Dienstag, 23. Dezember [Part III] - Kleiner Arschtritt fürs Schicksal.

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Marie gab mir Schokolade, Kekse, Waffeln – alles, was das Herz begehrte, aber es half nichts. Sie kletterte irgendwann zu mir nach hinten auf die Rücksitzbank und umarmte mich ganz fest. Ich weinte trotzdem weiter.

„Er ist so ein Arsch!“, sagte sie irgendwann klagend. „Ich habe inzwischen das Gefühl, ich kenne ihn überhaupt nicht mehr!“

„Ja, das geht mir auch so...“, bestätigte Maxi seufzend. „Ich weiß nicht, was mit ihm los ist!“

„Dass er halt nicht mal versucht hat, mit dir das komplett zu klären! Ich meine, wer weiß, wann ihr euch das nächste Mal wiederseht!“

„Eigentlich ist das echt nicht Darios Stil. Also dass er Gesprächen aus dem Weg geht“, sagte Maxi, „er kann doch eigentlich nie die Klappe halten.“

„Ich kapiere einfach gar nichts mehr“, meinte Marie. „Ich glaube, dass-“

Was sie glaubte, erfuhren Maxi und ich nie.

Denn plötzlich ertönte ein lauter, wirklich ohrenbetäubender Knall und das Auto fing an, sich im Kreis zu drehen. Ich schrie auf, Marie neben mir auch. Ich krallte meine Hände in den Sitz und an den Griff der Tür, damit ich nicht durchs Auto geschleudert wurde. Maxi riss das Lenkrad herum, aber es nützte nichts. In voller Geschwindigkeit drehte es uns gefühlte tausendmal um die eigene Achse, bis wir in die Leitplanke krachten. Mit einem Ruck blieb das Auto stehen und mein Herz ebenfalls.

Ich bekam kaum noch Luft. Ich atmete hektisch ein, aber kein Sauerstoff war irgendwo zu spüren.

Die Welt war für einen Augenblick komplett ruhig, dann drehte sie sich doppelt so schnell weiter (obwohl das Auto ja stand).

„Scheiße! Ist alles okay bei euch?“, rief Maxi und drehte sich zu uns um.

Ich hatte die Augen zugekniffen gehabt, weswegen ich gar nicht gesehen hatte, dass die Airbags alle herausgeplatzt waren. Ich drückte mit einer Hand drei gleichzeitig nach unten und nickte nur.

„Marie?“

„Ja, alles okay, hab mir nur einmal den Kopf angehauen“, sagte sie mit schwacher Stimme.

„Scheiße, was war das denn...“, hauchte ich und öffnete mit zittrigen Fingern meine Tür. Beim ersten Mal rutschte ich ab und riss mir ein Stück vom Fingernagel ein, dann schaffte ich es, sie zu öffnen. Ich stieg mit steifen Gliedern aus dem Auto mit Marie direkt hinter mir.

„Ist alles okay bei euch?“

Ein Mann hatte sofort am Straßenrand gehalten und war zu uns gerannt. Ich sah mich um. Mehrere Autos standen, mehrere Leute kamen zu uns gelaufen. Der Verkehr ging langsam weiter. Wir waren in die Leitplanke an der rechten Seite der Fahrbahn geknallt. Gott sei Dank sind wir langsam gefahren, weil der Verkehr hier nur zähfließend ging.

„Was ist passiert?“, fragte ein anderer Mann und reichte mir eine Decke, die ich dankend annahm.

„Reifen geplatzt, glaube ich“, antwortete eine blonde Frau. „Wir sind schräg hinter ihnen gewesen und ich habe es gesehen, wenn ich mich nicht getäuscht habe.“

Maxi und Marie standen neben mir und wir betrachteten das Auto. Keiner von uns konnte etwas sagen.

Scheiße.

„So könnt ihr nicht weiterfahren, selbst wenn ihr den Reifen wechselt“, sagte der Mann, der als erstes bei uns gewesen ist. „Ich fürchte, durch den Aufprall ist einiges im Motor ebenfalls zu Schaden gekommen.“

„Shit“, fluchte Maxi und drehte sich um. Er war als erster aus der Schockstarre aufgewacht.

Er lief ein paar Schritte auf und ab. Dann zog er sein Handy aus der Tasche.

24 Türchen - Weihnachten, Liebe und andere Katastrophen [I]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!