Prolog
Karen drängte sich, so strak sie es nur vermochte, in die dunklen Schatten der Ecke des Raumes. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. „Beruhige Dich!" Sie atmete leise aber tief ein und aus, um zu versuchen, ihren Atem samt Puls auf ein Normalmaß zu trimmen. Sie legte ihren Kopf an die kühle Wand, die Augen nach oben verdrehend. „Ganz ruhig! Das kann doch nicht so schwer sein." Im Stockwerk über ihr hörte man langsame, schlurfende Schritte, die sich der Treppe näherten. „Bitte nicht hier runter! Bitte komm nicht hier runter", flehte sie innerlich. Sie legte ihre Wange an die Wand und presste sich Dieser entlang bis zur Ecke, um zu versuchen, einen Blick auf den Treppenabsatz zu erhaschen. Aber es bewegte sich nichts. Selbst die Geräusche verstummten. Sie hielt den Atem an. Ein mulmiges Gefühl breite sich in ihrem ganzen Körper aus. Ohne dass ihr bewusst schien warum, schnellte ihr Herzschlag erneut in die Höhe, sogar um einiges schneller als zuvor. Dann erschrak sie schier zu Tode, als ihr jemand von hinten ins Ohr flüsterte: „Oh Schätzchen, Du hast also noch immer nicht begriffen wer ich bin. So einfach ist das nicht."
Sie starrte Mercury mit weit aufgerissenen Augen an, als sich seine Hand auf ihren Mund legte, um sie am Schreien zu hindern.
Kapitel 1
Igitt, war das hell. Mit zusammengekniffenen Augen schielte Karen auf ihren Wecker. „Nein, ich komme zu spät." Sie warf ihre Decke gegen die Wand, sprang aus ihrem Bett, lande fast auf Josie, ihrer Promenadenmischlingshündin, flitzte zu ihrem Schrank, den sie in Windeseile nach etwas Brauchbarem durchpflügte und sprintete ins Bad. Beim Blick in den Spiegel stieß sie einen kurzen spitzen Schrei aus, aber kicherte dann über sich selbst. Während sie sich ihre Mähne zu bändigen versuchte, stellte sie sich schmunzelnd die Frage, wie viel Make-up wohl nötig war, um diese fiesen Augenringe abzudecken. War dafür überhaupt Zeit? Ach egal. Geschwind Zähne putzen, die Klamotten überwerfen, die Tasche schnappen – zumindest die hatte sie ja schon am Vorabend her gerichtet – und nichts wie los.
Sie stürmte die Treppe hinunter, schnappte im Vorbeirennen nach ihrer Kapuzenjacke und wollte schon die Tür hinter sich ins Schloss werfen, als ihr einfiel, dass ihr Schlüssel noch auf der Kommode im Flur lag. Schnell zurück, den Bund in die Jackentasche stopfen und mit Vollgas zum Bus. Als sie angehechtet kam, war er bereits im Begriff los zufahren, bremste aber dennoch mit einem genervten Gesichtsausdruck für sie. „Nun hopp, ich kann nicht jeden Tag auf dich Trantante warten!", knurrte ihr der Busfahrer zu. Kleinlaut und außer Puste ließ sie sich auf den Bussitz fallen.
Ein merkwürdiges Gefühl überkam sie. Irgendetwas war heute anders. Nervös schaute sie sich im Bus um. Alles war wie sonst. Alles außer ... Moment, wer war das? In der vorletzten Reihe saß ein junger Mann. Er schien in Gedanken versunken zu sein. So als würde er sich weit hinaus in die Welt träumen. Er hatte etwas an sich. „Verrate mir dein Geheimnis." Erschrocken zuckte sie zusammen, als er ihr just bei diesem Gedanken unverwandt in die Augen starrte. Sie wich innerlich zurück. Dieser Blick war bedrohlich. Dennoch, sie hatte das Bedürfnis, ihn weiter anzusehen. Sie suhlte sich darin.
„Alle aussteigen!", brüllte der Busfahrer von vorne, zu dem sie sich kurz umdrehte. Sie zog sich ihre Tasche, die die Fahrt über neben ihr gelegen hatte, um und suchte mit ihrem Blick erneut diesen Kerl, hatte in dem Gewühl aber keine Chance. Hektisch stieg sie aus, schaute sich nach ihm um. Verschwunden. Wo war er geblieben? Sie hätte ihn gerne angesprochen. In ihrem Kopf drehte es sich. Sie war fassungslos darüber, wie dieser kurze Augenblick sie aus der Fassung gebracht hatte. Jemand stupste sie an der Schulter, sie fuhr herum.
„Oh, Professor, was kann ich für sie tun?"
„Auf ein Wort nach ihrer Geschichtsepoche. Ich erwarte sie in meinem Büro."
Sie nickte, er drehte ab und betrat das Universitätsgebäude. Sie blieb zurück. Der Vorhof leerte sich zunehmend. Um nicht doch noch zu spät zu kommen, begab sie sich ebenfalls auf den Weg, direkt zu ihrem Kursraum. Sie trat durch die Tür und blieb wie angewurzelt stehen.
„Das ist euer neuer Kommilitone Mercury Sanders. Weist ihm bitte einen Platz zu, ich muss noch etwas aus dem Sekretariat besorgen."
Mit offenem Mund glotze sie den Neuen an. Mercury hieß er also. Langsam trat sie zu ihrem Sitz.
Er nahm mit einem undifferenzierten, breiten Grinsen, neben ihr Platz.
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SPIEL - spiel nicht mit dem Feuer
FantasíaKaren ist Studentin. Eine ziemlich tollpatschige und chaotischer ihrer Sorte. Eines Tages kommt ein Neuer in ihren Kurs, der sie direkt in ihren Bann zieht. Bis sie begreift, worauf sie sich dort einlässt, steckt sie aber schon viel zu tief in einem...
