33 ~ Violetta

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Ich setzte mich neben Angie und redete auf sie ein. "Angie, du musst jetzt gleich wieder aufs Pferd steigen. Hier ist es total gefährlich. Das hier ist ein Jagdgebiet. Wir oder die Pferde könnten erschossen werden." Angie sah mich an und redete mit mir. Ich brauchte ein paar Minuten bis ich begriff das sie zum ersten Mal richtige Sätze in deutsch formulierte. Das war der Grund, weshalb Ludmila sie nicht verstanden hatte. Angie sagte: "Violetta, mir geht es echt nicht gut. Mir ist schwindelig und ich habe starke Kopfschmerzen. Wie geht es, Sierrá?"

Mir kamen die Tränen und antwortete ihr auf deutsch: "Dir ist schon bewusst, das du gerade deutsch sprichst. Sierrá geht es gut. Ich habe sie wieder eingefangen. Aber du muss jetzt gleich nochmal auf ein Pferd steigen, weil wir in einem Jagdgebiet sind. Bis zum Teich ist es aber ein ganzes Stück." Angie nickte und Ludmila und ich halfen ihr erst auf die Beine und dann auf Corazón. Ich bot Ludmila an auf Ángeles zu reiten, aber sie schüttelte den Kopf. Sie möchte nicht reiten. Wir gingen nebeneinander her und führten Corazón mit der verletzten Angie. Das Schweigen wurde immer gruseliger. Auf einmal platzte Ludmila heraus:

"Es tut mir echt leid, das ich so gemein zu dir war. Ich meine, ich war früher der Liebling aller Lehrer und dann kommst du und warst in allem besser als ich und dann haben sich León, Francesca und Camila von mir abgewandt und du warst das Goldstück, weil deine Mutter die große Maria Saramego ist. Ganz ehrlich, meine Eltern und ich sind große Fans von deiner Mutter und ich war heute nur auf dem Hof, weil mein Vater erfahren hat, das du da heute bist und er meinte, ich solle mich mit dir anfreunden, damit er und meine Mama mal Maria treffen können. Glaub mir, ich habe so ein schlechtes Gewissen, aber das musste ich jetzt mal los werden. Das mit Angie hat mich sehr schwer getroffen, da ich damals genauso angefangen habe im Studio wie du und Angie hat mich auch so aufgebaut. Dir muss es sogar schlechter gehen, weil sie deine Tante ist. Welche Sprache habt ihr überhaupt gesprochen?"

Ich sah Ludmila zum ersten Mal richtig an. Sie war vielleicht bildschön, aber eigentlich ist sie ein ziemliches Wrack. Die Augenringe hat sie super weggeschminkt, aber ich vermute sie hatte geweint. Ihre Wimperntusche ist verschmiert und ihr Tagesmake - up war an einigen Stellen verschwunden. "Ich verzeihe dir. Wir haben deutsch gesprochen. Angie und ich waren ja mal drei Wochen in Deutschland und da hat sie sich sehr geweigert deutsch zu sprechen und jetzt scheint es so als würde sie spanisch nicht mehr verstehen können."

Ludmila sah zu Angie rüber. "Vilu, sie hat die Augen wieder zu gemacht!" Ich fuhr herum und ich versuchte alles, damit Angie wieder die Augen aufmacht. Ich suchte ihren Puls und ich spürte ihn ganz schwach. "Wir müssen uns beeilen, Ludmila. Ihr geht es gar nicht gut." Ludmlia schluckte hörbar und stieg auf Ángeles Rücken. "Ich werde vorraus reiten. Wir sehen uns gleich wieder." Ich nickte und Ludmila galoppierte davon. "Angie, bitte werde wieder wach. Bitte, bitte bitte! Ich brauche dich doch!" Angie reagierte nicht. Mir kamen immer mehr Tränen. "Violetta! Angie! Wo seid ihr?", hörte ich Papa rufen. "Wir sind hier! Papa! Mama!"

Ich führte Corazón durch ein Dickicht und wir waren am Teich angekommen. Die Notärzte und Sanitäter waren mit den Rettungswagen hierher gefahren. Der Notarzt zog Angie sofort von dem Pferderücken und fing an sie zu untersuchen. Ich fiel Mama und Papa in die Arme und fing an zuweinen. Irgendwann kam Ludmila zu uns. Sie sah sehr fertig aus und ich nahm sie auch in die Arme und sie fing zum ersten Mal, seitdem ich sie kenne an zu weinen. Von dem starken, gemeinen Mädchen war nichts mehr zusehen oder zu spüren.

Als wir uns voneinander lösten, kam der Notarzt zu uns. "Es tut mir echt leid, das sagen zu müssen, aber Frau Carrara liegt im Koma. Sie hat den letzten Ritt wohl nicht verkraftet. Sie muss sofort ins Krankenhaus, sonst ist die Erwartung das sie jemals wieder aufwacht." Ludmila und ich sahen uns entsetzt an. "Das darf nicht wahr sein!", sagte Papa und sah erst mich dann Mama traurig an.

Singen ist das was mich ausmacht ✔Lies diese Geschichte KOSTENLOS!