Montag, 8. Dezember - Tjaa, man sollte vielleicht aufpassen im Unterricht.

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„Pauli, Dario ist schon da!“

„Ja, ich komme“, grummelte ich so leise, dass Mama im Erdgeschoss es sicher nicht hören konnte. Ich hatte mir extra viel Zeit gelassen, was natürlich nichts genützt hatte, wie auch. Ich musste trotzdem in die Schule und ich musste trotzdem mit ihm zusammen in die Schule fahren. Welch’ Freude am frühen Morgen.

Ich schnappte mir meine Tasche von meinem Schreibtischstuhl und griff nach den schwarzen Handschuhen daneben, dann ging ich in Zeitlupe die Treppe runter.

Als ich unten im Flur war, wunderte es mich, dass Mom Dario gar nicht gebeten hatte, reinzukommen. Es wunderte mich, es störte mich aber nicht im Geringsten, falls das gerade nicht deutlich wurde. Ich schlüpfte wie immer in meine Ugg-Boots, zog Mantel, Mütze und Schal an. Dann schlüpfte ich in die schwarzen Handschuhe.

„Tschüss!“, rief ich mit dem Autoschlüssel schon in der Hand und öffnete die Haustür.

Halleluja, wie konnte man so verboten gut aussehen.

...verdammt, hatte ich das wirklich gerade unwillkürlich gedacht?

Der Kerl brachte mich wirklich um den Verstand. Im negativen Sinne.

„Hey Tiger.“

„Morgen“, muffelte ich und freute mich innerlich, dass ich heute gar nicht kratzen musste, weil es nachts nicht geschneit hatte.

Ich ging an ihm vorbei und achtete nicht darauf, ob er mir folgte. Was er sicher eh tat. Ich stieg in mein Auto ein und würdigte ihn keines Blickes. Ich war total verunsichert. Einerseits war ich total enttäuscht – aber andererseits hatte ich kein Recht dazu, denn ich war nicht mit ihm zusammen, also konnte ich nicht sagen, er durfte Lisa nicht die gleichen Handschuhe schenken wie mir. Himmel, ich war eigentlich nicht einmal wirklich mit ihm befreundet. Und trotzdem nagte die Enttäuschung und Unsicherheit an mir.

„Du hast heute auch um eins aus, oder?“, fragte er mich nach ein paar Minuten stiller Fahrt und ich nickte als Antwort nur.

„Sorry, dass ich gestern nicht mithelfen konnte in eurem Stand.“

Ich sagte immer noch nichts, sondern starrte nur vor mich auf die Straße und versuchte, mich auf den Verkehr zu konzentrieren – was mit ihm neben mir ehrlich gesagt eine ziemliche Herausforderung war.

„Soll ich heute wieder mithelfen?“, fragte er weiter.

„Ja. Oder deine Mom. Mir egal.“

„Okay.“

„Oder vielleicht haben sie ja schon etwas ausgemacht, wer von euch heute da sein wird.“

„Okay“, meinte er wieder.

„Wie lief’s gestern im Stand?“

„Gut.“

„Ist alles okay?“, fragte er ein wenig besorgt.

„Warum?“, stellte ich forsch die Gegenfrage wie aus der Pistole geschossen. Bloß nicht aufregen, Paulina.

Ich würde eh nicht über die Lippen kriegen, dass ich verletzt war, also brauchte ich mir da keine Gedanken machen. Mir würde nichts rausrutschen, auf keinen Fall. Dazu war ich viel zu schüchtern und bedacht.

„Ich weiß nicht“, sagte er und ich sah im Augenwinkel, wie er mit den Schultern zuckte, „du bist heute irgendwie nicht so gesprächig.“

Liegt vielleicht daran, weil ich verletzt bin und nicht mit dir reden will.

„Mir geht’s nicht gut“, antwortete ich schroff, „also lass mich bitte einfach.“

Hui, das war sonst nie so mein Stil. Ich sagte nie jemandem ins Gesicht, wenn er mich in Ruhe lassen sollte.

24 Türchen - Weihnachten, Liebe und andere Katastrophen [I]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!