Diagnose: Eindeutig verliebt.

Grummelnd drehte ich mich zur Seite und zog mir die Decke ruckartig über den Kopf. Verdammte Scheiße. Langsam aber sicher verliebte ich mich wirklich in ihn und ich konnte es einfach nicht aufhalten.

Wieso? Wieso nur? Er war nicht mein Fall. Ich war nicht sein Fall.

Also sollte ich das Ganze so schnell es ging abhaken.

Außerdem war Lisa schon fast mit ihm zusammen. Oder schon zusammen. Keine Ahnung.

Und irgendwie konnte ich ihn nicht einmal richtig ausstehen. Er kotzte mich manchmal so an und brachte mich ständig auf die Palme. Ich verstand mich selbst nicht mehr.

Ich schob meine Füße unter der Decke hervor und kroch langsam wie eine Schnecke aus meinem Bett. Ich hatte so wahnsinnig schlecht geschlafen wie schon lange nicht mehr.

Als ich im Badezimmer stand und meine Zähne putzte, fiel mir siedend heiß ein, dass ich ja heute Abend mein Nachhilfe-Date mit Dario hatte!

Moment, hatte ich gerade ‚Date’ gesagt?

Ich beobachtete mich selber im Spiegel, wie ich rot anlief. Das war eine wunderbare Kombination zu meinen hellroten Haaren. Wirklich wunderbar.

„Ciao, Nick! Es stehen noch Nudeln im Kühlschrank, die kannst du nach der Schule essen!“, rief ich, als ich eine knappe Stunde später in meinen Anorak schlüpfte. Irgendwie bekam ich meinen kleinen Bruder momentan ganz schön selten zu Gesicht, fiel mir jetzt gerade erst auf.

„Danke, Paul! Bis heute Abend!“, antwortete mein kleiner Bruder aus der Küche und ich zog die Haustür mit Schwung auf. Erschrocken sprang ich einen Schritt zurück und schrie dabei leise auf, denn Dario stand exakt vor mir und sah mich genauso überrascht an wie ich ihn. Er hatte die Hand schon ausgestreckt, um zu klingeln.

„Ähm...hi. Du bist heute ein wenig spät dran und ich wollte nur fragen, ob du noch fährst oder ob du krank bist und ich schauen muss, ob ich noch den Bus kriege“, erklärte er mir und ein Lächeln zupfte an seinen Mundwinkeln.

Er ließ die Hand sinken und ich trat hinaus in die Eiseskälte.

Super, es hatte natürlich geschneit.

Ich zog die Haustür hinter mir zu und schwang mir meine Tasche über die Schulter.

„Nein, nein, ich bin schon da“, meinte ich ein wenig gestresst und lief mit eiligen Schritten den Gartenweg entlang. Blöderweise ein wenig zu eilig, denn ich rutschte auf einer Eisplatte aus. Wenn Dario mich nicht am Ellbogen gepackt und aufrecht gehalten hätte, hätte ich jetzt Bekanntschaft mit dem Schnee und dem besagten Eis gemacht.

„Danke“, murmelte ich ein wenig beschämt und machte mich schnell los von ihm. War ja klar, dass ich mich wieder so blamieren musste.

Ich warf meine Tasche auf den Rücksitz und machte mich daran, die Scheiben freizukratzen.

„Soll ich das machen?“, bot Dario an.

Ach, sieh mal einer an, da lernte jemand dazu.

„Nein nein, ich mache das schon“, verneinte ich trotzdem. Ich fand es süß, dass er fragte. Und ich wollte sehen, ob er mir jetzt den Kratzer aus der Hand nahm und es trotzdem tat.

„Okay. Du kannst das bestimmt eh viel besser als ich.“

Er zuckte mit den Schultern und wartete am Gartenzaun lehnend, bis ich fertig war.

Am liebsten hätte ich ihm den Eiskratzer an den Kopf geworfen. Oder ihn in den Schnee geschubst. Wieso musste er eigentlich immer alles Nette, was er sagte, mit etwas Blödem wieder kaputt machen?! Das schaffte er immer! Wirklich jedes einzelne beschissene Mal!

24 Türchen - Weihnachten, Liebe und andere Katastrophen [I]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!