Freitag, 19. Dezember - Achja, genau: Weil er ein Arschloch ist.

17.5K 1.5K 159

Ich starrte die Tür am anderen Ende des Raumes an und biss mir von innen auf die Wangen.

Die Tür ging jetzt auf (obwohl ich niemanden hereingebeten hatte) und die Zwillinge lugten herein. Marie marschierte, ohne zu zögern, im Schlafanzug in mein Zimmer, gefolgt von Maxi in Jogginghose und T-Shirt.

„Hey ihr zwei“, sagte ich leise, während Maxi die Tür sorgfältig und vorsichtig hinter sich schloss, und sah sie alarmiert an. „Alles okay?“

War etwas passiert, oder wieso tauchten sie einfach nachts bei mir im Zimmer auf?

„Ja, ja, natürlich“, winkte Marie ab, setzte sich direkt neben mich in mein Bett und schob ihre nackten Füße unter meine Decke.

„Wir haben etwas beschlossen, Paulina“, kam sie direkt zur Sache.

Oh oh.

„Ach ja? Was denn?“, fragte ich noch alarmierter und sah von Marie zu Maxi, der neben meinem Bett stehen geblieben war. Er hatte ein Blatt Papier in der Hand, was mir bisher noch gar nicht aufgefallen war.

„Du fährst morgen nach Hause“, sagte er.

„Du fährst heute nach Hause“, korrigierte seine Schwester ihn, „denn es ist schon nach Mitternacht.“

„Wie bitte?“, fragte ich ein wenig neben der Spur. Was hatten sie da gerade gesagt? Ich sollte nach Hause fahren? Hah, witzig, das waren ja zwei Scherzkekse. Erstens würde Mama mich ja sicher auch gehen lassen und zweitens... „Leute, ich habe keinen Perso, kein Geld, gar nichts...“

In Maries Gesicht erschien ein breites, etwas teuflisches Grinsen und sie zog aus der Bauchtasche ihres Sweatshirts, das sie über ihrem Schlafanzug trug, meinen Personalausweis. ...Was?

Mit großen Augen nahm ich den entgegen.

Im gleichen Moment hielt Maxi mir wortlos das Blatt Papier hin, das er immer noch in der Hand hatte. Ich nahm es mit klopfenden Herzen an und sah darauf.

„Ticket. Von Hamburg Hauptbahnhof nach München Hauptbahnhof“, sagte Marie. Ich starrte auf das Blatt Papier, auf dem mein Name stand und das mir die Tür öffnete, morgen nach Hause zu fahren. „Leider ist schon alles so gut wie ausgebucht, weil jeder an diesem Wochenende vor Weihnachten nach Hause fährt oder sonst wohin, naja, auf jeden Fall musst du leider in Nürnberg umsteigen und kurz warten, aber das wird ja nicht so schlimm sein und...“

Ich hörte Maries Geplapper überhaupt nicht zu.

Watte hatte sich über meine Ohren gelegt und ich war... keine Ahnung. Auf jeden Fall nicht mehr zurechnungsfähig.

Ich würde heute nach Hause fahren.

Heute nach Hause fahren. An Darios Geburtstag. Zu Dario.

Ich war sprachlos.

Ich sah auf und öffnete den Mund, aber ich bekam kein Wort heraus. Ich war wirklich einfach nur baff. Die Zwillinge grinsten mich beide an.

„Aber, das kann ich nicht annehmen. Echt nicht“, sagte ich mit schwacher Stimme, aber weiter kam ich nicht, denn Marie unterbrach mich schon: „Ach, papperlapapp, du fährst morgen nach Hause! Ich meine heute, du fährst heute nach Hause! Du kannst sagen, was du willst, aber du willst doch etwa nicht Darios Geburtstag verpassen? Nein, willst du nicht, also wirst du hinfahren und Schluss mit der Widerrede. Was meinst du, wie er sich freut, wenn du als Überraschungsgast plötzlich auftauchst?“

„Also weiß er nichts davon?“

„Natürlich nicht!“, frohlockte Marie und senkte ihre Stimme aber im nächsten Moment schon wieder, weil der Rest in diesem Haus ja schlief. „Der wird Augen machen!“

24 Türchen - Weihnachten, Liebe und andere Katastrophen [I]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!