Epilog

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Es ist komisch vor ihrem Grab zu stehen. Es ist komisch zu wissen, dass das gestrige Treffen ein Abschied war. Dass es ein letztes Mal war und ich nie wieder mit ihr irgendwo sitzen werde. Ich werde nie wieder ihr Lachen hören, nie wieder die Hoffnung haben, dass alles besser sein könnte.

Ich werde ihr nie wieder einen Wunsch erfüllen können, ihr nie wieder sagen wie schön sie war.

Cynthia Barrow Ganz einfach. In großen Buchstaben, kaum zu übersehen.

1997-2014 Wo auch immer du bist, dort wird es dir besser gehen. Einerseits passt der Spruch. Es ist nicht hundertprozentig das was sie sich gewünscht hat, aber er passt besser als alle anderen. Sie hatte zu viel leiden müssen.

Die letzte Seite ihres Buches war nicht ganz das, was ich mir erhofft habe. Ein Brief, viele Buchstaben waren verschwommen, ich konnte ihn bis jetzt nicht lesen. Es sind zwei Wochen vergangen seit Lukas verhaftet wurde und Kathrine, Jesse und ich verhört wurden. Wir wussten nichts von dem was sie plante. Cynthia zog es auf eigene Faust durch, so wie sie alles in ihrem Leben gemacht hatte.

»Hey, Prinzessin.«, murmelte ich heiser. Sie wurde vor mehr als zwei Wochen begraben und ich war das erste Mal hier. Ihr Brief liegt schwer in meiner Jackentasche, ich habe Angst ihn zu lesen. Angst davor, etwas zu erfahren, dass ich nicht wissen will. »Du fehlst mir.«

Ich ziehe ein Teelicht aus der anderen Tasche und zünde es mit einem Feuerzeug, welches ich aus meiner Hosentasche ziehe, an. Langsam hocke ich mich vor ihr Grab und stelle die kleine Kerze vor den Strauß Blumen. Vielleicht hatte Kathrine sie vorbei gebracht, sie ist in den zwei Wochen oft hier gewesen, hatte versucht mich zu überreden mit ihr zu kommen.

Ganz langsam ziehe ich den inzwischen zerknitterten Brief aus meiner Jackentasche und falte ihn auseinander. Meine Knie schmerzen etwas von der Position in der ich mich befinde, doch ich ignoriere es.

Mein Held, mein Schatz, mein Jay.

Nein. Ich kann es nicht lesen. Kraftlos lasse ich mich auf den Boden nieder, sitze jetzt im Schlamm vor ihrem Grabstein. Ich fahre mir mit der freien Hand über das Gesicht und die Haare und hebe den Brief etwas an um die nächsten Zeilen besser lesen zu können.

Es tut mir so leid.

Du kannst dir nicht vorstellen wie weh es tut, diesen Brief hier zu schreiben, du kannst dir nicht vorstellen wie sehr der Gedanke daran dich alleine zu lassen schmerzt. Es war dein Versprechen, du hattest mir versprochen mich gehen zu lassen, du hast es versprochen.

Aber ich habe mich in dich verliebt. Es hat weniger als drei Monate gedauert.

»Ich habe mich auch in dich verliebt, Cynthia.« Mir steigen Tränen in die Augen als ich zu ihrem Grabstein aufsehe. Keine Veränderung. Immer noch steht mir dieses deutliche Cynthia Barrow gegenüber. Es repräsentiert nichts von dem was sie war. Ich sah wieder auf den Zettel, sie muss geweint haben als sie ihn schrieb. Einige Buchstaben sind verwischt, trotzdem kann ich sie entziffern.

Es tut mir so leid, dass es so enden musste, aber wir wussten beide, dass es nicht gut gehen konnte. Seien wir ehrlich, wir wussten beide das dieser Tag kommen würde.

Ich habe gedacht, du würdest bleiben. Ich habe gehofft, du hättest den Deal vergessen. Ich habe ernsthaft geglaubt du würdest für mich weiter leben, für uns. Ich wünsche mir, dass du glücklich mit mir gewesen wärst.

Cynthia Barrow - Alle meine WünscheLies diese Geschichte KOSTENLOS!