Mr. Cool war in jedem meiner Gedanken.

Mr. Großkotz hatte sich langsam, aber sicher in mein Herz eingeschlichen, ohne dass ich es verhindern konnte. Ich –

Mein Handy vibrierte und zog somit meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich wollte am liebsten laut aufschreien. Wieso konnten mich die Leute nicht einfach mal in Ruhe lassen?!

Ich sah hinunter – und mein Herz machte einen unangenehmen, schmerzhaften Hüpfer, sodass mir für ein paar Sekunden erst einmal die Luft wegblieb.

Wenn man vom Teufel sprach.

‚Wo bist du, Tiger???’

Ich öffnete die Nachricht nicht, sondern sah sie nur auf dem Bildschirm an. Sofort folgte eine neue.

‚Wo bist du?? Bitte antworte mir! Ich mache mir echt Sorgen!!’

‚Paulina’

‚Ich finde das nicht witzig!!’

Langsam strich ich mit dem Finger mühsam über den Bildschirm und antwortete in Zeitlupe.

‚Ich bin zu Hause in meinem Bett. Du brauchst dir keine Sorgen machen.’

Ich sah, dass er meine Nachricht las, aber er antwortete nicht, was mich schon wieder enttäuschte.

Ich presste die Lippen fest aufeinander und schloss die Augen. Ich atmete tief durch, aber das brachte auch rein gar nichts. Ich war einfach so ein Wrack.

Verdammt, wieso konnte ich einfach nicht kapieren, dass ich kein Recht hatte, enttäuscht zu sein!! Ich war kein Teil seines Lebens mehr. Ich sollte eigentlich gar nicht hier sein. Mein Leben war hier nicht mehr, man hatte mich umgepflanzt. Wie hatte ich letztens gesagt? Wie ein Pflänzchen, dessen Wurzeln hier zurückgeblieben waren und das niemals dort oben Wurzeln schlagen würde...

Ich sollte es endlich raffen. Beziehungsweise mein Herz sollte es kapieren.

Ich wohnte in Hamburg, und er war hier in München.

Er hatte Lisa als Freundin, mit der er anscheinend gut klarkam.

Und ich hatte da einfach nichts mehr zu suchen.

Das musste endlich in mein Herz reingehen. Mein Kopf hatte es kapiert, aber es war ja bekannt, dass das Herz blöderweise ein wenig langsamer war als der Kopf. Ein wenig sehr langsamer...

Plötzlich klopfte es an meiner Zimmertür.

Beinahe hätte ich einen lauten Schrei ausgestoßen, wenn ich mir nicht rechtzeitig die Decke vors Gesicht gepresst hätte.

Oh mein Gott!!

Ich hatte meine Zimmertür aus Gewohnheit hinter mir abgesperrt, obwohl ja niemand außer mir das Haus betreten konnte.

Niemand außer mir konnte das Haus betreten.

Niemand.

Ich saß in meinem Bett, den Rücken gegen die Wand gepresst und die Decke bis zum Kinn hochgezogen. Ich spürte, wie meine Hände bebten. Ich hatte so Angst. Mein Herz klopfte wie verrückt und ich bekam kaum noch Luft. Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich die Tür an.

Ich sah meinem Ende entgegen.

Aber... Moment, seit wann klopften Killer oder Einbrecher an?

Mein Handy vibrierte wieder.

‚Wärst du so freundlich und würdest deine Tür aufsperren?’, stand da.

„Mach auf, Tiger“, hörte ich eine leise Stimme von der anderen Seite der Tür.

24 Türchen - Weihnachten, Liebe und andere Katastrophen [I]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!