Damit war es wohl offiziell, dass die beiden zusammen waren. Hochoffiziell vor aller Augen.

Ich schluckte und starrte mit weit aufgerissenen Augen vor mich auf den schwarz aussehenden Boden. In mir drinnen brüllte alles. Ich konnte nicht mehr klar denken, ich konnte nicht mehr richtig atmen, ich konnte beinahe nicht einmal mehr stehen.

Ich drehte mich wie in Trance zu meinen Freunden. Gott sei Dank hatte niemand mitgekriegt, wie es mir ging. Natürlich nicht, schließlich war ich nicht gerade interessant verglichen mit dem da seitlich neben mir. Sie starrten natürlich alle zu Lisa und Dario und reden aufgeregt darüber.

„Siehst du, ich hätte die fünf Euro gewonnen!“, grinste Claudi mich jetzt an und ich verdrehte nur die Augen.

Ich hatte es die ganze Zeit verdrängt, aber jetzt musste ich es mir eingestehen: ich war schon längst in Dario verliebt.

Schon längst.

Hoffnungslos und über beide Ohren.

Er war mir unter die Haut gekrochen, ohne dass ich etwas dagegen machen konnte.

Ich war hier in eine Sache hineingeschlittert, in die ich nie hineinschlittern wollte.

Und jetzt würde ich hier nie wieder rauskommen. Und zusätzlich ein gebrochenes Herz bekommen.

„Ist alles okay, Paulina?“, hörte ich Pias besorgte Stimme. Ich sah zu ihr auf und begegnete ihrem Blick.

„Geht schon“, meinte ich und lächelte halb. „Ich habe nur so krasse Kopfschmerzen seit diesem Stress bei der Garderobe.“

„Willst du ein wenig raus an die frische Luft? Ich kann mit dir mitkommen“, bot Claudi mir an, lieb wie sie war, aber ich schüttelte nur den Kopf.

„Ich komme schon klar, danke. Bin in paar Minuten wieder da.“

Bevor eine meiner Freundinnen noch etwas sagen konnte, war ich schon in der Menge verschwunden. Ich zwang mich selber, nicht mehr zu Dario und Lisa zu schauen.

Während ich mir den Weg nach draußen bahnte, war ich fest entschlossen, dass ich Lisa sagen würde, was Dario zu mir gesagt hatte.

Ich ließ mir am Ausgang einen Stempel auf die Hand drücken, damit ich später wieder ohne Probleme hineinkam, und setzte mich im Halbdunkeln auf eine leere Fanta-Kiste einige Schritte vom Ausgang entfernt. Ich schlang die Arme um die Beine und starrte vor mich in den Schnee. Ich hatte keine Jacke an und eigentlich war mir gerade auch nicht kalt. Ich spürte ehrlich gesagt überhaupt nichts mehr.

Wieso war mein Leben eigentlich so ein Desaster... Womit hatte ich das nur verdient.

Ein perlendes Lachen erklang neben mir und ich hob den Kopf. Lisa und Dario waren ebenfalls herausgekommen aus der Halle. Dario ließ Lisas Hand los und verschwand in der Dunkelheit. Lisa grinste immer noch vor sich hin und drehte sich um, als man Dario nicht mehr sehen konnte und sie ihm also nicht mehr wie eine verliebte Kuh hinterher glotzen konnte. Sie entdeckte mich (leider) und quiekte begeistert auf.

„Linaaaaa!“

Sie kam tanzend auf mich zu (ich beneidete sie mal wieder dafür, wie grazil sie war), zog eine weitere Kiste neben mich und ließ sich wie eine kleine, zarte Elfe darauf nieder.

„Was machst du denn hier ganz alleine draußen? Dario und ich sind jetzt zusammen!“, frohlockte sie. Sie hatte überhaupt keine Antwort darauf erwartet, wieso ich hier alleine in der Kälte fror. Es interessierte sie irgendwie herzlich wenig. Wieso wunderte mich das eigentlich überhaupt nicht...

„Das is ja süß“, meinte ich tonlos.

„Jaaa, nicht wahr?“ Ihre Stimme überschlug sich beinahe und ihre Bäckchen wurden ganz rot, sei es von der Kälte oder der Aufregung. „Ich finde, wir passen soooo gut zusammen!“

24 Türchen - Weihnachten, Liebe und andere Katastrophen [I]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!