Freitag, 5. Dezember - Mit dir ist nichts eine Strafe, mein Engel.

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Gott sei Dank. Endlich Freitag.

Ach neeein, ich musste ja auf den Christkindlmarkt und dafür meinen Geigenunterricht sausen lassen!

Grummelnd zog ich mir die Decke über den Kopf und schloss die Augen nochmal. Wieso nochmal hatte ich gesagt, dass ich im Stand helfen würde? Wieso nochmal...?

Ich wollte nicht aufstehen. Ich wollte einfach nicht.

Naja, schweren Herzen bewegte ich mich dann doch aus meinem Bett, machte mich fertig und frühstückte ausgiebig.

Mein Handy vibrierte, als ich gerade an meinem Tee schlürfte, der so heiß war, dass ich mir schon die Zunge verbrannt hatte.

‚Hast du Lust, heute vorbeizukommen?x’, stand da. Die Nachricht war von Chrissy.

‚Lust schon, aber keine Zeit. Ich muss bei Mama im Stand einspringen...’, antwortete ich. Ich bekam den Kackhaufen-Smiley als Antwort und grinste. Chrissy verstand mich. Sie kannte meine Abneigung gegen Weihnachten und alles, was mit Weihnachten zu tun harre.

„Mama, hast du ein Paar Handschuhe für mich, das du nicht brauchst? Meine sind gestern kaputt gegangen!“, rief ich durchs Haus, während ich in einer Schublade im Flur wühlte auf der Suche nach einem Paar Handschuhe, die ich anziehen konnte.

„Nein, die einzigen, die ich hatte, habe ich gestern verloren!“, erschallte die Antwort.

Na toll. Mit einem Knall schloss ich die Schublade wütend. Typisch irgendwie.

Dann mussten mir wohl beim Scheibenkratzen die Finger einfrieren.

Ohne mich zu verabschieden, verließ ich das Haus und widmete mich den besagten Scheiben von meinem Auto. Nach ein paar Sekunden hatte ich das Gefühl, das Blut war in meinen Fingern erfroren. Ich konnte sie kaum noch bewegen geschweige denn abknicken. Verdammt, tat das weh.

„Hast du deine Handschuhe vergessen, Tiger?“, erklang eine Stimme hinter mir und ich zog die Mundwinkel ein.

„Nein, der eine ist kaputt, weil ich nämlich immer selber die Scheiben freikatzen muss“, giftete ich ihn an, ohne mich zu ihm umzudrehen, „du könntest das ja machen als Dankeschön, dass ich dich immer mit in die Schule nehme, aber so viel Grips besitzt du gar nicht, dass du so weit denkst.“

Ich war jetzt fertig, stieg in mein Auto, knallte meine Tür hinter mir zu und wartete, bis der Herr seinen Hintern ebenfalls in mein Auto bewegt hatte. Ich kochte vor Wut und es war noch nicht einmal acht Uhr. Wieso schlug er so auf meine Laune?

Wir sprachen die ganze Fahrt über kein Wort. Dafür merkte ich zu deutlich, dass er mich von der Seite betrachtete. Und das fast die ganze Zeit über. Ich kam mir wirklich beobachtet vor.

Ich sagte aber nichts. Ich war mir ja nicht einmal sicher, ob er mich wirklich anschaute oder ob ich mir das nur einbildete.

Der Schultag war ziemlich langweilig. Wie immer das Gleiche. Unser Mathelehrer ließ Dario wieder eine Aufgabe an der Tafel rechnen, die er wieder nicht bewältigen konnte. Irgendwie tat er mir doch ein wenig Leid. In welchem Bundesland war er überhaupt auf dem Internat gewesen? Denn wenn er irgendwo im Norden, Nordwesten von Deutschland gewesen ist, dann wunderte es mich nicht, dass er mit dem bayerischen Lehrplan nicht klarkam...

Aber wenn das so weiterging, würde er sich das Abitur wirklich in die Haare schmieren können, wie meine Cousine Chrissy immer zu sagen pflegte.

In der Pause mied ich Lisa mal wieder. Ich war wirklich sauer auf Dario, dass er mir meine beste Freundin wegnahm. Wegen ihm konnte ich nicht mehr die Pausen mit ihr verbringen. Konnte er sich keine anderen Leute suchen, denen er auf den Zeiger gehen konnte?!

24 Türchen - Weihnachten, Liebe und andere Katastrophen [I]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!