Samstag, 20. Dezember [Part I] - Im wahrsten Sinne des Wortes hoffnungslos.

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Wieso war ich nochmal hierher gekommen? Wieso war ich extra nach München gekommen, hatte mir in Nürnberg meinen Hintern abgefroren und hatte mich mal wieder mit Mama gestritten?

Ach ja, genau: Weil ich hoffnungslos in diesen Idioten vor mir, der seinen Arm gerade um die Schulter seiner Freundin legte, verliebt war.

Im wahrsten Sinne des Wortes hoffnungslos...

Sogar Marie war es aufgefallen.

...und wenn es sogar Marie aufgefallen war, musste es dem Rest der Menschheit doch erst recht aufgefallen sein.

Bei dem Gedanken zog es mir den Magen zusammen und diese Erkenntnis traf mich wie ein Keulenschlag mitten ins Gesicht.

Ach. Du. Kacke.

Daran hatte ich echt noch überhaupt nicht gedacht!!

Ich wollte einfach nur noch weg. Weg in mein Bett oder wenigstens irgendwohin, wo ich mit niemandem konfrontiert wurde. Mit keiner zuckersüßen Hexe und mit keinem schwarzhaarigen Idioten.

Aber bevor ich mich umdrehen und aus dem Staub machen konnte, sagte Dario gerade: „Lisa, hast du etwas dagegen, wenn ich mit Paulina kurz etwas zu trinken hole?“

Wenigstens nannte er sie nicht vor mir ‚Schatz’ oder so.

„Nein, nein, natürlich nicht“, sagte sie mit ihrer hohen Stimme. Dario ließ sie los und betrat die Treppe, auf der ich immer noch stand, ohne sich noch einmal nach seiner Freundin umzudrehen.

„Komm“, sagte er zu mir und ich folgte ihm die Treppe nach oben. Ich starrte auf seinen Rücken und sehnte mich nach seiner Nähe. Nur so hinter ihm zu laufen und ihn nicht berühren zu können, brachte mich um.

Ich wurde einmal so hart angerempelt, als wir durch den Flur liefen, dass Dario nach meiner Hand griff und mich vorsichtig hinter sich herzog, damit das nicht noch einmal passierte. Ich war mir überaus bewusst, dass sich meine Finger gerade mit seinen verflochten. Die ganze rechte Seite meines Körpers fing an zu kribbeln.

Und ich hatte noch nie etwas so Perfektes gespürt. Etwas, was so gut zusammenpasste, ohne dass man sich groß Mühe gab oder es darauf anlegte.

Er blieb stehen, sodass ich beinahe gegen ihn hineingerannt wäre, und sagte über die Schulter zu mir: „Wo ist deine Jacke?“

„Ääähm, in der Küche über dem zweiten Stuhl von links“, sagte ich perplex. Im nächsten Moment hatte er meine Hand losgelassen (neeeeein!) und war in Richtung Küche gegangen.

Hä, was wollte er denn mit meiner Jacke?

Ich entdeckte seinen schwarzen Haarschopf schon wieder, bevor ich mir weiter irgendwie den Kopf zerbrechen konnte. Er reichte mir wortlos meine Jacke und schlüpfte in seine, die er ebenfalls irgendwo hergezaubert hatte. Seine Schuhe standen direkt neben mir auf dem Boden des Eingangsbereiches, in die er jetzt hineinschlüpfte. Ich zog meine Ugg-Boots auch schnell an und folgte ihm zur Haustür, wohin er sich schon auf den Weg gemach hatte. Was wollte er denn draußen?!

Als er die Tür hinter sich zuzog, sahen uns alle an, die hier draußen standen und rauchten – Pia warf mir einen fragenden, neugierigen und gleichzeitig bedeutungsschwangeren Blick zu – , aber Dario juckte es herzlich wenig, dass jeder uns ansah. Das war eine der vielen Sachen, die uns so sehr voneinander unterschied und die ich aber so sehr an ihm mochte. Er kümmerte sich nicht darum, was andere über ihn dachten und was sie über ihn redeten. Er tat das, wonach ihm war.

Wahrscheinlich bemerkte er die Blicke der anderen nicht einmal.

Wir gingen um das Haus herum in den riesigen, stockdusteren Garten.

24 Türchen - Weihnachten, Liebe und andere Katastrophen [I]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!