Montag, 1. Dezember - Tiger und Kotzbrocken.

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Der erste Dezember.

Advent und so.

Weihnachten.

Ich grummelte und verzog das Gesicht. Es gab keine Zeit im Jahr, die ich so sehr hasste wie die Weihnachtszeit.

Diese geheuchelte Freundlichkeit, die Geschenke, die eh keiner haben wollte, und diese falsche Harmonie.

Wenn ich nur daran dachte, wurde mir schlecht.

„Pauli, kannst du mir hier draußen schnell helfen bitte?“

„Mama, hör auf, mich immer so zu nennen!“, stöhnte ich genervt und machte mich auf den Weg zu ihr. Im Vorbeigehen schmiss ich mir meinen Anorak über, schlüpfte in meine Ugg-Boots und wagte mich mit der Kapuze bis zur Nasenspitze hinuntergezogen hinaus in den Schneesturm.

Das war wirklich ein krasser Winter, den wir dieses Jahr hatten. Schnee ohne Ende, egal wo man hinsah. Alles war weiß. Mit einem Blick auf den Parkplatz neben unserer Garage wusste ich, was mir wie jeden Morgen gleich blühen würde. Mein kleines süßes Auto war komplett eingeschneit. Ich freute mich schon drauf, wenn ich es später erst einmal freikratzen durfte, damit ich irgendwie zur Schule kam, yippieh. Ich war so froh, dass ich achtzehn war, halleluja. Kein Busfahren mehr, keine vorpubertierenden Unterstüfler, die einem gewaltig auf die Nerven gingen. Mir reichte ja schon mein kleiner Bruder Nick, der nichts anderes im Kopf hatte, als mich alle drei Minuten auf die Palme zu bringen. Mit elf Jahren war er wirklich schon ein richtiger Profi, wie sollte das nur werden, wenn er 15 oder 16 war? Daran wollte ich gar nicht denken.

Ich lief von der Haustür über den freigeschaufelten Weg zu Mama hinter die Garage, wo sie gerade Brennholz in einen großen Korb stapelte. Ich half ihr und wir trugen ihn zusammen rein.

„Hast du schon gefrühstückt?“, fragte Mama mich durch die riesigen Schneeflocken und ich schüttelte den Kopf. Ich klopfte meine Boots auf der Matte ab, stieß die Haustür mit dem Ellbogen auf, die ich extra nur angelehnt hatte, und betrat unser wunderbar warmes Haus mit Mama im Schlepptau.

„Nein, aber ich glaube, Nick hat schon wieder meine ganzen Cornfl-“

Der Rest der Beschwerde über meine weggegessenen Schoko-Knusper-Flakes blieb mir im Hals stecken und meine Kinnlade klappte bis hinunter auf den Boden. Mama zog die Haustür hinter uns zu und hatte meine Schockstarre noch gar nicht bemerkt.

Aber ich konnte mich ehrlich nicht mehr rühren, ich war ein wenig sehr überrumpelt.

Da stand einer.

Da stand einer einfach bei uns im Gang.

Der stand da und grinste uns an. Beziehungsweise mich, weil Mama sich ja immer noch nicht nach vorne gedreht hatte.

Da... da... da steht einfach einer!! Hallo, Mama?!?! Da steht ein fremder Kerl in unserem Gang?!!? Wie kann das sein?!?!

Das alles wollte ich sie fragen, aber ich bekam keinen Ton heraus.

„Oh, hallo! Du musst Dario sein, oder?“, begrüßte meine Mama den Eindringling, den sie jetzt auch endlich entdeckt hatte, und lächelte ihn breit an. Ich hatte mich jetzt wieder gefangen und zog nur eine Augenbraue hoch. Ich musterte diesen besagten Dario von oben bis unten.

Okay, er sah gut aus. Verboten verdammt mega unverschämt gut, um es auf den Punkt zubringen. Schwarze Haare und schwarze Augen, ein markantes Gesicht, eine ziemlich coole Frisur. Von seinem Körperbau konnte ich nicht viel erkennen, weil er ebenso wie wir eine fette Winterjacke trug, aber ich würde mein geliebtes Auto darauf verwetten, dass er unter seinen ganzen Schichten von Klamotten durchtrainiert war.

24 Türchen - Weihnachten, Liebe und andere Katastrophen [I]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!