Oh Boy

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06. Oh Boy

"Mum?", rufe ich durch das Haus. "Ich bin wieder da!"

"Avery? Komm mal her! Du musst mir helfen!" Ich ziehe mir meine Schuhe und Jacke aus, lasse die Tasche in der Ecke stehen und laufe zu meiner Mutter in die Küche.

"Avery, kannst du das hier übernehmen?", fragt sie ein wenig hilflos.

"Was ist hier denn passiert?" Ich weite meine Augen, um mir die ganze Sauerei genauer anzusehen.

"Ich hab es probiert, wirklich. Aber das ist einfach nicht meins! Ich muss gleich los, heute ist eine Spendenveranstaltung im Krankenhaus.", erklärt sie die Situation und streift sich die Backhandschuhe ab.

"Und du bist eingeladen?" Ungläubig ziehe ich eine Augenbraue hoch.

"Was soll das denn jetzt heißen, Madame?", fragt sie eingeschnappt. "Ich muss am Empfang arbeiten, trotzdem könntest du ein wenig Rücksicht auf meine Gefühle nehmen, Diana."

"Mum! Nenn mich nicht Diana!", motze ich während ich anfange die Flächen zu reinigen.

"Ist gut, denk daran auch den Boden zu reinigen. Wir sehen uns um Halb.", rattert sie runter und drückt mir einen Kuss auf die Wange.

"Wir sehen uns?"

"Hä? Achso, äh, ja. Ja ja, ich habe deinen Vater gebeten dich abzuholen und heute Abend hinzubringen. Maddison wollte nicht allein sein, da er sie mitschleppt."

"Na dann mal Danke!", schnaube ich.

Meine Mum hält inne und sieht mich traurig an. "Avery, wenn du etwas nicht möchtest, dann-"

"Nein, Mum, vergiss es. Ich bin mir sicher Susanne wartet am Empfang!", lache ich, um ihr kein schlechtes Gewissen zu bereiten.

Susanne ist eine alte Frau, die wahrscheinlich kurz davor ist meiner Mum einen Fanclub zu gründen. Leider liegt ihr Mann im Krankenhaus, doch sie kommt ihn jeden Tag besuchen. Davor aber stellt sie sich an den Empfang und unterhält sich mit meiner Mum. Wirklich lustig, aber das muss Liebe sein. Zwischen Susanne und ihrem Mann, meine ich.

Ich räume die dreckigen Teller gerade in den Geschirrspüler, als meine Mum durch die Haustür verschwindet. Nach zwanzig Minuten lasse ich mich erschöpft auf den Hocker fallen. Lange Zeit zum Ausruhen habe ich nicht, denn die Hausaufgaben warten. Seufzend stehe ich wieder auf und packe alles Nötige aus meiner Tasche auf den Esstisch, der leer geräumt ist.

-

Der kurze Ton der Türklingel lässt mich aufschrecken, so dass ich die Fernbedinung in meiner Hand polternd zu Boden fallen lasse. Unser Klingelton klingt nämlich so ähnlich wie diese drosselnden Töne eines Feueralarms. Ich hebe die Fernbedinung auf und schalte den Fernseher stumm, in dem gerade meine Lieblingsserie Melissa und Joey abgespielt wird, die eh kein Schwein kennt.

An der Tür wartet eine lächelnde Maddison, die schon gleich ins Haus stürmt. "Hey du.", grinst sie und sieht sich um.

"Alles in Ordnung?"

"Ja, ich wollte nur wissen wie es hier aussieht. Ein hübsches kleines Holzhaus.", stellt sie zufrieden fest.

"Äh, ja. Willst du etwas trinken?"

"Nein, ich habe auf nichts Appetitt. Wenn ich nur daran denke - Krankenhaus, Krankheit, Blut - Igitt.", schüttelt sie sich.

"Du kannst kein Blut sehen?"

"Nein, ich find das nicht normal. Ich meine, gewisse Dinge sollten mit Grund im Körper bleiben."

"Ich finde das interessant. Die Blutkörperchen, die-"

Mr. Right GuyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt