Als mich am Montagmorgen der Wecker aus dem Schlaf klingelt, bin ich aufgeregter, als ich es erwartet hätte. Das ganze Wochenende über war ich so sehr damit beschäftigt zu begreifen, was zwischen Harry und mir passiert, dass ich keinen Gedanken an die mir bevorstehende Härteprüfung verschwendet habe: mein erster Tag an der neuen Schule.

Am Samstag sind Mum und ich in die Stadt gefahren und haben endlich ein paar wärmere Klamotten gekauft.

Ich dusche schnell, ziehe an, was ich mir am Abend vorher rechtgelegt habe, und schlüpfe in meine Vans. Die Haare style ich bewusst zum Messi-Look.

Nachdem ich im Bad fertig bin, gehe ich in die Küche und und schnappe mir mein Rucksack und den Stundenplan, den mir die Schule per Mail zugeschickt hat. Mum ist von ihrem ersten Nachtdienst im Krankenhaus noch nicht wieder zurück, deshalb bringe ich Lottie heute zur Schule. In Doncaster waren wir beide auf derselben Schule - der einzigen in der Schule. Hier in Holmes Chapel gibt es so viele, dass ich mir einen Anfahrtsplan aus dem Netz ausgedruckt habe, damit ich meiner Schwester nicht aus Versehen vor der falschen absetze.

Als wir ankommen, entdeckt Lottie sofort Gemma auf dem Hof und springt aus dem Wagen, ohne sich vor mir zu verabschieden. Wenn man ihr so zu sieht, könnte man meinen, das Leben wäre ein Kinderspiel.

Zum Glück liegt meine Schule nur ein paar Straßen weiter. Allerdings ist der Parkplatz dort voll, dass ich den Wagen ein gutes Stück vom Eingang entfernt abstellen muss. Mir graut vor dem Spießrutenlauf, den ich vor mir habe. Überall stehen Grüppchen von Schülern zusammen, die sich lachend unterhalten. Es dauert einen Moment, bis ich mich traue auszusteigen, aber zu meiner Überraschung stelle ich fest, das niemand auf mich achtet. In Highschool-Filmen verstummen immer alle, drücken sich ihre Bücher an die Brust und beobachten mich mit aufgerissenen Augen, wie der Neue in Zeitlupe über den Parkplatz geht. Hier erlebe ich das ganz genaue Gegenteil und fühle mich geradezu unsichtbar, was mir sehr recht ist.

Die erste Stunde - Mathe - vergeht, ohne dasss wir Hausaufgaben aufbekommen, wofür ich sehr dankbar bin, weil ich vorhabe den restlichen tag mit Harry zubringen. Als ich heute Morgen zu meinem Auto kam, klebte an der Windschutzscheibe ein Post-it: Kann es nicht erwarten, dich wiederzusehen. Bin um vier zu Hause.

Noch sieben Stunden und drei Minuten.

Geschichte in der zweiten Stunde läuft ebenfalls problemlos. Die Punischen Kriege hatten wir an meiner alten Schule schon durchgenommen. Leider hat der Leher ein so schläfernde Stimme und erzählt so sterbenslangweilig, dass ich garnicht anders kann, als in Gedanken abzuschweifen. Zu Harry zum Beispiel. Als ich gerade versuche, mich wieder zusammenzureißen, und mir Notizen mache, um zumindest den Anschein eines aufmerksamen Schülers zu erwecken, pikst mir jemand in den Rücken.

"Hey, gib mir mal deinen Stundenplan."

Ich ziehe ihn aus meiner Tasche, falte ihn so klein wie möglich zusammen und werfe ihn ihm dann unauffällig auf dem Tisch.

"Glanzleistung, aber völlig unnötig."

"Mr Hanson ist halb blind und taub und bekommt sowieso nichts mit. Wegen dem musst du dir keine Sorgen machen."

Ich unterdrücke ein Lachen und drehe mich zu ihm uhm, während Mr Hanson was an die Tafel schreibt. "Hi. Ich heiße Louis."

"Niall."

"Hört sich irisch an."

"Ja, ja mach bloß keine Witze über Kobolde!"

"Okay, werde ich mir merken."

"Cool. In der Dritten sind wir wieder im selben Kurs. Aber der Raum ist total schwer zu finden. Warte nach der Stunde auf mich, dann gehen wir zusammen hin."

Niall beugt sich vor, um etwas aufszuschreiben, dabei fallen mir seine blond gefärbten Haare auf und ein kleines schlichtes schwarzes Herz-Tattoo.

Als es klingelt und ich aufstehe, gibt Niall mir den Stundenplan zurück, schnappt sich aber dafür mein Handy, dass aus meiner Jackentasche heraussaut. Während er darauf herumtippt, werfe ich ein Blick auf dem Stundenplan, an dessen Rand er mit grüner Tinte ein paar Namen und Nummern gekritzelt hat. Niall sieht es und deutet mit seinen Finger darauf.

"So heiße ich bei Facebook und so bei Twitter. aber meinen MySpace-Usernamen verrate ich dir nicht, der ist echt zu bescheuert." Er zeigt auf die drei telefonnummern, die er darunter notiert hat. "Meine Handy Nummer, meine Festnetznummer und die ist von Getty's Pizza."

"Weil du da arbeitest?"

"Nein, weil es da die beste Pizza der Stadt gibt." Er greift nach seiner Tasche, schiebt sich an mir vorbei und bedeutet mir, ihn zu folgen. An der Tür dreht er sich um und gibt mir mein Handy zurück. "Ich hab mich gerade selbst angerufen, damit ich deine Nummer hab. Ach so, und du musst von der nächsten Stunde dringend noch ins Sekreteriat."

"Wieso denn das? Ich dachte, wir gehen zusammen, weil der Raum so schwer zu finden ist."

"Die haben dich beim Mittagessen in die gruppe B eingeteilt, ich bin aber in der Gruppe A. Lass das noch schnell ändern. Also dann, bis gleich."

Und weg ist er.

Zum Glück ist das Sekreteriat ganz in der Nähe, denn kaum hat mir die Sekreterin Mrs Alex - die eine große Meisterin in der Kunst des genervten Augenverdrehens ist, wie ich feststelle, als ich sie um die Änderung bitte - den neuen Stundenplan ausgedruckt, gongt es schon zur dritten Stunde.

"Könnenn Sie mir noch schnell sagen, wie ich zu dem Raum von meinen nächsten Kurs komme?"

"Da müssen Sie in Trakt D."

Ich laufe durch drei endlos lange Flure, öffne zwei Türen zu falschen Klassenzimmern und eine zu einer Kammer mit Putzmitteln und bin mir sehr erleichtert, als ich um eine Ecke biege und ein großes Schild mit einem "D" an der Wand entdecke. Ein bisschen außer Atem stelle ich meinen Rucksack auf den Boden, klemme mir den Stundenplan zwischen die Beine und gehe mir verzweilfelt und dennoch erleichtert durch die Haare.

"Louis?"

Words: 962

Because I Love Louis ~ Book 1 (Larry Stylinson)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!