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Pen Your Pride

Kapitel 2

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Ich komme erstmal nicht mehr da zu, nochmal mit Jake zu sprechen, da er nach Geschichte sofort von irgendwelchen Weibern umringt wird. Entgegen meinen Vermutungen, lässt ihn das jedoch kalt und er scheint eher daran interessiert, sie los zu werden. Gähnend packe ich meine Sachen zusammen und verlasse den Raum. Die nächsten Stunden sind Philosophie und Französisch. Mein Lieblings- und mein Gott-lass-es-bitte-verschwinden-Fach. Auf dem Weg zu Philo treffe ich Hayley wieder. Sie grinst mich strahlend an und boxt mich leicht. "Na wie geht es meinem Sonnenschein?" "Deinem Sonnenschein kommt gleich das Frühstück hoch, weil ihr in die Magengegend geschlagen wurde." Mein Lieblingsblondchen lacht nur und öffnet ihren Spind. Auch ich muss wieder lächeln und lehne mich neben sie an die Schränke. "Hast du schon den Neuen gesehen?", frage ich sie und mustere den an uns vorbeiziehenden Schülerstrom. Hayley schüttelt den Kopf. "Nee, aber ich habe gehört, er wäre ziemlich heiß und er würde mit keiner wirklich reden, außer mit dir. Habe ich da etwas verpasst?" "Nein, hast du nicht. Ich habe ihm lediglich den Weg gezeigt." Ich schaue sie aus dem Augenwinkel an und ihr Grinsen wird riesig. "Achso. Du hast ihm 'nur den Weg gezeigt' ", sagt Hayley kichernd und macht den Spind zu. "Hayley", sage ich Kopf schüttelnd und begleite sie bis zur nächsten Treppe. Ihr zierliche Gestalt wird das ein oder andere mal fast umgerannt, doch irgendwie schaffen wir es heil bis zur untersten Stufe. Ich nehme sie kurz in den Arm. "Sehen wir uns nachher im Bus?" Sie erwidert die Umarmung und antwortet seufzend: "Nein, tut mir leid. Sean und ich gehen essen. Aber morgen früh sehen wir uns."
Ich winke ihr noch kurz hinterher als sie Treppe hoch hüpft -wie man so früh so viel Energie haben kann ist mir ein Rätsel- und drehe mich anschließend um. Einerseits um zum nächsten Raum zu gehen und anderseits um meinen Frust über Hayleys ständiges Hobby runter zu schlucken. Freund hin oder her. Ich finde, dass man seine praktisch fast-Schwester nicht völlig vergessen sollte. Klar, wir sehen uns mal eben im Bus und kurz in den Pausen, da wir nicht einen Kurs zusammen haben, aber wie soll man so denn über Gefühle sprechen? Vielleicht reagiere ich ja auch üb- "Oh Gott, entschuldige", sag ich mehr als verwirrt als ich in irgendeinen Kerl laufe. Notiz an mich: Nicht so viel in Gedanken sein, mehr auf den Weg achten. "Kein Ding." Moment, diese Stimme kenne ich doch. Ich schaue hoch und sehe direkt in Jakes Augen. Er lächelt warm und hält mich leicht an den Schultern fest. Na super, den konnte ich jetzt gar nicht gebrauchen. Ich hab schon genug im Kopf, da muss er mich mit seinem Lächeln und dieser Stimme nicht noch mehr vom denken abhalten. "Ich will dir nicht zu nahe treten Blair, aber bist du immer so neben dir oder mache ich dich einfach nervös?" Jake schaut mich mit einem herausfordernden Zwinkern in den Augen an. Ich kann nicht anders als darauf einzugehen. "Es liegt allein an dir, mein geliebter Jake", sage ich mit einer Spur Sarkasmus und halte seinem Blick stand. Er schaut mich noch eine Weile so an und lässt erst meine Schultern, dann meinen Blick los. Irgendetwas scheint ihm gründlich die Laune versaut zu haben, denn sein Blick wird distanziert bevor er sich wortlos umdreht und in der Masse berschwindet. Okay? Was auch immer das jetzt war.
Ich begegne Jake nicht mehr. Weder in der Pause zwischen Philosophie und Französisch, noch nach der Schule.

~~~

Meine Mum ist noch nicht zuhause als ich unsere Haustür aufschließe und unser Heim betrete. Heißt für mich: ungestört Mittag essen und Gitarre spielen. Wenig später sitze ich mit einer Pizza am Tisch und versuche halbwegs sauber zu bleiben. Doch ich will ehrlich sein, wer kann Pizza essen ohne sich einzusauen? Auf einmal muss ich wieder an den Zettel von heute morgen denken. Ich schaue zur Pinnwand und muss fest stellen, dass der gelbe Zettel weg ist. Aber ich hab ihn doch da hängen gelassen und meine Mum war nicht zuhause gewesen, somst hätte sie mir was zu essen dagelassen. Hab ich ihn vielleicht doch abgenommen? Ich lege mein Pizzastück wieder auf den Teller, um es gleich wieder aufzuheben und essend diesen dämlichen Zettel zu suchen. Doch auch nach einer halben Stunde ist die Nachricht nicht aufzufinden. Stöhnend lasse ich mich auf einen Stuhl fallen. Das kann doch nicht sein. Ich gebe ja zu, dass ich dezent chaotische Veranlagungen habe, aber so schlimm, dass ich etwas nicht wieder fand, war ich noch nie. Ich ergebe mich der Tatsache und widme mich wieder meinem Essen.
Später setze ich mich mit meiner akustischen Gitarre auf mein Bett und spiele ein wenig vor mich hin. Meine Gedanken schweifen immer wieder zu Jake. Nein, ich erhoffe mir nichts von seiner Aufgeschlossenheit mir gegenüber. Trotzdem werde ich nicht abstreiten, dass es meinem Ego nicht unbedingt schlechter ging, als er die Geschichtsweiber liebevoll ignoriert hat, aber wem würde es schon missfallen, wenn ein verdammt gut aussehender Kerl scheinbar gerne mit einem spricht. Als ich das nächste mal auf die Uhr schaue ist es fast 21 Uhr. Moment. Fast 21 Uhr? Warum ist meine Mum dann noch nicht hier?!
Ich stehe auf und gehe durch das ganze Haus. Meine Mutter ist nirgendwo zu finden, woraufhin ich auf mein Handy schaue. Keine Nachrichten. Aber sie meldete sich doch immer, wenn sie länger weg blieb. Gerade als ich sie anrufen, höre ich wie unsere Haustür ins Schloss fällt. „Hallo mein Schatz, ich bin wieder da!", ruft meine Mum und zieht ihre Jacke aus. Ich laufe erleichtert zu ihr und nehme sie in den Arm. Sie lacht leicht und drückt mich. „Alles in Ordnung mit dir?", fragt sie lächelnd. Sie merkt einfach immer, wenn etwas nicht stimmt. Sowas nennt man wohl Mutterinstinkt. Ich nicke und sehe sie an. „Ich hab mir bloß Sorgen gemacht. Wo warst du denn?" Meine Mutter schiebt sich an mir vor bei in die Küche und fängt etwas zu essen zu kochen, während sie mir erzählt, dass sie Überstunden machen musste und ihr Akku mal wieder leer war.
Wir unterhalten uns noch eine Weile und irgendwann gehen wir beide in unsere Zimmer um zu schlafen. Ich kann jedoch nicht schlafen. Der Gedanke an diese verflixte Notiz hält mich wach, zwingt mich, mich immer wieder umzudrehen. Jetzt reicht's. Mein digitaler Wecker zeigt 23:27 Uhr an. Wenn ich mich beeilte, würde ich pünktlich um Mitternacht an dem Treffpunkt sein.
Ich springe so leise wie möglich auf und schmeiße mich in schwarze Klamotten, inklusive schwarzer Lederjacke -ich möchte hier ja kein Klischee brechen. Auf dem Weg zur Tür bleibe ich stehen. Eigentlich nur um mir einen Pferdeschwanz zu machen, doch ich komme nicht drumherum mich zu betrachten. Ich habe in den letzten Wochen abgenommen, was wohl nicht zu letzt durch meinem unregelmäßigem Essrhythmus zu Grunde liegt und meine zarbitterschokoladenbraunen Haare unterstreichen das grün meiner Augen. So arrogant das für manche klingen mag. Ich sehe echt nicht scheiße aus. Allerdings kommen meine Brüste in dem Outfit besser zur Geltung als mir lieb ist... Konzentrier' dich! Den Kopf über mich selbst schüttelnd, schleiche ich mich so leise wie es geht aus dem Haus und schwinge mich draußen auf mein Fahrrad.

Hallo meine Lieben!
Hier nun also das zweite Kapitel von 'Light up the dark'. Ich hoffe es gefällt euch und wenn dem so ist, würde ich mich über ein vote und/oder Kommentar freuen.
Liebe an euch (:

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