32. Again..

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Die Schule wurde immer grausamer. Zwar ließen sich zwei Tage später die meisten Schüler immer noch nichts anmerken, doch ich spürte deren Blicke auf mir ruhen. Sie zogen mich runter.

Immer tiefer und tiefer. Desto tiefer ich fiel, desto schlimmer wurde die Panik. Ich konnte nicht mehr schlafen, wollte nichts essen und wenn ich es tat widerstand ich dem Drang es wieder hinaus zu würgen. Ich bunkerte mich für Stunden in meinem Zimmer ein, pulte an der Tapete hinter meinem Bett und starrte ins nichts.

Eigentlich sollte ich lernen. Eigentlich sollte ich meine Kapitel schreiben, bevor die Erinnerungen verblassen würden. Eigentlich sollte ich mich wieder bei Jay oder Kathrine melden. Mich selbst noch lebendig und unversehrt im Spiegel zu sehen tat weh. Meine Eltern hatten allerdings meine Sicherheit noch mal erhöht. Mir sollte nichts passieren, aber wer beschützte mich vor den grausamen taten? Wer beschützte mich vor anderen?

Sie taten mir viel mehr weh, als ich es mir selber tat.

Stumm starrte ich mich am Donnerstag Morgen im Spiegel an. Jetzt waren drei Tage vergangen. Der dritte Tag an dem ich Kathrine und Jay nur in der Schule sehen konnte. Ich war ein wenig marger geworden, nicht viel, aber ich hatte innerhalb von drei Tagen erkennbar abgenommen.

Ich bis die Zähne zusammen und fuhr mit meinen kalten Fingern über mein Gesicht. Meine Wangenknochen stachen mehr heraus als sie es vor einer Woche getan haben. Ich verwandelte mich wieder in ein Wrack, das Wrack, dass ich gewesen war bevor ich auf Jay traf.

Mit einen seufzen fuhr ich mir mit meiner Hand durch die Haare und verließ das Badezimmer. Meine Mutter wartete an der Haustür und lächelte mich gequält an.

Sie hatte aufgegeben mit mir zu reden. Ich beantwortete ihre Fragen zwar, doch sprechen wollte ich nicht. Ich wollte gar nichts mehr tun. Stumm verließen wir die Wohnung und fuhren los. Mum biss sich ständig auf ihre Lippe und ich konnte nichts anders als es ihr gleich zu tun.

Obwohl meine Stimmung so tief gesunken war, blieb das Wetter gleich. Es schien sogar immer wärmer zu werden, was ich noch weniger ertrug. Ich hatte mal gelesen, dass nach jedem Hoch ein Tief kam und man solle ein Gleichgewicht finden. Ich hatte geglaubt, dass Jay mein Gleichgewicht sei, aber das Tief kam trotzdem. Vielleicht waren die Wünsche mein Hoch gewesen, ich hatte sterben wollen als er mir diesen Vorschlag machte. Ich hatte damals nur nicht gewusst das ich Jay lieben würde, ich wusste nicht, dass er mich lieben könnte.

Und jetzt wünschte ich mir nichts anderes als ihn nicht zu kennen. Kathrine nicht zu kennen. Jesse nicht zu kennen. Vorallem Jay wollte ich nicht mehr kennen. Ich würde nur wieder als mit mir reißen, nicht nur meine Eltern. Ich würde sie alle mit mir reißen, sie alle mit mir untergehen lassen.

Weil ich nicht stark genug war, weil es genauso war wie vor drei Jahren. Da taucht das Foto auf, Lukas verhasste Kommentare, Beleidigungen von anderen, Menschen die ich nicht einmal kannte. Und irgendwann würden alle einem den Rücken zurück kehren, weil es keine Hoffnung gab. Auch Jay und Kathrine würden gehen, sie mussten, ich würde zu viele Schmerzen bereiten, eine zu große Last sein.

Man kann niemandem helfen der bereits tot ist. Und ich war tot, verdammt noch mal. Ich bin tot gewesen bevor er kam! Ich hatte nicht mehr gelebt, er war wie eine Maschine die einen Koma-Patienten am leben erhielt.

Es gibt allerdings immer ein aber. Irgendwann stellt man fest, dass diesem Koma-Patienten nicht mehr zu helfen war und dann musste man sich entscheiden.

Los lassen oder weiter auf das unmögliche warten?

Ich bin nah dran gewesen, das Unmögliche möglich zu machen, aber ich wurde eingeholt. Nicht jede Geschichte konnte ein Happy End haben und meine Geschichte würde keins haben.

Cynthia Barrow - Alle meine WünscheLies diese Geschichte KOSTENLOS!