61 - Ihr Weiber, ey!

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„Es tut mir wirklich leid“, entschuldigte ich mich, sobald wir an einem großen runden Tisch saßen, an dem wir alle Platz genommen hatten.

„Es war ein Unfall“, nahm Louis mich in Schutz. „Ausnahmsweise kannst du mal nichts dazu.“

Na wie nett.

„Wir stehen jetzt einfach diese Gala durch und auf der Aftershow-Party saufen wir uns die Birne weg und versuchen das zu vergessen“, gab Harry nun von sich und erhob sein Wasserglas. „Da sind nämlich keine Kameras erlaubt. Also hoch die Gläser. Auf einen feuchtfröhlichen Abend!“

Es war ein ziemlich erbärmlicher Versuch die Situation irgendwie zu retten, aber alle hoben mehr oder weniger motiviert die Gläser und reckten sie in die Höhe.

Es folgte eine zweistündige Veranstaltung, bei der wir immer brav klatschten, wenn ein Laudator einen Witz riss oder jemand einen Preis bekam. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, worum es hier eigentlich ging. Ich starrte nur vor mich hin und grinste, wenn ich merkte, dass eine Kamera auf mich gerichtet war. Sophia warf mir immer wieder aufmunternde Blicke zu. Ich war so neidisch auf ihre Weiblichkeit. Auf ihre Beziehung, auf ihr Aussehen. Sie wirkte so perfekt und ich war das komplette Gegenteil.

Dann war diese Veranstaltung endlich vorbei.

„So, und jetzt brauchen wir reichlich Tequila!“ rief Liam in die Runde. „Besonders DU!“ Er packte mich am Unterarm und zog mich durch einen langen Flur in eine Art Nebenhalle. Auch alle anderen Gäste schien es hier hinzu ziehen. Hier gab es eine Tanzfläche, laute Musik und eine Bar.

„Denkst du wirklich, dass es so gut ist, wenn ich trinke. Du weißt selber, dass ich nicht viel vertrage!“ gab ich zu Bedenken, als Liam mir den ersten Shot hinhielt.

„Ich pass schon auf, dass du nichts Dummes machst, aber nach der Aktion vorhin, erscheint mir Alkohol als keine so schlechte Lösung. Das ist das Beste an solchen Galas. Die Aftershowparty!“

Ich gehorchte ihm und kippte mir den Tequila in den Rachen. Ich begann zu husten. Ich war schon immer eher der Cocktailtrinker gewesen. Mit hartem Alkohol hatte ich nicht viel am Hut und so hatte ich gerade das Gefühl, dass meine Speiseröhre weggeächzt wurde.

„Mit dem nächsten wird’s besser!“ versprach mir Liam, behielt damit aber leider nicht recht. Der zweite brannte genauso höllisch. Aber zumindest merkte ich ab dem vierten eine Wirkung. Da ich Fiona mittlerweile aus den Augen verloren hatte, suchte ich mir einfach einen anderen Tanzpartner. Ein gutaussehender Typ kam mir da ganz recht. Ja, ich sah vielleicht aus wie ein Mann, aber trotzdem war ich in Gedanken eine Frau und stand nun mal auf Männer. Und so genoss ich es mit Carlos, so hieß der rassige Argentinier, zu tanzen. Er war muskulös und sein weißes Shirt klebte förmlich an seinem braungebrannten Körper. Ich ignorierte einfach mal, dass ich aussah wie ein Mannund schmiegte mich an Carlos Körper, dem das sehr zu gefallen schien. Er war optisch das komplette Gegenteil von Niall. Groß, sonnengebräunt, schwarze Haare und einen absoluten Adoniskörper. Trotzdem hätte ich alles gegeben um ihn gegen Niall einzutauschen. Dass Carlos schwul war, stand außer Frage, denn sonst hätte er mir nach einer Weile wohl kaum an den Hintern gefasst und mir erotisches ins Ohr geflüstert: „Du und ich auf der Herrentoilette?“

Dankend hatte ich abgelehnt. Selbst als Frau hätte ich abgelehnt und das nicht nur, weil er schwul war, sondern einfach, weil ich Sex auf dem Klo widerlich fand. Wer machte so etwas? Da war es dreckig und es stank. Das war der Ort wo man sich den Tampon reinsteckte und nichts anderes! Es tat mir schon ein bisschen leid Carlos einen Korb zu geben,  denn er hatte sich offenbar wirklich Hoffnung für diese Nacht gemacht.

Die Wirkung des Alkohols ließ langsam nach. Und die Situation vom eisblauen Teppich kam mir wieder in den Sinn. Dieses Mal hatte ich wirklich alles wieder gut machen wollen und genau deshalb ärgerte ich mich so darüber.

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