Ich lief geduckt den Flur der Kinder Krebs Station im Augustus Krankenhaus entlang. Kinder und Teenies in meinem Alter starrten mich aus ihren Rollstühlen an, die meisten trugen Glatze, Mützen oder das Resthaar in einem kleinen Zopf. Ich besaß meine braune Wallemähne zum Glück noch, ich wüsste auch nicht was ich ohne sie tun sollte. Ich strich mir eine Strähne hinters Ohr und schaute unauffällig auf die Zimmer Nummern an den Wänden. 304, 305, 306, 307 und da war sie 308. mein neues Zimmer für die nächsten paar Wochen. Ich öffnete langsam die Tür und schaute mich um. Das Zimmer war leer, bis auf ein leeres Bett am Fenster und die Schrankwand an der Rechten Wand. Ich öffnete die Tür weiter und lief zu dem leeren Bett und stellte meine Tasche darauf. Als ich mich auf mein Bett setzte quietschte es laut und es war relativ unbequem. Aber was soll man machen. Was sein muss muss sein. Ich schaute mich nochmal um und strich über die Gardinen am Fenster.  Alles sehr trist und langweilig...da müsste man was tun. Vielleicht kann ich ja meine Skizzen aufhängen...oder Gardinen nähen...ein paar Blumen müssen aufgestellt werden...man könnte auch bunte Bettwäsche mitbringen lassen...ich sprühte nur vor Ideen. "Klopf klopf...Gamze?" Erschrocken fuhr ich zur Tür und eine junge Pflegerin lächelte mich an. "Du bist doch Gamze oder?" "Ja, ja das bin ich!" Ich reichte ihr meine Hand und sie lächelte breit. "Freut mich! Ich bin Elina eine Pflegerin der Krebsstation...und auch irgendwie Seelenklempnerin der Jugendlichen!" Ich lächelte ein wenig und sie legte den Kopf schief. "Alles in Ordnung?" "Naja hier ist es so...!" "Trist? Keine Sorge! Das wird in der nächsten Zeit noch viel bunter! Warte ab...ich habe viele kreative Ideen für dich Auf Lager!" Sie gefiel mir. Optimismus auf einer Krebsstation...in Farbe und Freude verpackt. "Aber jetzt...jetzt gibt es erst einmal etwas zu essen für dich!" Ich nickte und spürte meinen Magen Knurren. Was zu essen wäre jetzt fantastisch. Ich folgte Elina bis zum anderen Ende des Flures, in einen gelb gestrichenen Aufenthaltsraum mit vielen bunten Tischen und einer großen essenstheke mit Süßigkeiten, Hauptsspeisen und Früchten. Echt luxuriös für ein Krankenhaus. "Nimm dir etwas und setz dich! Ich komme sofort und erkläre dir dann einiges zu dieser Station und deinen Behandlungen!" Ich nickte zaghaft und ging zur Theke. Vor mir rollte ein dunkelhaariger junge in einem Rollstuhl die Theke entlang, seinen Teller auf dem Schoß. Er bemühte sich an die Theke heranzukommen, doch keine Chance. "Soll...soll...soll ich dir helfen?" Fragte ich schüchtern und er antwortete ohne sich herumzudrehen: "Nein, ich kann das auch alleine! Ich bin nicht Schwerstbehindert!" Ich nickte nur still und nahm mir dann selber etwas zu essen. Mhm Spaghetti, ich liebe dieses essen. Der junge vor mir kämpfte immer noch. Wieso nahm er meine Hilfe nicht an? Ich versuchte seine sinnlosen Versuche an die Theke zu kommen zu ignorieren und setzte mich auf einen leeren Platz am hintersten Tisch. Langsam begann ich in meinen Spaghettis zu drehen und schaute gar nicht auf, als jemand neben mir seinen Teller abstellte. "Darf ich?" Erst jetzt schaute ich auf und starrte in das Gesicht des Rollstuhl Jungen an der Theke. Er war wirklich hübsch. Seine glatze war vermutlich unter der schwarzen Mütze versteckt und seine Augenbrauen nur noch leicht zu erkennen. Dennoch war er bildschön. "Mein name ist Taylor. Es tut mir leid das ich eben so unfreundlich war! Du bist bestimmt Gamze, die neue oder?" "Woher weißt du...!" "Sowas geht schnell auf der Station rum! Hier passiert ja nicht wirklich viel! Da ist eine Ankunft eines neuen total interessant!" Ich lächelte müde und er widmete sich seinen Spagetti. "Und? Warum bist du hier?" Ich schluckte und starrte auf meinen immer noch vollen Teller. "Du kannst es mir ruhig sagen! Ich habe schon viele Menschen kommen und gehen sehen, mit allen Formen von Krebs! Und wenn du willst, erzähle ich dir dann auch mehr von mir!" Ich starrte ihn an und seine braunen Augen glänzten mich an. "Lymphdrüsenkrebs!" Er nickte und ich strich nervös meine Haare zurück. "Und du?" "Magenkrebs und auch Lungenkrebs...!" "Direkt 2...?" Fragte ich vorsichtig und er nickte. "Ist ok! Ob ich jetzt wegen einem Krebs hier Hocke oder wegen 2...ich komm hier eh nie wieder raus!" "Sag das nicht...!" Flüsterte ich und er starrte mich an. "Bin seit 2 Jahren schon hier! Werde auch noch länger hier bleiben müssen!" "So Ganz alleine die ganze Zeit?!" "Naja, man gewöhnt sich hier schnell an die anderen und sie werden wie eine Familie aber...nach und nach sterben auch hier Kinder...also bleiben wir mal realistisch...eine zusammenhaltende Familie ist das hier nicht wirklich wenn immer wieder einer entrissen wird! Der Tod kriegt jeden, irgendwann, ob jetzt oder in 90 Jahren, ist halt so! Aber solange sollte man mit ihm leben und ihn nehmen wie er ist!" Sein Teller leerte sich nach und nach mit seinen Erzählungen und er berichtete ausgiebig von Patienten, Behandlungen, streichen und einem besonderen Thema. Ein Buch in dem jedes gestorbene Kind verewigt wird. "Würdest du mir das mal zeigen?" Fragte ich sehr leise und er nickte. "Klar lass uns gehen!" Er rollte los und auch ich stand auf. "Und die Tell...?" "Lass stehen! Und jetzt komm!" "TAYLOR DER TELLER!" Rief die Küchenhilfe, doch er zwinkerte ihr nur zu und sie lachte daraufhin. "Du Schlingel!" Ich folgte ihm nach draußen, über den Flur in ein anderes Zimmer. Dort war alles dunkel, bis auf ein paar Kerzen und Blumen. "Hier!" Er deutete auf ein großes Buch, indem ich zu blättern begann. Jakob, 4 Jahre alt, Lungenkrebs. Pia, 10 Jahre alt, Knochenmarkkrebs. Beim nächsten Blättern wurde mir schlecht. Sophie, 16 Jahre alt, Lymphdrüsenkrebs. Ich dachte sofort an mich, "kanntest du sie?" Fragte ich Taylor und er rollte zu mir. "Sophie? Ja. Aber nur kurz. Sie starb kurz nach meiner ankunft...wieso...?" Er schaute zu mir, dann zu der Todesursache und seufzte. "Keine sorge...sie war krank seit sie ein Baby war! Sie hatte nie wirklich Haare und...Sie wird auch die Perücken Lady genannt. Sie hat wohl an die 100 Stück davon besessen und jeden Tag war sie jemand anders. Faszinierend, oder nicht?" Ich nickte und schaute auf ihr Bild. Sie war wunderschön. Blaue Augen, blonde Perücke und ein liebevolles Lächeln. Wie wohl mein Bild aussehen würde? Mich durchlief ein Schauer. "Na komm...denk nicht dran! Du wirst es überleben!" Taylor lachte auf und griff nach meiner Hand. Er schaute zu mir auf und ich schaute zu ihm. "Meinst du?" "Ich spüre das...und meistens habe ich recht...!" Ich verspürte ein Lächeln über meine Wange laufen und Taylor drückte meine Hand fester. "Ich begleite dich überall hin...wohin du auch willst! Ich lass dich nicht im Stich!" Und das tat Taylor wirklich nie. Über 1 Jahr lang, bis ich geheilt entlassen wurde und er bleiben musste. in diesem Jahr war viel passiert, wir würden beste Freunde, lernten uns zu lieben und zusammen jeden Tag zu leben als gäbe es kein Morgen, mit nur positiven Gedanken. Wir hattn uns kurz vor meiner Entlassung sogar den Schwur bis über den Tod hinaus, jeden Tag, zu jeder Zeit zusammen zu sein geschworen. was wir auch 2 1/2 Jahre schafften. 2 1/2 Jahre...bis zum 18 April, der Tag an dem der Krebs Taylor besiegte. Der Tag an dem ich meinen Boyfriend, meinen besten Freund, meinen Bruder und meinen Schutzengel verlor. Der 18 April...der Tag an dem mein Leben jeglichen Sinn verlor. Doch innerlich gab mir der Gedanke an Taylor immer wieder Kraft und brachte mich zum Lächeln....denn er hatte recht...viele Menschen kommen und gehen, der Krebs lässt nie eine Familie. Doch man kann mit ihm leben, wenn man es zu lässt und seine Zeit nicht versauert mit negativen und traurigen Gedanken und die hatten wir wirklich nie. >> bis über den Tod hinaus, jeden Tag, zu jeder Zeit...für immer! <<

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Hey Gamze :)

Nach langer Zeit endlich dein Imagine wohoooo...
Hoffe es gefällt dir ^^

xx G.

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