[22.08.2011 - D31 - Frühstück]

0 1 0

„Du solltest im Bett sein", murmelte Heidenstein und sah sie an, als sie in seine Küche kam.

„Ich brauche meinen Kaffee", erwiderte sie.

Er musterte sie, schüttelte den Kopf. „Kannst du nicht noch einen Tag liegen bleiben?"

„Nein." Sie fixierte die bereits laufende Kaffeemaschine, streckte sich dann, um ihre Tasse aus dem Schrank zu nehmen. Sie zuckte zusammen. Die Wunde schmerzte noch immer.

Heidenstein trat zu ihr, nahm die Tasse und reichte sie ihr. „Pakhet." Er sah sie an.

Sie schüttelte energisch den Kopf. „Bitte, Doc. Ich kann nicht liegen bleiben."

Seine Augen waren auf ihre Schulter fixiert. Unter ihrem Tanktop sah man die großen Pflaster deutlich, da sie auch die Schulter bedeckten.

Bisher trug sie auch ihre Prothese nicht. Sie war bisher nicht dazu gekommen, sie zu holen, vermutete sie aber in ihrem Zimmer. Immerhin hatte Heidenstein sie ihr abgenommen. Vielleicht war es auch besser, wenn sie es heute bei der realistischen Prothese blieb. Sie würde diese ohnehin für den Abend brauchen.

„Pass auf dich auf, ja?", meinte Heidestein schließlich und legte ihr sanft eine Hand auf den Oberarm. „Du kannst niemanden helfen, wenn du dich selbst umbringst."

Die Kaffeemaschine zischte. Sie war offenbar durchgelaufen. Gut.

Pakhet wandte sich von ihm ab und ging zur Kaffeemaschine. Sie füllte sich etwas von der noch brühend heißen, schwarzen Flüssigkeit in ihren Becher. Sie seufzte. „Ich habe nicht vor zu sterben", sagte sie leise. Sie hob die Tasse und roch daran. Allein das Aroma sorgte dafür, dass sie sich lebendiger fühlte. Sie wusste, dass ihre Worte nicht viel sagten. Sie hatte nur bis zu einem gewissen Maß Kontrolle darüber, ob sie starb oder nicht. Sie beschloss, das Thema zu wechseln. „Ich habe vorhin mit einem Mann namens Jack gesprochen. Smith hat ihn mir empfohlen. Ich werde mich heute Abend mit ihm im Salty Ferryman treffen. Und Smith wird nachher herkommen."

Heidenstein schwieg zwei oder drei Sekunden lang. Dann atmete er in einem halben Seufzen aus. „Okay."

„Was?", fragte sie.

„Nichts", erwiderte er. „Du weißt. Ich mache mir Sorgen."

Sie musterte ihn und lächelte beinahe. Es war so seltsam. Bisher war es nur Robert gewesen, der sich immer und immer wieder Sorgen um sie gemacht hatte. Nur Robert  ...

Sie schüttelte den Kopf. „Du machst dir zu viel Sorgen, Doc. Ich passe auf mich auf."

Er sah sie mit einem traurigen Lächeln an, nickte dann aber. „Ich weiß. Aber ein zweites Paar Augen, dass auf dich aufpasst wird nicht schaden."

Sie nickte. Seufzte. „Was ist mit dem Krankenhaus?"

Überrascht schaute er auf. „Wie?"

„Musst du nicht arbeiten?"

Nun war es er, der den Kopf schüttelte. „Ich habe dir gesagt, dass ich helfe. Ich werde helfen. Hier  ..." Er seufzte. Es schien ihm schwerzufallen. „Hier ist ohnehin nicht so viel los. Also nutze ich es, dass ich mein eigener Chef bin. Sag mir einfach, was ich tun kann, um dir zu helfen."

Sie nickte. „Danke, Doc", flüsterte sie und meinte es wirklich. Sie wusste, dass ihre Entscheidung dumm, übereilig war. Er hätte jedes Recht gehabt, auf sie einzureden, zu versuchen sie davon zu überzeugen, es sein zu lassen. Doch er tat es nicht. Er half sie. Sie war nicht allein. „Wirklich. Danke."

Sein Blick verharrte auf ihrem Gesicht. Für einen Moment sah es so aus, als würde er sich zu ihr herüberbeugen wollen, doch er beherrschte sich. „Dafür bin ich da."

MosaikWo Geschichten leben. Entdecke jetzt