Mittwoch, 10. Dezember - Du brauchst es nicht schön reden.

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Schweigend fuhren wir zur Schule.

„Sag mal, bist du das eigentlich, die da immer Geige spielt am Abend?“, fragte Dario plötzlich mitten in die Stille hinein.

Ich überlegte einen Moment, ob ich überhaupt antworten sollte.

„Ja“, entschied ich mich dann doch für eine Antwort und für die Wahrheit.

„Ich kann ja nicht viel hören, aber das was ich höre, hört sich fantastisch an“, gab Dario schlicht zurück und ich warf ihm einen Blick zu.

„Hör auf, zu schleimen“, grummelte ich und versuchte meinem Blutkreislauf zu sagen, dass er nicht so hochfahren sollte. Ich wollte nicht schon wieder rot anlaufen.

Klappte natürlich nicht, die Ansage an meinen Puls.

„Aaaw, deswegen brauchst du doch nicht gleich rot werden, Tiger! Das war doch nur ein kleines Kompliment!“, lachte Dario glucksend und sah mich von der Seite an.

„Halt die Klappe oder du kannst den Rest zur Schule laufen“, schoss ich knurrend zurück und meinte das auch so. Dario hob abwehrend die Hände in die Höhe, als wäre er komplett unschuldig, aber das Grinsen konnte er sich trotzdem nicht verkneifen.

„Steht das Nachhilfeangebot für heute Abend eigentlich noch?“, fragte er, als wir den vereisten Weg vom Parkplatz über den Pausenhof liefen. Diesmal war ich sehr bedacht darauf, dass ich mich nicht wieder fast auf den Ast legte. Einmal pro Tag reichte schon aus.

„Ne, eigentlich war das gestern nur ein Scherz“, antwortete ich und sah ihn mit neutralem Gesichtsausdruck an.

Dario starrte mich entsetzt an und meinte ein wenig vor den Kopf gestoßen: „Oh, ehrlich? ... ähm, okay...“

Er biss sich auf die Unterlippe und sah hektisch hin und her. Ich lachte und stieß ihm den Ellbogen in die Seite.

„Beruhig dich, natürlich steht das Angebot noch!“, lachte ich und er stieß die Luft aus, die er gerade angehalten hatte. „Das war nur die Rache für dein blödes Verhalten grad im Auto, ich lasse dich doch nicht so hängen!“

„Na, Gott sei Dank“, seufzte Dario und griff sich theatralisch ans Herz, als würde er jeden Moment umkippen. Ich lachte und sah ihm kopfschüttelnd hinterher, als er auf die Jungs, die seine neuen Freunde waren, zuging.

Tim wartete mal wieder im Oberstufenzimmer auf mich. Ich hatte ihm ja bisher noch nichts erzählt, aber er merkte es genau, wenn zwischen Lisa und mir etwas nicht stimmte. War ja eigentlich auch nicht zu übersehen.

Heute hatte er aber anscheinend keine Lust mehr auf die Unwissenheit. Als wir um kurz vor acht in unseren Geschichtskurs liefen, wurde ich ins Kreuzverhör genommen.

„Sag mal, Paulina, was ist eigentlich bei dir und Lisa los? Ich will nicht aufdringlich sein, aber es interessiert mich wirklich.“

„Sie hat nur noch Augen für Dario und ich kann jetzt schauen, wo ich bleibe“, fasste ich das Ganze ziemlich genau und kurz angebunden zusammen.

„Blöde Schnepfe“, kommentierte er mit gerunzelter Stirn und zauberte mir damit ein Grinsen ins Gesicht. Tim war so süß, wenn er sich aufregte.

„Und seit wann habt ihr Streit, wenn die schwarze Witwe sich ein neues Opfer ausgesucht hat?“

„Sie ist keine schwarze Witwe, sie ist blond! Zumindest normalerweise, momentan braunblond – aber auf jeden Fall nicht schwarz!“, wies ich ihn zurecht, aber Tim zuckte nur mit den Schultern.

„Was Jungs angeht, ist sie wie eine schwarze Witwe. Eindeutig. Sie zieht die Jungs an wie das Licht die Motten und verspeist sie lebendig. Dagegen kannst du nichts sagen, Paulina.“

24 Türchen - Weihnachten, Liebe und andere Katastrophen [I]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!