• 31 'Nur du und ich' •

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'Es ist nicht leicht, wird es nie sein. Es wird schwer sein. Wir werden hart daran arbeiten müssen, jeden Tag. Aber das will ich, weil ich DICH will! Dich und mich, an jedem Tag.'

"Na da bin ich mal gespannt! Wie sollen wir bitteschön da hoch kommen, hier ist gar keine Treppe Chihuahua!", protestierte ich äußerst kritisch, während ich erwartend meine Arme vor der Brust verschränkte. Der Trottel aus Trottelhausen hingegen stieg auf einen kleinen Hocker und zog an einer Schlaufe in der Decke. Daraufhin zog er eine kleine Treppe herunter und stieg sofort darauf. Jeder Blinde konnte schon auf 50 Metern Entfernung sehen, dass der da oben illegalen Geschäften nachging. "Kommst du oder willst du da unten versauern?", rief mir der Chihuahua hinunter, als er bereits oben in einem helleren Raum verschwunden war. Zögerlich stapfte ich die kleinen Holzstufen hinauf, darauf bedacht nicht rückwärts zu fliegen und auf meinem zarten Popöchen zu landen... Doch als ich nach Lichtjahren oben ankam, stockte mir der Atem. Atemberaubend schön. Unbeschreiblich. Faszinierend. All diese Wort schossen mir sofort in den Kopf. Ich war sprachlos und das gab es nicht oft in meinem Leben!

"Wow Chihuahua!" , "Gefällt es dir? Es hatte mal meinen Vater gehört, er liebte diesen Ort! Doch nach seinem Tod hatte meine Mutter nicht die nötige Kraft sich darum zu kümmern, sodass ich das übernommen oder zumindest das Beste versucht habe!", erklärte mir der Chihuahua, während ich mich staunend im Kreis drehte. Ich liebte diesen Ort. Wir befanden uns auf dem Dach des Hauses, in einem kleinen, süßen Gewächshaus und wenn man heraustrat erblickte man die wohl schönste Dachterrasse, die ich je gesehen hatte. Okay, es war auch die Erste, aber schöner hätte man es nicht machen können. "Wow Chihuahua." , "Hast du eine Batterie im Arsch oder warum wiederholst du alles?", schmunzelte der Junge neben mir erheitert, sodass er wohl oder übel eine kleine Schelle einstecken musste. Das war ja wohl die Höhe, dass mich dieser Idiot so provozieren wollte!

"Das nennt man Begeisterung du Idiot!" , "Freut mich, wenn es dir gefällt du Arschrakete!", lachte der Chihuahua über seinen eigenen Witz und strich mir kurz über meine Mütze, die bisher mein treuster Begleiter war. Beleidigt stieß ich meine Hände in die Hüften, sodass ich unachtsam gegen eine weiße Rose stieß und sie gerade noch so halten konnte. Jede einzelne Pflanze in diesem süßen kleinen Haus war besonders. Jede hatte eine eigene Geschichte, wie er und ich. Jeder war vollkommen und doch das komplette Gegenteil davon. Jede hatte ihren eigenen Platz.

Der Chihuahua hingegen fackelte nicht lange und zog mich abwesend nach draußen. Vielleicht wollte er ja nicht riskieren, dass ich nich mehr Sachen in diesem Heiligtum zerstören könnte. Man konnte die ganze Stadt sehen. Ein atemberaubender Ausblick. Die Menschen, die hektisch die Straße überquerten, Autos, die hupten und alte Menschen, die mühevoll ihren Weg gingen. Man sah das kunterbunte Treiben. Das Treiben, was ich so sehr vermisste. Ich war aus dem Krankenhaus entlassen und fühlte mich schlechter als zuvor. Ich fühlte mich so leer und nutzlos, so hässlich!

"Fräulein? Darf ich dich was fragen?", unterbrach der Chihuahua meine Gedanken, während er vorsichtig meine Hand nahm, als wäre sie aus Glas. "Mhm?" , "Was beschäftigt dich Prinzessin?" Ich zögerte. Er würde meine Bedenken doch bestimmt total lächerlich finden. Er würde mich wahrscheinlich nicht verstehen. Es für unsinnig halten. "Ich... Ich denke über Montag nach. Über die Schule, daran, dass mich alle anstarren werden. Ich will doch nur ein normales Leben, mit normalen Problemen. Ich hasse so viel Aufmerksamkeit und vor allem hasse ich das hier!", erklärte ich, zog abrupt die Mütze von meinem Kopf und sah durch einen kleinen Wasserschleier direkt in seine dunklen Augen. Der Chihuahua sagte nichts und zog mich liebevoll in seine Arme, sodass er seinen Kinn auf meinen Kopf legen konnte. Auf einmal fühlte ich mich so frei, so frei, dass ich meinen Tränen freien Lauf lassen konnte. So frei, dass ich mich verstanden fühlte.

"Fräulein, ich kann dir sagen, dass ich dich verstehe und du trotzdem wunderschön bist, mit Haaren oder auch nicht, es würde nichts helfen. Dabei ist das doch scheiß egal. Lass die Leute reden und hör einfach nicht hin, die meisten Leute haben doch nur Blödes im Sinn! Du bist ein Mädchen, was besonders ist. Sehe es doch einmal so: Du bist es Wert, dass man über dich redet." , "Das mag ja sein, aber ich will nicht diese mitleidigen Blicke!" , "Weißt du was? Wir machen das so: Ich hole dich am Montag ab, wir fahren in die Schule und dann ignorieren wir alle. Nur du und ich.", heiterte mich der Chihuahua auf und gab mir einen sanften Kuss auf die Stirn. Irgendwie war ich froh, jemanden an meiner Seite zu haben, der mir half. Ich dachte, der Chihuahua brauchte mich nicht so sehr, wie ich ihn. Er war stark und selbstbewusst, ich hatte Krebs und eine Glatze. Wenn man uns sah, dachte man, wir könnten gegensätzlicher nicht sein, doch das hieß doch nicht immer etwas Schlechtes oder?
"Chihuahua?" , "Mhm?" , "Ich... Ich... Ich liebe dich!" Es war mit das erste Mal, dass ich diesen einen Satz so problemlos herausbekommen hatte... Es war das erste Mal, dass ich dieses zärtliche Lächeln auf sein Gesicht zauberte und mir gefiel es, denn so konnte ich ihn etwas zurückgeben!

Das wahre Leben hat kein Happy EndWo Geschichten leben. Entdecke jetzt