Fallen

8 1 0
                                                  

Die Shuttletür öffnet sich, Gabrielle tritt ein. Niedergeschlagen lässt sie sich auf einen Sessel fallen. Sie fühlt sich körperlich und emotional am Ende. Plötzlich sitzt Carol vor ihr. Vielleicht ist sie schon die ganze Zeit dagesessen, und Gabrielle hat sie einfach nicht bemerkt.
"Können wir starten?", fragt Carol.
"Mhm", macht Gabrielle. Sie ist ganz froh, vom Planeten wegzukommen. Wie von Zauberhand hebt sich das Shuttle. "Wie?", hört sie sich fragen, "Musst du dafür nicht ans Steuerpult?"
"War so ein Update", erklärt Carol gleichgültig. "Hast du wohl wieder nicht mitbekommen, hm?", eine vertraute Stimme, die Gabrielle das Blut in den Adern gefrieren lässt.
"Cliff?", sie blickt den jungen Mann ungläubig an. Wo kommt er nur her?
"Oh, sorry, hab dir gar nicht erzählt, dass er hier ist", wirft Carol ein und greift nach einer Chipstüte, "Danke nochmals für das Knabberzeugs." Das hat wohl Cliff gegolten. Woher weiß er von Carols Chipsliebe? Überhaupt, was macht er hier? Wie hat er sie gefunden?
Gabrielle glaubt diese Frage nur gedacht zu haben, doch offensichtlich hat sie sie laut gesagt, denn Carol antwortet.
"Ach, das ist nichts Ungewöhnliches. Deine Mutter hat auch heute Morgen angerufen und nach dir gefragt."
"Mama?", Gabrielle macht riesen Augen.
"Keine Sorge, wir regeln das", beschwichtigt sie Cliff, der ja auch noch im Shuttle sitzt. Eine gewohnte Wärme umfasst sie. Ihr Cliff. Wo immer er mit ihr gewesen ist, hat sie sich sicher und gehalten gefühlt, doch hat er sie verletzt. Sie schiebt diese Wärme beiseite. "Was willst du hier?", fragt sie betont unfreundlich.
"Du hast allen Grund so mit mir zu reden", seufzt er, "Ich habe einen dummen Fehler gemacht, Gabrielle. Ich... Ich kann dich einfach nicht vergessen. Kannst du...?", bittend blickt er zu ihr auf. "Ja", stammelt Gabrielle, "Ja, alles kann ich." Sie fliegt zu seinen Lippen.
"Nein" Gabrielle fühlt, wie jemand Cliff zur Seite reißt. "Ich warne dich, Freundchen", Carol hat Cliff am Arm gepackt und redet eindringlich mit ihm, "Lass deine Spielchen, klar! Und jetzt verzieh dich." Gabrielle versteht die Welt nicht mehr. "Carol!", ruft sie entgeistert. "Merkst du nicht, wie er dir immer und immer wieder wehtut?", ruft die korpulente Frau aufgebracht, "Denkst du, er liebt dich? Er will doch bloß seine 600 Sdollar wieder!"
"Halt dich aus meinem Leben!", hört Gabrielle sich schreien. Das Shuttle schwankt bedenklich. Carol entfährt ein Fluch. Sie stürzt zum Steuerpult.
"Was ist?", quiekt Gabrielle erschrocken. "Das muss mit dem neuen Update zusammenhängen. Es funktioniert noch nicht richtig. Geht lieber weg von der Tür."
Gabrielle dreht sich um. Cliff hängt wie versteinert an der Klinke und blickt sie mit wachsbleichem Gesicht an. In dem Moment hört Gabrielle die Entriegelung. "Cliff", schreit sie in einem eigenartigen, hohen Ton. Wie in Zeitlupe sieht sie, wie ihr Verlobter aus dem Shuttle gesaugt wird. Vielleicht sagt er "Ich liebe dich", aber Gabrielle kann es nicht genau erkennen.
"Carol!", ruft sie schrill und verängstigt.
"Jaja, ich hätte es dir sagen sollen", knurrt diese vom Steuerpult, "stand so in der Beschreibung, dass das passieren kann." Gabrielle durchzuckt ein wilder Schmerz. Alles um sie wird schwarz. Sie fällt.

Die Ferne | Substantiv, femininWo Geschichten leben. Entdecke jetzt