicher macht. Denk an den Vorfall vor zehn Jahren.", versuchtest du dein Glück, einmal wieder wie eine Erwachsene und nicht wie ein Kind behandelt zu werden.
Doch es schien nichts zu bringen, dein Vater ging nicht auf das Thema ein.
Vor zehn Jahren wurde ein Boss einer Familie getötet, wenn du dich richtig erinnertest dann war es Kazama der Kopf der Dojima-Familie. Angeblich wurde er von einem seiner Schützlinge umgebracht, doch wirklich glauben konntest du das nicht, selbst wenn du Kazuma Kiryu nie kennenlernen konntest. Dein Vater hatte dich immer von ihm oder allem was mit ihm zutun hatte ferngehalten.
Schließlich jedoch seufztest du und begabst dich, nach einer kurzen, kühlen Umarmung deines Vaters hinunter in die untere Etage.
Nuriko stand bereits am Eingang des großen Hauses, deinen gtißen grauen Koffer hatte sie neben sich stehen und in ihren braunen Augen konntest du die Trauer erkennen, welche du nur zu gut verstandst. Ihr wart immerhin fast wie Mutter und Tochter, sie war eine gute Freundin für dich und deine engte Vertraute.
"(YLN), ich habe schon mit ihrer Universität gesprochen, sie wurden für die Zeit freigestellt.", lächelte sie leicht deprimiert, "Hat dein Vater dich schon über alles weitere aufgeklärt?"
"Um ehrlich zu sein, nein.", seufztest du, "Aber er wollte mir alles erklären, wenn ich am Zielort angekommen bin."
"In Ordnung.", nickt deine engte Vertraute leicht, "Dann muss ich dich jedoch noch um eine Sache bitten."
Die Frau mit den hellbraunen Haaren hielt dir eine Augenbinde entgegen, in ihren Augen konntest du die Sorge erkennen, welche auch dein Herz in jenem Augenblick ein wenig einnahm.
"Die sollst tragen, Anweisung deines Vaters.", nickte sie leicht.
Für einen Augenblick musstest du dir auf die Zunge beißen, wolltest das spitze Kommentar einfach nicht aussprechen.
'Etwas anderes, als Anweisungen kenne ich doch auch nicht.'
Es war wirklich eine Unverschämtheit, das dein Vater dies von dir verlangte. Immer wieder erteilte er dir Anweisungen, an die du dich halten solltest. Dennoch nahmst du die Augenbinde schließlich entgegen und griffst nach deinem Koffer, etwas anderes bleib dir ohnehin nicht übrig.
Mit diesen beiden Dingen gingst du hinaus, die zwei kleinen Treppen hinunter und sahst an einem schwarzen Auto einen Mann stehen, welcher gerade noch an seiner Zigarette zog. Du seufztest, schlosst für einen Moment die Augen und lächeltest schließlich.
Freundlich zu bleiben, das war das anstrengendste an deinem Leben, denn jede unfreunflichkeit viel auf deinen Vater zurück.
"Sie sind also mein Aufpasser?", fragtest du gerade heraus.
Der Mann mit den kurzen dunklen Haaren sah dich für einen Moment an und stieß sich vom Auto ab.
"Sieht ganz so aus. ", gab er dir lediglich wieder und ging zum Kofferraum, um eben jenen zu öffnen.
Du gingst auf den Wagen zu und verfrachtetest deinen Koffer hinein, sahst den Mann dann noch einmal an.
"Wie ist ihr Name?", fragtest du nach.
"Majima Goro.", nickte er lediglich und schnippste dann die Zigarette weg, "Steig ein."
Die letzten Worte sprach der Mann deutlich schärfer aus, was sich leise seufzen ließ. Denn dein Vater hätte zumindest jemanden für dich abstellen können, der ein wenig redefreudiger war. Dennoch folgtest du der Anweisung und setztest dich auf die Rückbank des Wagens, legtest dir den Gurt um und verbandst dir dann die Augen, so wie dein Vater es wollte. Dann erst merktest du, wie der Mann den Wagen startete und los fuhr.
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No more rules
FanfictionDieser Mann, seine Art zu Sprechen, seine Art sich zu Bewegen, einfach alles an ihm machte ihn besonders. Er soll dich beschützten, doch auf eine gewisse Weise willst du das nicht. Du möchtest nicht beschützt werden, hast das Gefühl dann nur wieder...
